Dresden: Gegenwartskunst trifft Gartenarbeit - Die Parzelle als Galerie
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Dresden: Gegenwartskunst trifft Gartenarbeit - Die Parzelle als Galerie

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15:56 10.10.2020
Die erste Außenstelle des Kunsthaus Dresden ist eine Parzelle im Kleingartenverein Flora 1.
Die erste Außenstelle des Kunsthaus Dresden ist eine Parzelle im Kleingartenverein Flora 1. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Eine Anlaufstelle für Kunst- und Naturfreunde gleichermaßen soll es ab Samstag in Striesen geben. Das Museum Kunsthaus Dresden eröffnet dort seine erste Außenstelle – aber nicht etwa in einer Galerie oder einem Atelier. Der Ort, an dem zukünftig verschiedenste Kunstprojekte zum Thema Ökologie zu finden sein werden, ist eine Parzelle im Kleingartenverein Flora 1 an der Bergmannstraße.

Kunst in der Kleingartensparte

Über etwa 140 Quadratmeter erstreckt sich „Parzelle 3“, in ihrer Mitte befindet sich auf einem Hügel ein kleines Bauwerk aus Holzbalken. Dieser „Kunstpavillon“ wurde von dem europäischen Kollektiv „constructlab“ errichtet und wird in Zukunft verschiedene Ausstellungsstücke beherbergen. Ziel des Projektes ist es, der Natur in der Kunst einen Stellenwert zu geben, der über den des bloßen Motivs hinausgeht, erklärt die Leiterin des Kunsthauses, Christiane Mennicke-Schwarz. Und diese Art von Werken lasse sich nun einmal nur im Freien authentisch umsetzen. Mit der neuen Außenstelle wird auch direkt das erste Kunstprojekt eingeweiht: der Modellgarten „Harmas KGV“ der bildenden Künstlerin Nana Petzelt, die sich in ihrem Werk schon lange mit ökologischen Fragestellungen beschäftigt.

Annekatrin Klepsch, Eva Jähnigen und Christiane Mennicke-Schwarz (v. l.) am Kunstpavillon. Quelle: Anja Schneider

Modellgarten mit wenig Grün und bedrohten Pflanzen

Auf den ersten Blick ist darin nicht viel Grün zu erkennen – der Garten um den Pavillon besteht vor allem aus Sandsteinen, Erde und kleinen Mäuerchen. Die Künstlerin will damit auch unseren Blick auf die Natur thematisieren. Denn obwohl man hier eine klassisch üppig-grüne Pracht umsonst sucht, bietet der Ort das perfekte Habitat für seltene Kräuter, Tiere und Insekten, denen wir sonst wenig Beachtung schenken und die vielleicht gerade deswegen um ihr Überleben kämpfen müssen. Insgesamt 19 bedrohte in Sachsen heimische Pflanzen beherbergt das Mini-Biotop und bietet außerdem perfekte Lebensbedingungen für Eidechsen und seltene Wildbienenarten. Die Wahlhamburgerin Petzelt reiste zur Durchführung des von ihr geplanten Projektes mehrfach nach Dresden, um selbst mit Hand anzulegen. Für „Harmas“ hat sie sich vom gleichnamigen Laborgarten des französischen Forschers Jean-Henri Fabre inspirieren lassen, der als Wegbereiter der Insektenforschung im 19. Jahrhundert gilt. Nicht nur für Insekten ist der Garten eine große Chance. Harmas KGV sei ein „Trittstein der ökologischen Vielfalt“, sagte Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) zu dem Projekt. Hier finden anspruchsvolle Arten einen Lebensraum, der sich in einer Großstadt wie Dresden selten bietet und der von den bedrohten Pflanzen und Tieren dankbar angenommen wird. Damit diese sich in Parzelle 3 wohlfühlen, arbeiteten die Projektleiter eng mit Experten aus dem Botanischen Garten, Kleingärtnern und vielen anderen zusammen.

Barbara Ditsch, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens der TU Dresden, und Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses, arbeiteten eng für das Projekt zusammen. Quelle: Anja Schneider

Projekt aus Kulturhauptstadt-Bewerbung umgesetzt

Die Partnerschaft zwischen der Galerie für Gegenwartskunst und dem Kleingartenverein entstand im Rahmen der Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt 2025. Damals waren sich die Dresdner in den Umfragen einig: Für eine blühende Kultur sind vor allem Naturräume als Orte der Zusammenkunft wichtig, berichtet Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Der Kleingarten als Ausstellungsort soll deshalb einen „Modellcharakter“ besitzen und Künstler wie Gärtner zu ähnlichen Projekten inspirieren. Obwohl die Stadt den Titel Kulturhauptstadt nicht erhalten wird, soll das Projekt bis mindestens 2025 bestehen. Die Ausstellungen im Kleingartenverein sind, immer wenn das Wetter es zulässt, für jeden interessierten Besucher geöffnet, es soll Infotafeln und bald auch einem Audiopfad geben. Außerdem immer wieder Veranstaltungen, wie an diesem Sonntag den Konzertnachmittag „Hochhausmelodien horizontal“, bei dem ab 14.30 Uhr verschiedene Musiker zu Gast sein werden.

Sonntag, 11. Oktober, ab 14.3017 Uhr: Parzellenkonzerte, Kleingärtnerverein Flora I e.V., Haupteingang Bergmannstraße 39, Der Eintritt zu allen musikalischen Darbietungen ist kostenfrei. Der Parzellenspaziergang ist frei zugänglich. Tickets zu den Konzerten müssen vorab verbindlich gebucht werden. Die Parzellenkonzerte dauern ca. 20 Minuten und werden je dreimal aufgeführt. Aufgrund der Gartenparzellengrößen ist die Teilnehmerzahl beschränkt.

Von Linde Gläser