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Regional Theaterkahn startet in die 25. Jubiläumsspielzeit
Nachrichten Kultur Regional Theaterkahn startet in die 25. Jubiläumsspielzeit
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12:17 06.09.2019
Seit 25 Jahren dient der (Theater-)Kahn Marion dem Dresdner Brettl als Spielstätte. Die „Schwimmobilie“ soll mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet werden. Quelle: Carsten Nüssler
Dresden

Natürlich lachte man als Kind einfach über die beiden Trottel mit ihren auffälligen Melonen (-Hüten), wenn sie mal wieder alles vermasselten, was zu vermasseln war, etwa beim Anliefern eines Klaviers über eine endlose Treppe wieder und wieder scheiterten.

Doch jenseits allen Klamauks gab es in allen 106 Filmen, die Oliver Hardy und Stan Laurel zusammen drehten – eine große Botschaft fürs Leben gratis mit dazu: Egal was passiert, wir gehen durch dick und dünn, unsere Freundschaft zerbricht nicht. Manchmal liegen sich die Freunde am Ende einer selbst verursachten Malaise sogar lachend in den Armen.

Tom Quaas und Felix C. Voigt als Stan und Ollie

Stan und Olli“ lautete der Titel des Films, der unlängst in den Kinos diese bemerkenswerte Freundschaft vor Augen führte, „Laurel und Hardy“ lautet nun der Titel einer Komödie von Tom McGrath, die am 18. Oktober auf dem Theaterkahn Premiere hat, wobei Tom Quaas und Felix C. Voigt in einschlägigen Rollen agieren. „Die Planung für das Stück lief schon länger, aber den Werbeeffekt nehmen wir ganz gern mit, was die Geschichte von Laurel und Hardy angeht“, sagte Holger Böhme, seines Zeichens Intendant des Theaterkahns, im Rahmen eines Pressegesprächs zur neuen Spielzeit

Es ist eine Jubiläumsspielzeit, die beim Dresdner Brettl ansteht: es ist die 25. auf der Marion, dem Theaterkahn – was am 3. Oktober mit dem Erich Kästner-Abend „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“ von Friedrich-Wilhelm Junge gefeiert wird. Auch sonst trägt man einigen Jubiläen, die kalendertechnisch so anstehen, etwa „30 Jahre Mauerfall“, mit Rechnung.

So wird am 9. November, 22.30 Uhr, eingedenk des Mauerfalls vor dann 30 Jahren, an der Schiffsbar das Hörspiel „Krauses Tod“ von Holger Böhme aufgeführt. Die Produktion des ORB rankt sich um einen ehemaligen NVA-Offizier, dessen Leben durch einen Schuss aus der Pistole beendet wurde. War er selbst der Schütze? Ein Kommissar befragt die Nachbarn Krauses. Etwa einen Witwer, der Krauses Entlassung nach der Wende mit Genugtuung sah, oder auch einen alten Parteisekretär, der wie Krause den Untergang der DDR beklagte.

Verjüngung und Verweiblichung des Ensembles

„Fünf, vielleicht sechs Neuproduktionen“ soll es laut Böhme in der neuen Spielzeit geben, die erste Premiere steht am Sonnabend, 20 Uhr an. Gegeben wird „Gift. Eine Ehegeschichte“. Sarah Kattih und Thomas Dehler spielen eine Frau und eine Mann, die einst verheiratet waren, dann aber ein Kind verloren, sich trennten und nun treffen, weil der Leichnam umgebettet werden muss.

Alles in allem erfolgt laut Böhme eine „Verjüngung und Verweiblichung des Ensembles“, man setzt auf Gegenwartsdramatik, dabei um gesellschaftliche Debatten wie etwa #MeToo keinen Bogen machend, sondern voll mit einsteigend. Das Publikum? „Verjüngt sich zart“, lässt Böhme wissen. Die Auslastung beträgt derzeit 62 Prozent, das sei „im Schnitt der letzten Jahre, aber am unteren Rand“, gesteht der Kahn-Chef, der drei Kreuze schlägt, wenn die Bauarbeiten an der Augustusbrücke endlich beendet sind.

