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Regional Zieh’ mir den Himmel über Land – Sabine Eichler stellt in Dresden aus
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Dresden: Ausstellung von Sabine Eichler in der Galerie Drei

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16:09 16.09.2020
Blick in die Ausstellung Sabine Eichlers in der Galerie Drei.
Blick in die Ausstellung Sabine Eichlers in der Galerie Drei. Quelle: Sabine Eichler
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Dresden

„Je langsamer, desto mehr Blume“, sagt die Künstlerin Sabine Eichler. Was zunächst als ebenso absurde wie poetische Aussage überrascht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als passender Sinnspruch für die vielgestaltige Kunst Eichlers, die nach einer Buchbinderlehre im Abendstudium an der HfBK sowie an der Burg Giebichenstein in Halle studiert hat. Derzeit sind ihre Arbeiten in der Ausstellung „Ich zieh den Himmel über Land“ in der galerie drei zu sehen.

Vor einigen Jahren stieß Eichler im Roman „Stechapfel“ der Finnin Leena Krohn auf jene symbolhafte Szene eines kleinen Jungen, der voller Verzückung eine Pfütze als Mittel der Spiegelung von Welt und damit als Bild für einen neuen Blick auf das Leben entdeckt. Derart angestachelt, baute Eichler 2017 aus Presspappe, Bauschaum und schwarzer Folie eine erste eigene „Pfütze“, die sie fortan auf einer Art Handwagen montiert an der Leine auf Ausflüge, Reisen und Besuche bei Freunden mitnahm.

Meditative Reflexionsübung mit angeleinter „Pfütze“

Für die Künstlerin ist die der Literatur entlehnte, abstrahierte „Pfütze“ Spiegel und Lupe, Kunstobjekt und Objektkunst, Wegbegleiter und Wegweiser in einem. Sie ist ein Vehikel für Perspektivwechsel, eine ständige Objekt – ja beinahe Subjekt – gewordene Erinnerung daran, dass nichts als gegeben oder neutral missverstanden werden sollte – das Meiste, das uns umgibt, ist gemacht und veränderbar – wie seine Deutung.

Die Künstlerin hat das Objekt „Pfütze“ während der Fertigung im Atelier fotografiert sowie in der Folge in Kombination mit den unterschiedlichsten Gegenständen und Menschen: Während der Zeit der bislang größten Corona-Beschränkungen hierzulande liefen Leute mit jener „Pfütze“ im Schlepptau durch die Dresdner Innenstadt und den Großen Garten. Man kann sich vorstellen, dass das Ziehen eines ein Meter langen, flachen und mit Wasser gefüllten Objekts an einer Hundeleine die eigene Bewegung verändert, verlangsamt und folglich auch unseren Blick auf die Welt – den der anderen sowieso. In dieser beinahe meditativen Reflexionsübung mit angeleinter „Pfütze“ liegt viel Komik und ein großes, geradezu befreiendes Potenzial.

Als Ausstellung funktioniert das Ganze mal mehr, mal weniger. Da die Künstlerin im Normalfall nicht anwesend ist, um das eigene Werk zu erklären und zu kontextualisieren, müssen Anliegen, Idee und Umsetzung aus den Arbeiten heraus funktionieren und sich allein durch sie vermitteln. In den Räumen der Galerie wird die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmittel und Medien, derer sich Sabine Eichler für ihr Projekt bedient hat, deutlich, ebenso wie ihre Fantasie und das Radar für menschliche Begegnungen, die sich während des Projekts ergaben, es befeuerten und ihm ihre Prägung gaben.

Was sehen wir eigentlich

Die großen Fotodrucke im Untergeschoss geben einen Eindruck von den Frauen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds, die Eichler in den letzten Monaten getroffen hat und die mit der „Pfütze“ jeweils andere Erfahrungen machten – weil sie ihre je spezifische Lebenssituation an das Objekt heran- und ins Projekt hineintrugen. Diese Aufnahmen haben, ebenso wie der Film mit einer der Protagonistinnen, vor allem dokumentarische, weniger künstlerische Qualität. Andere Fotografien überzeugen als Bilder an sich, wie die absurden Kombinationen von „Pfütze“ und Plastiktiger an ihrem Ufer, weil hier leichtfüßig alle Größenverhältnisse und Realitätsebenen ausgehebelt werden, sodass klar wird: Alle Sinnzuweisung ist eine Abstraktion und funktioniert stets im Verhältnis zu anderen derartigen Interpretationsleistungen.

Ebenso poetisch wie sinnfällig ist die beinahe monochrome, ins Riesenhafte gesteigerte Nahaufnahme der „Pfütze“ und ihrer Spiegelungen. Als programmatisch offenes Bild erlauben sie mannigfaltige Deutungen, weil wir hier nicht sicher sein können, was wir eigentlich sehen – die Welt, ihr Spiegelbild, beider Umkehrung oder nur das, was wir sehen können und zu sehen glauben.

bis 19. September, galerie drei, Prießnitzstraße 43, geöffnet Do 16 bis 19, Fr 15 bis 18, Sa 10 bis 12 Uhr, Finissage mit der Künstlerin: Sa, 11 Uhr

www.sezession89.com

Von Teresa Ende