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Regional Direktor der Dresdner Galerie Neue Meister geht in Ruhestand
Nachrichten Kultur Regional Direktor der Dresdner Galerie Neue Meister geht in Ruhestand
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19:33 09.09.2015
Museumsdirektor Ulrich Bischoff (r) und der belgische Maler Luc Tuymans (l) mit dem Gemälde "Verwundeter Räuber" von Eugene Delacroix. Quelle: Matthias Hiekel

„Das Aufräumen kommt später“, sagt der langjährige Direktor der Galerie Neue Meister. Obwohl der Kunsthistoriker ab 1. April offiziell im Ruhestand ist, hat er noch nach Ostern Termine mit Journalisten großer Zeitungen. Sie kommen wegen der Schau „Die Erschütterung der Sinne“, die er gemeinsam mit dem belgischen Maler Luc Tuymans kuratierte. Es ist seine Vision eines Idealmuseums, mit der sich der aus Bremen stammende Museumsmann aus dem Amt verabschiedet.

Seit 1994 hat Bischoff das Dresdner Publikum mit Gegenwartskunst konfrontiert - nicht immer zur Freude der Besucher. „Es ist die Lust für das Fremde“, erklärt er sein unablässiges Bemühen, die Schätze der Sammlung im Lichte anderer und nicht bekannter Positionen zu zeigen, statt nur aus dem Vorhandenen zu schöpfen. Auslöser für das konzentrierte Bemühen um die Moderne in der Barockstadt war der Disput um das Objekt „Splitting: Four Corners“ von US-Künstler Gordon Matta-Clark (1943-1978). Der Ankauf der aus vier ausgeschnittenen Ecken eines Hauses bestehenden Skulptur 1995 scheitere am Geld und am internen Widerstand der Staatlichen Kunstsammlungen.

„Die Studenten wie Frank Nitzsche, Thomas Scheibitz oder Eberhard Havekost fanden das großartig und ließen sich anregen“, erinnert sich Bischoff, für den es „die größte Niederlage“ war. Er reagierte mit der Gründung der Gesellschaft für Moderne Kunst, die Arbeiten bedeutender Künstler wie Luc Tuymans, Candida Höfer, Marcel Odenbach, Rosemarie Trockel, Dan Graham, Ena Swansea und Eberhard Havekost in die Sammlung brachte. „Ohne den Förderverein wäre der Anschluss an die Gegenwartskunst in Dresden  nicht gelungen“, sagt Bischoff.

In 19 Jahren gelangen der Galerie 414 Erwerbungen, wobei auch in der Nazizeit und im Zweiten Weltkrieg Verlorenes zurückgewonnen wurde. Inzwischen hat sich die Atmosphäre gewandelt. Bischoff gewöhnte das Dresdner Publikum langsam, aber stetig an das „neue Sehen“. Dabei punktete er auch mit der richtigen Mischung: Vertrautes, Verlorenes, Unbekanntes, Neues. In seine Zeit fiel die Flutkatastrophe 2002 - das Hochwasser bedrohte die unersetzlichen Schätze der Museen und binnen Stunden mussten einzigartige Gemälde und Skulpturen aus den Depots im Untergeschoss evakuiert werden. Ganz wichtig auch: die Rückbesinnung der Malergrößen Gerhard Richter und Georg Baselitz auf ihre künstlerischen Wurzeln in Dresden.

Insgesamt stehen 110 Ausstellungen zu Buche, die „Erschütterung der Sinne“ ist der Höhepunkt. „Die Erfüllung meines Jugendtraums, die Kunst um 1800 und ihre Einflüsse auf die gegenwärtige Kunst zu zeigen.“ Schon als Schüler habe ihn die Bildsprache am Bremer Theater beeindruckt, ein Bühnenbild nach Roy Lichtenstein und die Begegnung mit Bildenden Künstlern wie Raimund Girke, Karl Georg Pfahler und Raimer Jochims. Zum Kunstsammler ist Bischoff nie geworden. „Wenn man für das Museum sammelt, reicht das; ich sammle nicht mal Münzen.“ Dafür bleiben ihm die Kunstwerke im Albertinum, die sowas wie Freunde sind. „Ich verlasse das Amt, aber die Bilder warten weiter auf mich.“

Simona Block, dpa

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