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Regional Dresdens größtes Indoorfestival feiert lokale Musikszene
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14:00 18.02.2019
Bandstand Hellerau 2019 FreitagQuelle: Anja Schneider
Bandstand Hellerau 2019 FreitagQuelle: Anja Schneider
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Dresden

Volle Bahnen in Richtung Hellerau, eine leuchtende Feuerschale vor dem Festspielhaus und Musiker, die ihre letzten Instrumente aus den Autos holen. Das kann nur eines bedeutet: Es ist Bandstand-Zeit. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden präsentierten sich lokale Bands, Newcomer und gestandene Vertreter der lokalen Musikszene auf vier Bühnen beim größten Indoor-Festival Dresdens.

Den Anfang machte am Freitagabend Lasse Reinstroem. Und der Name der Dresdner war Programm: Kurz vor Beginn des Sets war der Dalcroze-Saal sehr übersichtlich gefüllt, lediglich am Rand hatten es sich ein paar Interessierte gemütlich gemacht. Doch kaum erklangen die ersten Gitarrenklänge, strömten die Massen hinzu und wenige Minuten später wurde es allmählich eng und heiß. Es folgte eine gute halbe Stunde lang eine kurzweilige Mischung aus Stoner, Crossover und Krautrock.

Zwischen den Welten

Ganz im Stile eines Festivals herrschte ein stetes Kommen und Gehen. Denn auch zwischen den Sälen gab es mehr zu entdecken als die Getränkekarte der Bar. Im Ecksalon West gab es den ganzen Abend Kara OK. Eine Tafel mit 16 Songs ließ den Zuhörern die Wahl, welchen die Band als nächstes spielen soll – von „Little Lion Man“ über „Dance with somebody“ bis hin zu „Kling Klang“ war für viele Geschmäcker etwas dabei. Im Ecksalon des Ostens konnten sich Mutige beim Tarot ihre Zukunft voraussagen lassen.

Am 15. und 16. Februar präsentierten sich im Festspielhaus Hellerau lokale Bands. Einen kleinen Einblick in den Freitagabend gibt es in unserer Bildergalerie.

Mit dem fortschreitenden Abend gestalteten sich auch die Stile der Bands abwechslungsreicher. Gerade noch harte Gitarrenriffs im Ohr, werden diese plötzlich durch Hip-Hop-Beats ersetzt. Wo eben noch Lasse Reinstroem feinsten Stoner spielten, rappten sich nun Neustädter Harz in die Ohren der Zuhörer. Und das mit inhaltsstarken Texten und gutem Draht zum Publikum. Doch da sich, wie es sich eben für ein Festival gehört, mit späterer Stunde auch der Zeitplan verdichtete, war der Gang zur großen Hauptbühne längst überfällig und spätestens beim Betreten des hohen Saales wurden wir in die nächste Welt geschmissen. Belgrad standen bereits auf der Bühne und zogen einen sofort in ihren Bann. Sänger Leo Leopoldowitsch ließ den minimalistischen Text mit seiner melancholischen und dennoch kraftvollen Stimme durch den Raum gleiten, während Stephan Mahler das Schlagzeug mit überaus kräftigen Schlägen spielte. Zusammen mit Hendrik Rosenkranz und Ron Henseler kreierten die vier Musiker eine außergewöhnliche Atmosphäre. Zwischen den Liedern war es so ruhig, dass man sich maximal zu flüstern traute. Musikalisch bildeten Belgrad das musikalische Highlight des Abends.

Je später der Abend, desto schräger die Bands

Doch auch diese Welt hatte nicht länger als eine Stunde Bestand und so strömte die Menge gegen 23.30 Uhr raus aus dem Saal und machte sich auf den Weg in die nächste. Und wer sich an dieser Stelle für die Südempore entschied, sollte wohl mit Abstand die verrückteste halbe Stunde des Abends erleben. Dort begann mit DEAF ein wahres Spektakel: Der Schlagzeuger mit Schimpansen-Maske nahm an seinem Instrument Platz, eine Art Jesus mit Maske stellte sich an ein Kreuz (und verharrte die kommenden 30 Minuten regungslos in dieser Position) und ein vermummter Sänger, optisch an einen Gothic-Imker erinnernd, positionierte sich am Mikrofon. Elektronische Beats vermischten sich fortan mit verzerrtem Gesang. Hinzu kam die sichtliche Euphorie des Sängers, der immer wieder seine Verkleidung änderte, mal an einen Clown und mal an Pussy Riot erinnernd, sich völlig in seiner Musik verlor. Gesellschaftskritische Texte, gepaart mit Textanimationen auf der Videowand und dem ausgelassenen Tanz des Sängers ergaben einen Augen- und Ohrenschmaus. Jubelrufe und jede Menge Applaus ließen erahnen, dass das Publikum den Auftritt ebenso feierte wie der Sänger selbst. Zum Abschied verkündete er, er wolle dieses Projekt weiter verfolgen.

Auf wieder völlig andere Art und Weise schräg neigte sich das Line Up langsam aber sicher mit Dré Imbicz als drittletzter Band so langsam dem Ende entgegen. Fünf Musiker mit angeklebten Bärten und dicken Mützen entführten die Zuschauer in die nächste abgedrehte Welt – in die des „American HitPolka“. Dieser Auftritt zeigte einmal mehr, wie vielfältig die hiesige Musikszene doch ist. Und so schunkelten sich die Besucher allmählich in das Ende des Bandstand- Freitags.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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