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Regional Die Dresdner Punkband Astrosurfer feiert ihren Kiez mit einem Musikvideo
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14:53 09.10.2019
Punk-Band aus Dresden: Astrosurfer Quelle: Sandro Martens
Dresden

Auf dem Scheune-Vorplatz liegt eine weiße Matratze. Darauf erwacht soeben ein junger Mann mit Sonnenbrille. Die Bierflasche vom Vorabend noch in Griffweite, die giftgrüne Gitarre unter der Häkeldecke verborgen. Der Mittzwanziger zündet sich lässig eine Kippe an. Dann steht er auf, legt sich den Gitarrengurt um – und spielt los.

Soweit, so alltäglich in der Dresdner Neustadt. Doch was dann passiert, fängt sogar die Blicke alteingesessener Hippies mit Zottelbart ein: Zum Rockgitarristen gesellen sich vier weitere Musiker, die wild performend die Alaunstraße hinunterlaufen. Der Drummer der Band spielt indessen auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks.

Der Klang der Neustadt

Immer mehr Menschen schließen sich dem Gespann an, ausgelassen feiernd und Konfetti schmeißend laufen sie zur Kreuzung Görlitzer Straße/Louisenstraße. Der bekannte Knotenpunkt wird zum finalen Schauplatz des Musikvideos: Die tanzende Meute reckt rot glimmende Pyrotechnik gen Himmel, bis der Gitarrist sein Instrument schließlich am Asphalt der Straße zerschellen lässt.

Das aufwendige Video zur Single „Atomfried“ hat die Dresdner Punkband Astrosurfer im August dieses Jahres gedreht. Vergangene Woche wurde die Filmsequenz auf Youtube hochgeladen. Sie enthält keinen erkennbaren Schnitt, dafür zahlreiche bunte Extras und Aktionen. Doch wer sind die Musiker, die hinter der kunstvollen Aufnahme stecken?

Die Astrosurfer zählen zwischen 23 und 28 Lenze. Erst vor wenigen Monaten hat sich die Band formiert, in der kurzen Zeit konnte sie aber schon Akzente setzen: Im Juni siegten die Astrosurfer etwa beim Wettbewerb „Uni Air“ im Rahmen der Dresdner Studententage. Sie wurden zur besten Live-Band des Abends gewählt und gewannen eine Förderung vom Studentenwerk.

Die fünfköpfige Gruppe steht für authentisch heterogenen Sound mit Lokalkolorit, wie er nur dem magischen Dreieck zwischen Alaun-, Louisen- und Görlitzer Straße entspringen kann. Mit dem neuen Song „Atomfried“ haben die Astrosurfer den Klang der Neustadt nun auf eine knapp dreiminütige Kiez-Hymne komprimiert. Die Stilrichtung kann als grooviger High-Power-Rock’n’Roll beschrieben werden, bisweilen als explosiver Blues-Rock-Metal-Cocktail. Getrieben vom Schlagzeugbeat treffen verzerrte Gitarrenriffs auf die Gesangsstimme des Leadsängers Franz Grünhagen, die mal clean, mal wunderbar dreckig daherkommt. Wenngleich sie damit nicht gerade den einfachen Weg beschreiten, versuchen sich die Astrosurfer an deutscher Lyrik. „Die ist direkter und persönlicher“, argumentiert Grünhagen.

„Die Neustadt ist ein Funken Hoffnung für die Kunst und die Liebe“

Die prägnanten Texte handeln von der Rebellion, von Freiheit und Frieden, Selbstverwirklichung und Selbstwirksamkeit. „Es gibt so viele Menschen, die angestrengt unzufrieden sind. Die sagen, dass sich eh nichts ändern wird. Doch das stimmt nicht, man muss nur rausgehen und für die Sache kämpfen. Für diese Einstellung wirbt unser Song ‚Atomfried’“, sagt Frontmann Grünhagen.

Nicht ohne Grund wurde die Neustadt als Drehort gewählt: Hier, im Herzen der linksalternativen Szene Dresdens, wohnen vier Fünftel der Band. Hier kommen die Mitglieder mit Menschen zusammen, die offen für neue Ideen und Lebenskulturen sind. „Die Neustadt ist ein Funken Hoffnung für die Kunst und die Liebe in unserer schnelllebigen Welt. Und nur hier kann man so eine Video-Aktion bringen, ohne dass Oma Hildegunde im fünften Stock Schnappatmungen bekommt“, meint Schlagzeuger Florian Bräuer. „Wir wollten der Neustadt dafür Tribut zollen – in Form eines Musikvideos.“ So unverkrampft kann Heimatliebe also auch aussehen.

Übrigens: Das Debüt-Album von Astrosurfer wirft seine Schatten bereits voraus. Die Band folgt einem strengen Muster für den Release der Singles. Seit August gibt es an jedem ersten Tag des Monats einen neuen Song zu hören, bis alle Lieder der Platte veröffentlicht sind. „Damit bekommt jeder Titel die Aufmerksamkeit, die er verdient“, erklärt Grünhagen. Geplant ist zudem eine Releaseparty im nächsten Frühjahr. Dann dürfen sich Musikliebhaber auch von den Live-Qualitäten der Astrosurfer überzeugen lassen.

Von Junes Semmoudi

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