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Regional Theo Adam: Dresdens bester Bass
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19:01 11.01.2019
Als Eremit im Freischütz nahm Kammersänger Theo Adam 2006 seinen Abschied von der Bühne. Quelle: dpa
Dresden

Seit Jahren schon hatte man Theo Adam, der auch im Künstler-Ruhestand noch immer an der Seite seiner Frau Eleonore zu den Premieren in der Semperoper gekommen war, nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Am Donnerstag nun ist der Dresdner, der ganz sicher in Deutschland und international zu den außergewöhnlichen und herausragendsten Sängerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehörte, nach langer Krankheit in seiner Heimatstadt verstorben. Er wurde 92 Jahre alt.

In Dresden, wo er 1926 als Sohn eines Dekorationsmalers geboren wurde, begann seine musikalische Laufbahn als Sänger im Kreuzchor, dem er von 1937 bis 1944 angehörte. Diese kirchenmusikalischen Grundlagen prägten ihn. Im letzten Kriegsjahr, nach dem Abitur, wurde er noch Soldat, geriet in Kriegsgefangenschaft und kehrte schließlich in seine Heimatstadt zurück. Neben seiner Tätigkeit als Neulehrer nahm er privaten Gesangsunterricht bei Rudolf Dittrich und erhielt 1949 ein Engagement an der Dresdner Staatsoper. Mit der Rolle des Eremiten in Webers „Freischütz“ gab er sein Debüt im damaligen Großen Haus der Staatstheater, als Eremit auch nahm er in der nach der Zerstörung wiederaufgebauten Semperoper am 30. November 2006 Abschied von der Bühne.

Schon 1953 holte ihn die Berliner Staatsoper in ihr Ensemble, ein Jahr nach seinem Debüt in Bayreuth, wo er in der Folge die großen Partien seines Faches sang. Es gab bald einen Gastvertrag mit der Oper in Frankfurt, die MET rief, der Name des Sängers wurde eine Größe im internationalen Opern- und Konzertgeschehen. Dresden aber blieb er immer verbunden, als Opernsänger, Konzertsänger und später zudem als Regisseur.

Natürlich denkt man zunächst an den Wagner-Sänger Theo Adam, und dieser Komponist stand auch am Beginn seines Weges: Der junge Adam sang 1949 in der ersten Inszenierung einer Oper Wagners nach den Zweiten Weltkrieg in Dresden die Partie des Biterolf im „Tannhäuser“.

Bald aber konnte man wahrnehmen, dass Theo Adam im Stimmfach des Bass-Baritons neue, individuelle Maßstäbe im Wagner-Gesang zu setzen vermochte. Wer ihn etwa als Wotan in „Die Walküre“ erlebt hat, wird sich insbesondere an den ergreifenden Abschiedsmonolog erinnern, an jene ihm eigene lyrische Wehmut, die er zum Klingen brachte. Aber da waren in dieser Partie eben auch die Tugenden des Liedsängers, des kenntnisreichen Oratorien- und Konzertsängers nicht zu überhören. Diese Lyrik machte auch Adams so prägnante Interpretation des Hans Sachs in „Die Meistersinger von Nürnberg“ aus oder seine sensible Gestaltung des tragischen Verzichts als König Marke in „Tristan und Isolde“. Und nicht zu vergessen ist diese immer präsente Klarheit der Diktion bei absoluter Textverständlichkeit. In der Darstellung vermied er jegliche Übertreibung, war immer von überzeugender Präsenz, wusste genau, wann dem Gesang Vorrang vor szenischen Aktionen zu geben ist. Wilde Aktionen des sogenannten Regietheaters waren seine Sache nicht, vor allem nicht in seinen späteren eigenen Inszenierungen.

Das musikalische Fundament wurde im Dresdner Kreuzchor gelegt. Unvergessen ist der Oratoriensänger, nicht zuletzt gemeinsam mit Peter Schreier, dem Dresdner Tenor, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Es war ja das Oratorienquartett seinerzeit: Adele Stolte, Gerda Schriever, Peter Schreier und Theo Adam. In den Rundfunkarchiven schlummern die Schätze, auch etliche CDs geben Auskunft. Einen großen Überblick zur musikalischen Vielfalt Theo Adams gibt eine Edition, die anlässlich seines 80. Geburtstages erschienen ist.

Theo Adams Repertoire war facettenreich. Wer ihn als Mozart-Sänger erlebt hat, als Don Giovanni z.B. unter anderem in der Berliner Staatsoper in den 60er und 70er Jahren, vergisst diese Momente nicht. Aber wie eindrücklich war auch seine Interpretation herausfordernder Partien von Richard Strauss, wie die des Barak in „Die Frau ohne Schatten“ oder des poltrige Baron Ochs auf Lerchenau im „Rosenkavalier“. Und er hat sich immer wieder der sensiblen Kunst des Liedgesanges gewidmet und sich auch der Moderne nicht versagt. Er verkörperte die Titelpartie in Alban Bergs „Wozzeck“, war Doktor Schön und Schigolch in „Lulu“ und Kadmos in Hans Werner Henzes Oper „Die Bassariden“. Bis heute sicher für alle, die dabei waren, in starker Erinnerung geblieben ist die Uraufführung „Einstein“ von Paul Dessau mit Adam in der Titelpartie. Diese Liste ließe sich fortsetzen, er war Friedrich Cerhas Baal, sang in Opern von Othmar Schoeck, Franz Schreker oder Gottfried von Einem.

Natürlich erhielt Adam Auszeichnungen und Preise, in der DDR so gut wie alle, die auf diesem Gebiet zu vergeben waren, war er doch einer der ersten Kulturbotschafter aus Dresden: Nationalpreis, Johannes-R.-Becher-Medaille, Vaterländischer Verdienstorden. Zum Ausgleich wurde er auch als Bayerischer Kammersänger geehrt. 

In Dresden war er 1979 zum Honorarprofessor der Hochschule für Musik berufen worden. Zum 40. Bühnenjubiläum wurde ihm am 7. Oktober 1989 der Große Stern der Völkerfreundschaft überreicht, im Dezember des selben Jahren gab er diese Auszeichnung empört zurück, politische Einsichten führten dazu, so teilte er mit. 1994 ernannte ihn schließlich die Sächsische Staatsoper Dresden zu ihrem Ehrenmitglied, ein Jahr später erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Theo Adams Stimme wird bei denen, die ihn erlebt haben, in Dresden, Berlin, Bayreuth, Salzburg oder wo auch immer auf den Opernbühnen und Konzertpodien der Welt, in nachdrücklicher Erinnerung bleiben. Die inzwischen reichliche Zahl von Aufnahmen bezeugt seine musikalische Kunst, und es gibt von ihm fünf Bücher wie z.B. „Seht, hier ist Tinte, Feder, Papier. Aus der Werkstatt eines Sängers“ von 1980 oder „Vom Sachs zum Ochs. Meine Festspieljahre“ von 2001 –, in denen er seine Erinnerungen für die Nachwelt aufgeschrieben hat.

„Ich kann sagen, dass ich immer sehr glücklich war“ – so resümierte er zum 85. Geburtstag seinen beruflichen Erfolg und sein harmonisches Privatleben am noblen Elbhang in Dresden. Die Landschaft, die einst Künstler, Dichter und Gelehrte wie Friedrich Schiller, Richard Wagner, Christian Gottfried und Karl Theodor Körner inspirierte, war Teil seines Lebenselixiers: gesund leben, nie rauchen und immer treu sein.

Von Boris Gruhl

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