Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional „Erst mal ein Schlusspunkt“: Die EAV im Interview
Nachrichten Kultur Regional „Erst mal ein Schlusspunkt“: Die EAV im Interview
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:48 16.02.2019
Erste Allgemeine Verunsicherung: Klaus Eberhartinger (l.) und Thomas Spitzer. Quelle: dpa/Pfarr
Dresden

Sie haben verkündet, dass „Alles ist erlaubt“ Ihr letztes Album sein wird. Warum?

Wir sind nicht mehr so arg jung. Nächstes Jahr spielen wir unsere Abschiedstournee, und werden mal eine Pause machen. 40 Jahre EAV ist ein guter Zeitpunkt. Wir hören gerade oft die Frage „Warum jetzt schon?“ Dabei müsste die eigentlich lauten „Warum erst jetzt?“

Warum also jetzt?

Wir wollen nicht in die Situation kommen, in der sich Bands und Musiker befinden, die bis zur Urne mit den alten Hits tingeln und irgendwann in Bierzelten, Altersheimen und auf Feuerwehrfesten spielen. Also, wenn du es finanziell nicht musst, dann ist es schlau, sich auch mal um seine anderen Interessen zu kümmern. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass man für das eine oder andere Projekt wieder zusammenkommt.

„Ich bin überzeugt, drei Jahre Pause werden es mindestens sein“

Eine Abschiedstournee zu verkünden, das ist so eine Sache. Viele Bands halten sich nicht daran und spielen nach der letzten Tour noch die allerletzte und so weiter.

Es gibt natürlich den Zusatz „die erste“ Abschiedstour. Aber eine zweite ist nicht geplant.

Und auch nicht ausgeschlossen?

Und auch nicht ganz ausgeschlossen. Okay, okay, die Rolling Stones raffen sich auch in schöner Regelmäßigkeit wieder auf. Aber ich will jetzt nicht selbst die Spekulationen anheizen. Wir setzen jetzt erst mal einen Schlusspunkt, und ich bin überzeugt, drei Jahre Pause werden es mindestens sein.

Was wollen Sie künftig denn machen?

Thomas zeichnet und malt, er bereitet eine Ausstellung vor. Ich habe das eine oder andere spannende Fernsehformat im Auge. TV macht mir wirklich Freude. Seit zehn Jahren moderiere ich in Österreich die Sendung „Dancing Stars“.

Die Sie als Teilnehmer 2007 sogar gewonnen haben. Sind Sie ein Tanztalent?

Ich habe ganz ordentlich getanzt und das Fernsehpublikum wohl sehr gut unterhalten, deshalb wollten die mich weiter sehen.

„Alles ist erlaubt“, der Titelsong des Albums, ist eine Abrechnung mit der Politik.

In Europa hat man nach 70 Jahren scheinbar vergessen, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Man kehrt wieder zu den Nationalstaaten zurück, dabei haben die sich in der Vergangenheit nicht unbedingt immer bestens verstanden. Die Entwicklung, dass die Rechten immer mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken, ist gefährlich. Ich vermisse in Europa weiterreichende und integrierende Schritte. Wir haben eine Währungsunion, und das war es auch schon.

„Man kann sich doch nicht aus Angst vor Überfremdung in die Unmenschlichkeit retten“

Sie singen „In Brüssel steht ein Doofbräuhaus“.

La, ja, wir sind schon auch EU-kritisch. Ich glaube, dass da viel Geld verbrannt und zu viel Lobbyismus betrieben wird. Trotzdem sollte man die EU stärken und ausbauen. Denn die Alternative ist keine angenehme. Jetzt hängt sich seit drei Jahren alles an dieser Flüchtlingsfrage auf, als ob die Menschen plötzlich und über Nacht gekommen wären. Dabei haben alle seit Jahren gewusst, dass das geschehen würde. Jetzt stehen wir hier. Den Riegel vorschieben geht nicht, alle reinlassen auch nicht, dazu sind die Leute ängstlich und fühlen sich bedroht wegen der weltweiten Umverteilung von arm zu reich. Und die Rechten fischen diese Stimmung ab.

