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Regional Die Diplomausstellung der HfbK Dresden lässt alle Fragen offen
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11:00 22.07.2019
Martina Beyers „Flyer“ ist eine der großen Arbeiten, die im Oktogon zu sehen sind. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Um Gottes willen, was für eine Diplomausstellung! Selbst nach einer Nacht Schlaf ist mein Schreck noch nicht abgeflaut, ganz im Gegenteil. So viele anspruchslose Arbeiten habe ich an der Hochschule für Bildende Künste Dresden noch nicht gesehen.

Fragen über Fragen stellen sich. Was geht in den Absolventen vor, wenn sie solche nichtssagenden Arbeiten abliefern? Gibt es keinen Professor, der da Einhalt gebietet? Wie werden solche Ergebnisse differenziert bewertet? Wovon wollen diese diplomierten Künstler in Zukunft leben? Von dieser Pillepalle-Kunst? In welcher Verantwortung steht eine Hochschule? Wo ist die Lehre geblieben? Und wo die Kernkompetenz der Dresdner Akademie – die Malerei? Wenn diese einem doch begegnet, drängt sich die Frage auf: Reicht es heute schon aus, schön malen zu können?

Beispiele gefällig? Michaela Solf-Dehnert mit ihren Mutter-Kind-Bildern. So süßlich und kitschig, dass man nur den Kopf schütteln kann. Ich verstehe ja, dass eine junge Frau ihre Mutterschaft und ihre Kinder zum Thema macht, aber so ungebrochen, nur als reiner Abklatsch ihres Mutterglücks?

Michaela Solf-Dehnert: „Wehen Quelle: Dietrich Flechtner

Josephine Kühn und ihre Mädchen mit Einhorn oder ihre Nackedeis im Wald? Unabhängig von dem esoterischen Hauch, der in diesen Arbeiten mitschwingt, stellt sich mir die Frage, wenn es in der Fotografie längst Usus ist, kleine Kinder nicht mehr nackt zu zeigen, warum ist es in der Malerei erlaubt?

Theresa Tuffner gewinnt Diplompreis

Der Katalog anlässlich der diesjährigen Absolventenausstellung zeigt von Ernesto Rodriguez, einer der Künstlerpersönlichkeiten von Federico Hirschfeld, interessante Gemälde, doch seine Performance ist nur fad und abgedroschen. Ein Sitzender mit Maske vor vielen Bildschirmen – das ist noch lange keine gute Kunst, nicht einmal ein Statement, trotz der Dollarzeichen auf der Maske.

Auch die Arbeit von Natalie Burgmann hinterlässt nur Ratlosigkeit. Als Kostüm für die Bühne mag ihre prätentiöse Wärmekleidung für Tiere gut angehen, aber was macht ihr „Fellwechsel“ oder ihr „Hühnchen“ zu spannender Kunst, zu einer Steilvorlage für einen gesellschaftlich relevanten Diskurs? Das Echthaar, das in Silikon hineingeschossen wurde? Mir fehlt bei dieser Kunst, die so plump daher kommt, jegliche ernstzunehmende Fragestellung.

Das Einzige, was mir entschuldigend zur diesjährigen Diplomausstellung einfällt, ist die Tatsache, dass dieser Jahrgang nur mit 25 Absolventen abschließt. Will sagen, bei 40 oder 50 Positionen gibt es bestimmt auch viele, die einem nichts sagen, sie fallen dennoch nicht so massiv auf. Sie verteilen sich viel mehr, die guten Arbeiten bleiben so einfach klarer im Gedächtnis hängen.

So wie die der diesjährigen Diplompreisgewinnerin des Freundeskreises der Hochschule: Theresa Tuffner. Die Schülerin von Monika Brandmaier stellt sich mit ihrer Diplomarbeit „Creature of my new life“ dem digitalen Lauschangriff, dem längst möglichen staatlichen und privaten Zugang zu sämtlichen Daten auf Computer oder Handy, Fotos, Dateien, Programmen, aber auch Aufenthaltsorten einer Person. Ihr Überwachungsszenario ängstigt geradezu. Zwei schwarze Füße aus glasiertem Ton stehen an der Wand, doch ohne Körper. Fleischfarbene und durchsichtige Duschvorhänge hängen über Rohren, doch wen oder was schützen sie und vor wem?

Arabesken im Raum verteilt, schön anzusehen, aber die spitzen Dornen lehren das Fürchten. Doch noch mehr der mit Latex überzogene Schreibtisch mitsamt Überwachungskamera und Computer. Parasitäre Wesen übernehmen das Handeln. Auf dem Bildschirm aber ist ein Büro in der 5. Etage im Robotrongebäude zu erkennen. Zu sehen sind auch dort die Parasiten. Alles greift ineinander, ergreift Besitz von einem.

