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20:25 07.11.2019
Maria Adler-Krafft: "Pappeln an der Elbe", Tempera, 60-er Jahre (Ausschnitt). Quelle: Repro: Leonore Adler
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Dresden

Maria Adler-Kraffts Wirken war eng mit der Kreative Werkstatt Dresden – dem Ort, dem Verein, den Künstlerinnen und ihrer gemeinnützigen Arbeit – verbunden. Sie lebte und litt für ihre Kunst und war doch eine ganz Stille. Kunst war die Hauptsache in ihrem Leben. Ihre Tochter, die Malerin Leonore Adler, ist als Nachlassbetreuerin zugleich Ausstellerin und Kuratorin dieser sensiblen Ausstellung, die quer durch die Jahre einen Einblick in das vielfältige Schaffen der Künstlerin bietet.

Maria Adler-Krafft, geb. 1924, gest. 2019

Maria Adler-Krafft, 1924 in Siebenbürgen/Rumänien als Tochter eines deutschen Tierarztes geboren, verlebte eine glückliche und behütete Kindheit. Dort wurde der Grundstein für ihr Interesse an der Kunst gelegt. Die bunte Welt der Siebenbürger, ein Schmelztiegel friedlich miteinander lebender Völker, faszinierte sie von Beginn an. Angesichts des Krieges und seiner Auswirkungen entschloss sich die Familie 1943, Rumänien zu verlassen und nach Deutschland auszuwandern. Man fand Zuflucht in Neustadt in Sachsen, wo der Vater eine Tierarztpraxis eröffnete. In der Nachkriegszeit arbeitete Maria Adler-Krafft in der Sebnitzer Kunstblumenmanufaktur, bis der Wunsch, Kunst zu studieren, übermächtig wurde.

Als eine der ersten Studenten nach dem Krieg studierte Maria Adler-Krafft an der wieder eröffneten Dresdner Kunstakademie bei den Professoren Wilhelm Rudolph und Hans Grundig. Beide Professoren hatten leidvolle Erfahrungen mit Faschismus, Krieg und Zerstörung gemacht, die sie in einer ernsthaften und ehrlichen Art ihren Studenten vermittelten. Die anfangs realistisch arbeitende Studentin stand unter dem Eindruck der übermächtigen Persönlichkeit von Wilhelm Rudolph und wurde durch ihn künstlerisch geprägt. Ein leichter impressionistischer Ansatz wurde in ihr groß. Ihm verdankt das Frühwerk bis in die 60er Jahre seine Kraft und Sensibilität. Waren es besonders Porträts (wie das ihrer Tochter Leonore) sowie Mädchen- und Frauenbilder in Öl auf Leinwand („Bildnis Leonore“, 1958, „Bildnis einer jungen Frau“, 50er Jahre), so entstanden vor allem zahlreiche Stillleben bis ins Jahr 2000 („Stillleben mit Knoblauch“, „Stillleben mit Bauernkrug“) und seit den 70er Jahren vor allem Landschaften mit Ausblicken aus ihrer Wohnung (Geisingstraße) und der Dresdner Umgebung.

Magie ihres bildnerischen Gestus

In der Kunst von Maria Adler-Krafft vibriert immer die Magie ihres bildnerischen Gestus. Sie entfaltete die ganze Spannbreite ihres Könnens in einer dem Gegenstand angemessenen Kunst. So mied sie die Langeweile fortwährender stilistischer Wiederholungen und schöpfte die Möglichkeiten zwischen Impressionismus und Expressionismus aus. Bei ihren Bildern aus Siebenbürgen, das sie wiederholt bereiste, glaubt man sich in die Märchenwelt ihrer erfüllten Kindheit zurückversetzt, in der ihre Begeisterung fürs Malen und Zeichnen begann. Die bunte Welt der Roma, ein Hauch von Orient in der Teppichkunst und die Mythen der südeuropäischen Völker schlummern ebenfalls in ihren jüngeren Arbeiten. Aber auch die rumänische Karstlandschaft hat sie stark beeindruckt, von der mehrere Fassungen existieren. In der Ausstellung ist ein Großformat in Öl zu sehen. Es zeigt sich viel Spiel in ihren Arbeiten, ein Experimentieren mit den Formen und der Farbe im Gouache und im Pastell.

In den beiden Bildern „Terror“ und „Das andere Ufer“ setzte sie sich früh mit Leben und Tod, Seele und Körper, Materie und Geist auseinander. Die 1975 geschaffenen spirituellen Tempera-Arbeiten sind Versuche, dem Leben und Sterben nachzugehen und einen bildnerischen Ausdruck für Schmerz und Verlust, aber auch Hoffnung auf Erlösung zu finden. In ihrem hohen Alter war sie dafür dankbar, „noch Zeichen setzen zu dürfen“, während ihr Werk sich rundete und klarer und wesentlicher wurde, immer aber ihre tiefe Verwurzelung in der Herkunft zeigt. Ihre große Aufmerksamkeit galt vor allem dem Menschen, den sie als das Höchste begreifen wollte. Solch ein Bekenntnis ist nicht leichtfertig ausgesprochen. Es setzt nicht nur Interesse, sondern Fähigkeit voraus: Bekanntlich ist das Porträt das schwierigste Fach innerhalb der Malerei. Die stimmungsmäßig unterschiedlich aufgefassten Mädchenporträts bilden dabei den Höhepunkt dieser Schau.

Maria Adler-Kraffts Stärken waren ein perfektes Handwerk und eine künstlerische Sprache, die dem Realismus verpflichtet war, in der sie oft auch romantisierte, und, der leichten Abstraktion zugeneigt, in ihren Zeichnungen und Skizzen mit den Formen experimentierte. Träume und Visionen erfüllten die Malerin bis zuletzt, auch die Verantwortung für ihre Arbeit, die sie nie auf die leichte Schulter nahm. Ihrem ersten Lehrer Hans Grundig war sie bis zuletzt dankbar.

bis 24. November,Kreative Werkstatt Dresden e.V., Bürgerstraße 50, Tel. 0351/858 42 00geöffnet Di-Do 14-16, Fr 14-18, So 14.30-16.30 Uhr

www.kreative-werkstatt.de

Von Heinz Weißflog

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