Ist „Alles ist erlaubt“ ein linkes Album?

Ja, schon. Vielleicht mehr noch liberal als links. Man kann sich doch nicht aus Angst vor Überfremdung in die Unmenschlichkeit retten und die Leute ersaufen lassen. Andererseits finde ich es falsch, wenn junge gut ausgebildete Leute aus Afrika kommen, die fehlen ihren Ländern hinten und vorne. Die könnten daheim viel mehr bewirken.

War immer klar, dass die Platte politisch wird?

Nein. Wir sammeln, sammeln, sammeln und gucken, wie das alles zusammenpasst. Jetzt, nachdem das Album draußen ist, sind die Verhältnisse noch viel brisanter als zu der Zeit, als wir mit der Arbeit begonnen haben.

Was sagen Sie zur politischen Lage in Österreich?

Ich glaube, der Sebastian Kurz ist nicht sehr glücklich mit der Koalition mit der FPÖ. Der hätte lieber mit der SPÖ zusammen den österreichischen Macron gemacht, aber die Sozialdemokraten haben im Gegensatz zu den Deutschen gesagt, dass sie die Große Koalition umbringt, und da blieb ihm keine andere Möglichkeit.

„Man ist entweder Komplize oder Rebell.“

Sind sie als Künstler die außerparlamentarische Opposition?

Man kann die Welt nicht verändern, aber man kann Stellung beziehen. Wir leben in Zeiten, in denen man sich entscheiden muss, auf welcher Seite man stehen möchte. Man ist entweder Komplize oder Rebell.

In Deutschland haben Sie mit Hits wie „Ba-Ba Banküberfall“, „Küss’ die Hand schöne Frau“ oder „Märchenprinz“ immer eher in der Klamauk-Ecke gestanden. Hat Sie das gestört?

Nicht so sehr. Die lustigen Nummern waren auch kommerziell erfolgreich, und das war uns auch genehm. Die Leute wurden außerdem neugierig und kamen in die Konzerte, wo sie dann schon schnell gemerkt haben, dass wir auch anders können als bloß die lustigen Vögel zu geben.

Der Banküberfall als Verbrechen ist aus der Mode gekommen.

Kein Wunder, die Banken haben ja während und seit der Finanzkrise die Bürger überfallen, das ist viel einträglicher. Unglaublich, diese „Bad Banks“, was da immer wieder zu Tage tritt. Oder diese Lebensmittelspekulanten. Es werden keinerlei Werte geschaffen, aber durch skrupellose Profiteure den Menschen in der Dritten Welt richtig übel mitgespielt.

Ist Ihnen der Bankräuber sympathischer als der Lebensmittelspekulant?

Gefährliche Frage, aber doch, schon. So lange keine Menschen zu Schaden kommen, ist der Bankraub eine Robin-Hood-Aktion, eine Form der Umverteilung.

EAV Sonntag, Alter Schlachthof (ausverkauft)

19. Juli, 20 Uhr, Junge Garde, Karten ab 56,50 Euro

Von Steffen Rüth

Regional „Die im Licht steh‘n“ - Die Vorfahren des heutigen Selfies

Die neue Ausstellung „Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen“ zeigt eine Sammlung fotografischer Porträts von Persönlichkeiten, die für die Entwicklung der Stadt bedeutsam gewesen waren. Über viele Jahre haben sich Kuratoren und Historiker durch die mehrere tausend Bilder schwere Sammlung gearbeitet.

15.02.2019

Mit Mut zur Hässlichkeit bringt Kati Grasse in „Diven sterben einsam ... und erst wenn sie gut ausgeleuchtet sind“ eine echte Naturgewalt auf die Bühne. DNN-Autorin Beate Baum berichtet von ihrem Musicalerlebnis, welches sie wie gebannt vom Anfang bis zum Ende auf die Bühne starren ließ.

15.02.2019

Die Dresdner Folkband No King. No Crown. hat mit „Smoke Signals“ ihr neues Album vorgelegt. Das Quartett ergänzt seinen Sound um Einflüsse aus Electronica und Hip Hop. Am Freitag spielen No King. No Crown. in der Scheune.

14.02.2019