Diese Saxophonistin steht ab Freitag mit Roland Kaiser auf der Bühne
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13:37 01.08.2019
Tina Tandler posierte vor den kommenden Konzerten bereits in der Dresdner Altstadt. Quelle: Pavel Konrad
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Dresden

„Ich wäre auch gerne Sängerin geworden – aber ich habe keine so tolle Stimme. Deshalb wollte ich mit dem Saxophon singen“, sagt Tina Tandler. Und das kann sie. So gut, dass die Saxophonistin aus Berlin mittlerweile seit 2012 mit Roland Kaiser durchs Land tourt, eine beliebte Jazzkonzert-Reihe im Ostseebad Zingst leitet und auch als Solistin bereits ihre fünfte CD veröffentlicht hat. Doch den Wunsch, Musikerin zu werden, hatte Tandler nicht immer. „Ich hätte mir alles vorstellen können. Nur nicht das“, sagt sie. Die gebürtige Thüringerin ist in Gotha geboren und in Gera zur Schule gegangen. Mit sechs Jahren begann sie auf Wunsch ihres Vaters, Akkordeon zu spielen. Nach fast 10 Jahren an der Musikschule hat sie so ziemlich auf allen Wettbewerben des Landes gespielt und die Aufnahmeprüfung zum Musikstudium in Weimar bestanden. „Das war aber nicht so attraktiv“, gibt Tandler lachend zu. Deshalb lernt sie mit 15 Jahren, das Saxophon zu spielen.

Die Faszination für dieses Instrument war so stark, das sie in kürzester Zeit alles nötige lernte, um eine weitere Aufnahmeprüfung an der Franz Liszt Hochschule in Weimar zu bestehen und einen Studienplatz als Saxophonistin zu ergattern. Nach dem Studium zog es Tandler dann als freiberufliche Musikerin nach Berlin, wo sie mit der Rockband Kerschowski bekannt wurde und ab 1989 festes Mitglied des Musiktheaters „Rumpelstil“ war, bis im Jahr 2000 die Trennung folgte: „Ich wollte damals richtig durchstarten. Und ich brauchte mehr Zeit für meine Instrumentalmusik.“

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Tonspuren hinterlassen

Seit 2005 schreibt und komponiert Tandler gemeinsam mit dem Pianisten Christoph Reuter. „Das Saxophon ist ein Melodieinstrument. Die Harmonien beim Komponieren suche ich mir dann am Klavier“, so die Musikerin. Die gemeinsame Arbeit mit Reuter genieße sie sehr. „Wir leben von der Kreativität des anderen. Oft jammen wir einfach und dann ergibt sich etwas Wunderbares“, beschreibt sie den Prozess.

Mittlerweile hat die Multiinstrumentalistin auf mehr als dreißig Tonträgern mitgewirkt, in Bühnen- und Filmmusiken ihre Tonspuren hinterlassen. Fest steht, die Frau mit der roten Mähne hat viel erreicht – obwohl sie sich selbst nicht unbedingt als zielorientiert beschreiben würde. „Viele Zufälle haben dorthin geführt, wo ich jetzt stehe. Aber es war auch viel harte Arbeit.“

Die Liebe zu ihrem Instrument kommt nicht von ungefähr. „Der Ton des Saxophons ist sehr variabel und der Klang ist niemals gleich“, sagt die Künstlerin. Sie selbst habe lange gesucht, wie sie klingen wollte. „Jeder hat seine eigene Art, das Horn zu beatmen. Dementsprechend klingt es auch anders. Doch wenn man seinen Sound gefunden hat, kann man unglaublich viele Klangfarben erzeugen“, schwärmt Tandler.

Berührende Ton-Geschichten

Ihr eigenes Spiel beschreibt sie als kraftvoll und lyrisch. „Ich will eine schöne Melodie erzeugen mit kleinen feinen Akzenten. Die Musik soll umhüllen, der Ton soll rausgehen und jemanden erreichen“, erzählt die Saxophonistin ihre musische Absicht. Ein Konzert ist für sie deshalb eine Art Verabredung mit dem Publikum – mit der Abmachung, dass sich der Hörer berühren lassen möchte. Instrumentalmusik sei dafür bestens geeignet, getextete Musik ist für sie oft zu konkret. „Allein mit Tönen kann ich wunderbar Geschichten erzählen“, sagt die Musikerin. Auf ein Genre will sie sich dagegen nicht festlegen. „Irgendwo zwischen Jazz, Blues und Balladen. Genauso fühle ich mich aber der Pop-Musik verbunden“, sagt Tandler.

Pop-Musik – dazu gehört für Tandler auch Roland Kaiser. „Das ist ja mehr als Schlager“, sagt sie. „Es ist ein Feuerwerk an Hits, teilweise rockig, eingängige Musik, die zum Tanzen und Mitsingen einlädt. Ich glaube, es ist genau die richtige Mischung, die dieses wunderbare Miteinander schafft.“ 2008 hatte sie ihren ersten Auftritt bei Roland Kaiser, seit 2012 tourt sie mit ihm als Solistin durch Deutschland und Teile Europas. Trotz Konzerten in Hamburg, Schwerin oder Wien: Das Highlight jeder Tournee sind für die 14-köpfige Band immer wieder die Konzerte in Sachsens Landeshauptstadt. „Dresden fühlt sich einfach gut an. Das kann man nicht erklären“, so die Musikerin. Mittlerweile sei es wie nach Hause kommen. „Und auch Roland liebt es“, bestätigt Tandler.

Unbeschreibliche Euphorie

Vier Konzerte an zwei Wochenenden, rund 50 000 Tickets bereits Monate zuvor in wenigen Minuten ausverkauft. Den Hype um die „Kaisermania“ in Dresden erklärt die Musikerin wie folgt: „Hier kommen viele Dinge zusammen. Eine schöne Location mit atemberaubendem Panorama, Rolands Musik und die Leute, die an den Wochenenden gemeinsam für das Konzert leben, sowohl die Stunden davor als auch danach“, sagt sie. Das schaffe eine einzigartige Atmosphäre. Vor ein paar Jahren lauschte Tandler während einer kurzen Pause selbst im Publikum. „Nur da spürst du diese wahnsinnige Energie und kannst die Stimmung richtig aufnehmen.“ Die Musikerin ist aber nicht nur im Sommer an der Elbe zu Gast. Letztes Jahr war sie das erste Mal bei den Dresdner Jazztagen zu hören. „Ich wollte unbedingt im Jazzclub Tonne auftreten, weil ich auch schon in der alten Lokalität des Clubs gespielt habe“, erzählt Tandler. Das erste Konzert war so schnell ausverkauft, dass sie noch ein Zusatzkonzert spielte. Es war daher keine Frage, ob sie auch 2019 wieder bei den Jazztagen mitwirkt: Am 9. November ist sie mit ihrer Band im Ostra-Dome auf dem Messegelände zu sehen – und zu hören.

Liveübertragung des zweiten „Kaisermania“-Konzerts am Sonnabend ab 19.50 Uhr im MDR, davor ein Countdown mit Sondersendungen um 13, 16 und 18 Uhr

www.tinatandler.de

Von Annafried Schmidt