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Regional Dresdens europäisches Theaterfestival Fast Forward geht ins dritte Jahr
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12:12 09.10.2019
„Vladař“ (Herrscher) von Anna Klimešová, Petr Erbes & Ensemble folgt Niccolò Machiavellis berühmtem Buch „Il Principe“ (Der Fürst) und wird am 14. November das diesjährige Dresdner Theaterfestival Fast Forward im Kleinen Haus eröffnen. Quelle: Martin Špelda
Dresden

So ist sie, die Parallelität der Dinge. Während gerade allerorten (und nicht nur im Osten) des Anfangs vom Ende der DDR vor 30 Jahren gedacht wurde und wird, schwingt in dieser Zeitspanne auch ein Generationswechsel mit. Einer, der eine klare Zuschreibung mit sich bringt: Wer vor etwa 30 Jahren auf die Welt kam, wuchs hinein in eine postkommunistische Welt, die das Blockdenken hinter sich gelassen hatte (selbst wenn das in fast schon bitter-sarkastischer Note und mit anderem geografischen Anstrich heute frivole Urständ’ feiert).

Junge europäische Theaterregie-Handschriften

Doch bleiben wir zumindest ein paar Momente lang beim positiven Blickwinkel. Aus dem heraus ist auch das jüngste Dresdner Theaterfestival Fast Forward, das vom 14. bis 17. November über einige Bühnen in der Stadt gehen wird, in seiner diesjährigen dritten Auflage zu betrachten, zu interpretieren, zu erwarten. Gerade die Erwartung wird nämlich geprägt davon, dass hier eine Generation von Theatermachern aufschlägt und antritt, die salopp unter dem Label der Millennials firmiert. Und die Themen der Gegenwart auf die Bühne bringen kann, ohne sie vorher durch den Malstrom persönlicher biografischer Betroffenheit und Befindlichkeit lotsen zu müssen.

Das dritte Festival dieser Art also in Dresden, wie gehabt mit jungen Theaterregie-Handschriften aus einigen Ecken Europas, steht bevor – und damit so eine Art Ankunft im kleinen Olymp der Tradition. Acht Inszenierungen werden mehrfach gezeigt, verteilt auf vier Tage und vier Orte: das Kleine Haus, Semper Zwei, das Festspielhaus Hellerau sowie das Labortheater der Hochschule für Bildende Künste. Eingeladen sind Produktionen aus Tschechien, Belgien, Ungarn, Großbritannien, Slowenien, Frankreich und Deutschland (zwei Inszenierungen).

Jurymitglieder gesucht

Dabei wird gleichzeitig auch noch die Bewerbung Dresden zur europäischen Kulturhauptstadt 2025 befeuert. Denn für Fast Forward hat das gastgebende Staatsschauspiel Dresden zusammen mit der Stadt und dem Kulturhauptstadtbüro erstmals einen Residenzpreis ausgerufen, den noch dazu eine fünfköpfige Bürgerjury vergeben wird. Der Theaterregisseur, an den der Preis geht, ist dann eingeladen, vier Wochen lang durch Dresden oder die Umgebung auf Suche zu gehen – und im Ergebnis Stadt, Land und Leute zu porträtieren.

Aus all dem wird schließlich, in Kooperation mit dem MDR, ein Podcast. Wer Jurymitglied werden möchte, der sollte sich bis 20. Oktober per E-Mail mit einem kurzen Motivationsschreiben bewerben (kulturhauptstadt@dresden.de). Zeit aber wird man für dieses Amt brauchen – müssen doch alle acht Inszenierungen gesehen werden. Ausdrücklich aufgerufen sind Menschen, die nicht unbedingt zu den regelmäßigen Theatergängern zählen.

Doch zurück zum Band des Postkommunismus, das die Generation der eingeladenen Regisseure umfasst. Blockdenken und Diktatur gehörten bei ihr nicht mehr zur Alltagserfahrung, sagte Staatsschauspiel-Intendant Joachim Klement bei der Vorstellung des Festivalprogramms. Oder etwas positiver formuliert: Sie seien „in einen Aufbruch hineingeboren“.

Extra-Touren mit Moderator

Zwei Beispiele: Dafür steht unter anderen die Tschechin Anna Klimesová, Jahrgang 1990, die „Vladar“ (Herrscher) mit ihrem Prager Ensemble auf die Bühne bringt, angelehnt an Niccolò Macchiavellis berühmtes Werk „Der Fürst“, das er sozusagen im selbstgewählten Exil verfasste, nachdem ihm 1512 in Florenz seine Ämter entzogen worden waren – von der bekannten Familie Medici, mit der Macchiavelli über Kreuz lag. Festival-Kuratorin Charlotte Orti von Havranek verspricht „eine Collage aus historischen und literarischen Texten“.

Der Ungar Kristóf Kelemen, ebenfalls 1990 geboren, kreiert in „Megfigyelök“ (Beobachter) eine Zeitreise in die Sechziger, die auch optisch erkennbar sein werden. Vor allem aber geht es zurück in die Ära des Überwachungskommunismus, in der die ungarische Staatssicherheit einen jungen Studenten ins Visier nimmt, der aus einer Migrantenfamilie zum Studium in sein Heimatland zurückkehrt. Kelemen soll bei Recherchen zu seiner Doktorarbeit auf entsprechendes Aktenmaterial gestoßen sein – und machte daraus ein Stück entlang eines historischen Falls.

Um sozusagen einen neuen und auch leichteren Zugang zu den Arbeiten herzustellen, ist eine so genannte Europa-Tour im Programm, die vier Touren à 10 Plätze umfasst. Jeweils ein Moderator macht sich mit der Gruppe auf zu drei oder vier Inszenierungen, dazwischen gibt es Gespräche und Austausch.

Was bleibt: Eine vierköpfige Festivaljury wird einen Regisseur auswählen, der dann am Staatsschauspiel Dresden inszenieren darf. Auch der Publikumspreis wird wieder ausgelobt. Und alle fremdsprachigen Vorstellungen werden deutsch und englisch übertitelt.

Festival Fast Forward: 14. bis 17. November

www.staatsschauspiel-dresden.de

Von Torsten Klaus

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