Schreibtisch, Computer, Überwachungskamera – Theresa Tuffner widmet sich dem digitalen Lauschangriff. „ Quelle: Dietrich Flechtner

Der Betrachter fühlt sich bedroht, gefangen von Unbehagen, diffuser Angst und furchterregendem Ekel. Doch so sehr sich auch diese Angst und dieser Ekel in einem festsetzen, so sehr muss man auch konstatieren, dass Theresa Tuffner nichts von dem wirklich zeigt. Es sind ihre reinen abstrakten Formen, die all dies in dem Betrachter auslösen.

Einige Arbeiten sind dennoch hervorzuheben

Theresa Rothe besetzt mit ihren plüschigen Figuren fast das ganze Oktogon. Man kann sie riechen, hören, sehen, und ja, man kann sie auch fühlen, nicht nur erfühlen. Die Schülerin von Wilhelm Mundt kreiert mit ihrer bildhaften und symbolträchtigen Sprache eine ganz eigene Welt. Das Szenario mutet vielleicht im ersten Moment kindlich an, das Erschaudern kommt aber schneller, als einem lieb ist. Im Unterbewusstsein macht es sofort Klick, Schubladen öffnen sich, die dreifach verschlossen sind. Und dann sind sie wieder da, die Gespenster, die jeder aus seinen Träumen kennt.

Theresa Rothes preisverdächtige Plüschfiguren als Teil der Diplomausstellung der HfBK Dresden. Quelle: Dietrich Flechnter

Die Gesichter dieser stofftierähnlichen Wesen sind ausgesprochen stark im Detail, sie prägen sich sofort ein. Rothes Arbeit überzeugt auch, weil ihr wilder Material- und Geschichtenmix aufgeht. Es ist eben nicht nur eine überlebensgroße schwarze Katze, es ist auch eine Höhle, ein Geheimnis, eine Wunderkammer.

Mirjam Kroker ist ebenfalls eine Künstlerin, deren Arbeit man unbedingt hervorheben muss. Die Schülerin von Martin Honert fällt auf mit einer eigenwilligen Forschungsstation. Fotos über Fotos, fein säuberlich, geradezu ästhetisch in Kästen verteilt, Bücher über Bücher, auf Tischen, auf dem Boden. „Freesearch“ leuchtet eine Schrift über Wörterbücher und beschriebene Botschaften. Filme switchen ins Heute, ins Gestern, vielleicht auch ins Morgen. Auch wenn sich nicht alles sofort erschließt, die Künstlerin vielleicht zu viel zeigen will, diese Universalbibliothek überzeugt mich durch ihren philosophischen Ansatz.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf nächstes Jahr

Auch die Arbeit von Ann-Kathrin Bernstetter wirft viele Fragen auf. Die Künstlerin studierte an der HfBK übrigens Bühnen und Kostümbild. Vielleicht bespielt sie auch deshalb ihren Raum meisterhaft. Neun verschiedene Sitzmöbel scheinbar wahllos verteilt in einem Atelier, in der Mitte ein großes Bergpanorama, ein silberner Stuhl, in den Ecken ein, zwei Videos verteilt, Texte, die man noch im Nebenbei entdecken kann.

Wie aber sitzt man auf solch einem Hocker, Stuhl, Sessel? Wie fühlt man sich darauf, was macht das mit einem? Halten die einen aus? Oder sind sie doch eher eine wacklige Angelegenheit? Nichts ist eben sicher, alles bleibt vage, unbestimmt. Schade, dass Bernstetter die Videos noch dazustellt. Mit den modisch gekleideten jungen Frauen entkräftet sie die an sich starke Raumgestaltung. Dann denkt man doch bei dem zweiten, dritten Blick wieder an Bühne, an Design, an Möbelmesse.

Es sind mir noch einige andere Absolventen aus dem einen oder anderen Grund positiv aufgefallen, wenigstens ihre Namen möchte ich an dieser Stelle nennen: Joo-Young Kim, Veronika Pfaffinger, Gyde Becker, Maria Katharina Franz und Martin Mischner. Nichtsdestotrotz bleiben viele Fragen. Dieser Jahrgang verführt mich nicht zu einem zweiten Besuch. Gottseidank aber habe ich auch starke Arbeiten gesehen. Sie machen mir Hoffnung auf das nächste Jahr.

bis 1. September: Diplomausstellung im Oktogon, dem Senatssaal und Ateliers, geöffnet Di bis So 11-18 Uhr

Von Adina Rieckmann

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