Und klar mache es sich bemerkbar, wenn kostenlose Kulturangebote wie beim Palaissommer eine Alternative sind. An den ohnehin gestaffelten Preisen kann man seitens der Kahn-Mannschaft nicht drehen, zumal der, dem eine Ermäßigung zusteht, diese auch bekommt. Es gibt auch Theaterjahreskarten in den Kategorien Premium, Classic, Jugend, etwa 35 Personen haben dieses Angebot bislang genutzt. Also: Klar kann man mit der besseren Hälfte, wenn sie denn unbedingt glaubt, Seeluft zu brauchen, in ein Fischgeschäft gehen, man kann sie aber auch auf den Theaterkahn ausführen,

„Wir werden das erste klimaneutrale Theater sein“

Alles in allem zwölf Prozent des Etats sind öffentliche Gelder, der Rest des Haushalts muss selbst erspielt werden. Auch wenn der Kahn erst 2018 in der Werft war, so stehen im kommenden Jahr wieder größere Reparaturen an, etwa am Zentralwassertank. Was auch in Planung ist: Den Theaterkahn mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten. „Wir werden das erste klimaneutrale Theater sein“, meinte Böhme.

Bevor es aber soweit ist, haben die Götter u. a. Verhandlungen mit dem Denkmalschutz gesetzt. Hier und da hat man einfach Glück. Ein Malermeister war unlängst so frei, dem Theaterkahn einen nigelnagelneuen Fußboden zu verpassen – ohne dafür auch nur eine müde Mark, pardon, einen entkräfteten Euro zu nehmen.

Matineereihen ein wichtiger Baustein

Neben Konzerten (hier sorgen Ulla Meinecke, Lucy van Kuhl und Uschi Brüning für die gerade en vogue Frauenpower) sind nicht zuletzt die Matineereihen ein wichtiger Baustein bei der Spielplangestaltung. Da geht man durchaus neue Wege. Wer etwa am 13. Oktober, 11 Uhr, Elzbeta Laabs und Andrzej Barlog lauscht, die unter dem Motto „Das gibt’s nur einmal“ Berliner Gassenhauer der mehr oder minder Goldenen Zwanziger Jahre zu Gehör bringen, kann anschließend in Verbindung mit der Eintrittskarte im Restaurant „Kahnaletto“ zwei Menüs zum Preis von einem erhalten (Voranmeldung erforderlich).

Der Theaterkahn bekommt einen Ableger, eine Außenspielstätte. In der Busmannkapelle will man eine Lesereihe durchführen . Quelle: Dietrich Flechtner

Es gehe dabei nicht darum, das Trennende zu suchen, sondern das Gemeinsame. „Belehrungstheater“, wie es früher in der DDR praktiziert wurde und heute auch wieder auf vielen Bühnen fröhliche Auferstehung feiert , sei allerdings nicht sein Ding – Junge, Jahrgang 1938, setzt lieber auf den Dialog, „der im Kopf des Zuschauers selbst stattfindet“.

Bis zu achtzig Zuschauern biete die Busmannkapelle Platz, vielleicht auch etwas weniger wegen der Fluchtwege“, erklärte Junge, dem auch eine Tonanlage vorschwebt, „denn die Leute sollen es auch draußen mitkriegen“. Los geht es dort aber erst mal mit Junges Stück „Der Großinquisitor“ nach Fjodor M. Dostojewski, in das schwierige Verhältnis zwischen der Freiheit des Einzelnen (Christenmenschen) einerseits und den Normen der Kirche und der Gesellschaft andererseits verhandelt wird.

Karten (auch die für die Veranstaltungen in der Busmannkapelle) über: 0351 496 94 50 oder www.theaterkahn.de

Von Christian Ruf

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