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Regional Dresdner Bläserphilharmonie gedenkt am Sonntag Stefan Fritzen
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18:00 22.02.2020
Dresdner Bläserphilharmonie noch mit Dirigent Stefan Fritz (gest. 2019) Quelle: Armin Koch
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Dresden

Als vor knapp einem Jahr Stefan Fritzen verstarb, bedeutete das eine tiefe Zäsur für die Dresdner Bläserphilharmonie. Der 1940 in Rötha bei Leipzig geborene Dirigent und u.a. einstige Soloposaunist der Staatskapelle Dresden hatte das Ensemble, das sich 2008 auf Initiative von Christian O. Gruhl aus einer Gruppe Musikbegeisterter als „Dresdner Stadtkapelle“ gründete, von Anfang an geprägt.

Fritzen war damals als Pensionär nach langer, erfolgreicher Tätigkeit in Mannheim in seine sächsische Heimat zurückgekehrt und sah in dem neu entstehenden Bläserensemble eine bedeutende und ihn erfüllende Aufgabe. Auch aufgrund seiner langjährigen musikpädagogischen Erfahrungen und der Fähigkeit, seine Vorstellungen von Klang und Musizieren sowohl enthusiastischen Laien als auch Berufsmusikern zu vermitteln, gelang es ihm, die Dresdner Bläserphilharmonie zu einem Klangkörper zu formen, der sich in der an Ensembles wahrlich nicht armen Orchesterszene Sachsens über die Jahre etablieren und behaupten konnte.

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Musikalische Herausforderungen im Konzert am Sonntag

Die Bläserphilharmonie will dies im Sinne Stefan Fritzens auch nach dessen Tod weiterführen und fand in Andrea Barizza einen neuen künstlerischen Leiter. Der gebürtige Italiener studierte in seiner Heimatstadt La Spezia Klavier und Musikwissenschaft, an der Dresdner Musikhochschule Orchesterdirigieren bei Christian Kluttig und Steffen Leißner. Er arbeitet mit verschiedenen Orchestern und Theatern und war zudem von 2017 bis 2019 Künstlerischer Assistent des damaligen Chefdirigenten der Dresdner Philharmonie, Michael Sanderling.

Andrea Barizza ist der neue Künstlerische Leiter der Bläserphilharmonie. Quelle: Alessandro Corio

Zwei große Konzerte möchte die Dresdner Bläserphilharmonie, die im Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen in Pieschen ihre Proben abhält, auch künftig pro Jahr – vorzugsweise im Kulturpalast – geben. Das 19. Sinfonische Bläserkonzert findet an diesem Sonntag, 19 Uhr am gewünschten Orte statt. Das dafür angekündigte, noch von Stefan Fritzen konzipierte Programm ist alles andere als gewöhnlich und hält unter dem thematischen Konzept „Gedenken“ musikalische Herausforderungen bereit.

„Feierlicher Einzug“ heißt es zum Auftakt, dahinter verbirgt sich die Komposition „Fanfare für die feierliche Prozession der Ritter des Johanniterordens“ von Richard Strauss aus dem Jahr 1909, die hier in einer Bearbeitung für großes sinfonisches Bläserorchester von Stephan Ametsbichler erklingt. Mit dem zweiten Stück des Abends, „Elegy For Solo Tuba“ des 1930 in New Hampshire (USA) geborenen Edward J. Madden, will sich die Bläserphilharmonie „voller Traurigkeit und Dankbarkeit von unserem Dirigenten Stefan Fritzen verabschieden“, heißt es in der Ankündigung. Solist ist Dominik Nuß (*1994), seit April 2018 Akademist an der Staatskapelle Dresden.

Milko Kersten spricht das Grußwort

Ein weiteres musikalisches Gedenken steht danach auf dem Programm, „World Why Die II“ des 1961 in Frankfurt am Main geborenen Komponisten Rolf Rudin ist den Opfern der Terroranschläge des 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten von Amerika gewidmet. Rudin und Fritzen kannten sich persönlich und haben über viele Jahre künstlerisch zusammengearbeitet.

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Schließlich schlägt die Dresdner Bläserphilharmonie den musikalischen Bogen zum großen Jubilar des Jahres, Ludwig van Beethoven. Die Ouvertüre aus dessen Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel „Egmont“ wird in einer Fassung von Siegmund Goldhammer für sinfonisches Blasorchester geboten, bevor mit „Music For Prague 1968“ von Karel Husa (1921-2016) das Hauptwerk des Abends erklingt. Der aus Prag stammende Tscheche, der ab 1954 in den USA lebte, komponierte das Werk aus der Betroffenheit über die Niederschlagung des Prager Frühlings heraus; 1969 wurde es in Washington uraufgeführt.

Ein Grußwort zum Konzert wird Milko Kersten, Präsident des Sächsischen Musikrates, sprechen. In seinem, am 17. Juni 2019 in den DNN veröffentlichten Nachruf auf Stefan Fritzen hatte Kersten den Künstlerischen Leiter als „kompetenten und landesweit geschätzten Juror und Dozenten, wertvollen Kollegen und aufmerksamen Mitmenschen“ gewürdigt. Ihm sei gelungen, „mit der Dresdner Bläserphilharmonie ein Laienensemble zu entwickeln und zu prägen, das in Klangkultur und vor allem im dramaturgischen Anspruch ein Alleinstellungsmerkmal in der Stadt einnimmt“.

19. Sinfonisches Bläserkonzert am Sonntag, 19 Uhr, Kulturpalast. Karten: 20 Euro, erm. 12 Euro, gibt es noch an der Abendkasse.

Und schon zum Vormerken: Die Dresdner Bläser­phil­har­monie lädt am 12. Juli im Kulturpalast zu einer Operngala „Nessun Dorma“ ein, gespielt werden u.a. Werke von Bizet, Verdi und Puccini.

Von Kerstin Leiße