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Regional Ein maßstabsetzender Auftritt: Die Dresdner Philharmonie ehrt Beethoven
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13:12 24.02.2020
Konzert der Dresdner Philharmonie mit dem Stück FOKUS BEETHOVEN I im Kulturpalast. Quelle: Oliver Killig
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Dresden

Das Konzept von Marek Janowski und der Dresdner Philharmonie für die Beethoven-Ehrung ist sehr besonders. Aus der intimen Welt des Streichquartetts hinein in sinfonische Komplexe und dann wieder zurück ins Feine, Kleine – das ist nicht alltäglich und wird hier noch dadurch in seiner Wirkung gesteigert, als die Werke in etwa gleichzeitig aus Beethovens Feder flossen und damit aus einer vergleichbaren, eng begrenzten, künstlerischen und persönlichen Lebenssituation stammen. Das alles eröffnet neue Sichtweisen auf beide Genres und natürlich auf Beethoven selbst.

Zum Auftakt ging es in erster Linie um das Jahr 1806, als der Komponist begann, sich mit seinen persönlichen Problemen (zunehmende Taubheit und Misanthropie) abzufinden, die 4. Sinfonie entstand und er mit den Rasumowsksky-Quartetten nach siebenjähriger Pause die Türen in völlig neue Streichquartettwelten aufstieß. Es wurde sinfonischer, umfangreicher und Beethoven fand seine ganz eigene Sprache, Klang- und Formenwelt. Dem steht die D-Dur-Sinfonie op. 60 gegenüber. Eingeklemmt zwischen den sinfonischen Riesen (Eroica und 5. Sinfonie) wirkt sie schon wegen der kleineren Orchesterbesetzung zurückhaltender, schlichter. Man durfte also auf diese Konstellation gespannt sein.

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Mitreißende, pulsierende Frische

Vor allem stand die Frage, wie es denn mit dem feinen Gespinst von Quartettkunst in der für dieses Format ungewöhnlichen Größe des Konzertsaales im Kulturpalast gehen würde. Mit einem unglaublichen Gespür hatte sich das französische Quatuor Ébène souverän darauf eingestellt und ließ sich durch nichts, auch nicht durch allzu üppige Hustenkaskaden und übersteuerte Hörgeräte, aus dem Konzept bringen. Letzteres Beiwerk kam an diesem Ort erwartungsgemäß mehr und lauter zum Tragen, als in kleineren Kammermusiksälen. Quatuor Ébène ist eines der Top-Ensembles der Gattung, das in allen bedeutenden Kammermusiksälen der Welt und auf allen einschlägigen Festivals zuhause ist.

„Alles in allem: Ein maßstabssetzender Auftrittt“ Quelle: Oliver Killig

Eine Begegnung mit ihnen lohnt immer, wie ich aus eigener Erfahrung (Schubertiade Schwarzenberg) weiß und es auch an diesem Abend wieder aufs Schönste bestätigt bekam. Die Gratwanderung der klanglichen Homogenität, des haargenau abgestimmten Miteinanders von Ober- und Unterstimmen, der lebhaften, aber nicht aufdringlich-vordergründigen Kommunikation zu viert – die Franzosen beherrschen das alles perfekt bis in die kleinste Verästelung und sind dennoch in erster Linie eines: Diener im Sinne der aufzuführenden Werke, im speziellen Falle also Beethovens. Spannungsgeschwängert hub die langsame Einleitung des 3. Rasumowsky-Quartetts an, um in ein herzhaft angegangenes Allegro vivace zu münden. Grazil kam das Menuetto daher, herrlich sprudelnd und in geradezu mitreißender, pulsierender Frische der Finalsatz.

Nicht zu bremsende Leidenschaft

Natürlich behielten sie die große Linie, die extreme Konzentration des C-Dur-Quartetts im Auge, aber eben auch sich immer wieder einen Blick auf die faszinierenden Details links und rechts gestattend. Ähnlich wie die Sinfonie wird auch das „Harfenquartett“ op. 74 ein bißchen von dem Folgewerk, dem schroffen „Quartetto serioso“ op. 95, erdrückt. Das Es-Dur-Quartett op. 74 hat u.a. mit einem geistsprühenden Variationensatz am Ende etwas Besonderes. Quatuor Ébène fand geschickt zwischen Leichtigkeit und Gedankenschwere pendelnd den rechten Zugang dazu, technisch brillant. Ereignischarakter trug die intensive, bis an die Grenzen des Möglichen ausgekostete Intensität, mit der sich das Ensemble in weitgespannten Kantilenen des herrlichen Adagios vertiefte. Nicht zu bremsende Leidenschaft war dem Umgang mit dem Presto eigen und Spielwitz vom Köstlichsten den liebenswürdigen Variationen. Alles in allem: ein maßstabsetzender Auftritt!

Die Dresdner Philharmoniker und Meister Janowski flochten die B-Dur-Sinfonie in der Mitte ein, betont seriös, kraftvoll und, was vor allem bestach, von einem warmen, fülligen Orchesterklang getragen. Absolut Sorgfalt ließ Janowski hinsichtlich der strukturellen und instrumentalen Einzelheiten walten. Da blieb nichts unterbelichtet (zauberhaft die fein ausgeloteten und differenzierten Piano-Nuancen im Adagio), kam auch der oft skurrile, ideenreiche Übermut mit den oft verblüffenden orchestralen Effekten des Finalsatzes in gekonnter Weise zur Geltung.

Von Mareile Hanns

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