Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Deutsch-Franzose Alfons gastierte im Boulevardtheater Dresden
Nachrichten Kultur Regional Deutsch-Franzose Alfons gastierte im Boulevardtheater Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
11:18 27.11.2019
Alfons alias Emmanuel Peterfalvi Quelle: Archiv
Dresden

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt“, sagt, auf Englisch natürlich, Tom Hanks in dem wunderschönen Spielfilm „Forrest Gump“. So ähnlich erging es Emmanuel Peterfalvi, als in der Schule die Austauschschüler zugeteilt wurden. Er bekam nicht wie erhofft die „niedliche Schwedin“, sondern musste mit einem Deutschen vorlieb nehmen. Die zwei Wochen mit Olaf „wurden wunderbar“, auch wenn dieser Deutsche zu seinem Erstaunen ohne Stahlhelm aus dem Zug stieg und auch sonst nicht dem Bild des Deutschen entsprach, das er aus einschlägigen Kriegsfilmen gewonnen hatte.

Französisches Gehauche kommt an

Emmanuel Peterfalvi ging dann später zum „Entsetzen“ seiner französischen Freunde sogar nach Deutschland – und machte als Alfons Karriere, bekam unlängst gar, oui, den Deutschen Kleinkunstpreis wie auch den ebenfalls renommierten Bayerischen Kabarettpreis. Den Akzent spielt Alfons nur noch, denn dieses „französische Gehauche, das kommt einfach gut an“, wie es Berufskollege Frank-Markus Barwasser bei der Preisverleihung in München auf den Punkt brachte.

Und Alfons, der als Reporter mit einem Puschel-Mikro den Deutschen so manches entlockte, was besser ungesagt geblieben wäre, ging sogar einen Schritt weiter: Er nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an, auch wenn es natürlich „der absolute Widerspruch in sich“ ist, „Deutscher und Franzose in einem Körper zu sein“.

In seinem Programm „Jetzt noch deutscherer“, mit dem Alfons im Boulevardtheater gastierte, schildert er, wie es dazu kam – und was das mit seiner jüdischen Großmutter zu tun hat. Sie war die vielleicht prägendste Figur im Leben von „petit tête“, wie sie ihren Enkel nannte. Sie, die mit knapper Not den Holocaust überlebt hatte, war für den „kleinen Kopf“ Alfons stets ein Ozean der Geborgenheit und Liebe. Sie war es, die ihm außer der an sich verbotenen Pepsi Cola auch Selbstvertrauen und Optimismus (ein-)schenkte – und ihm vor allem vermittelte, dass die Deutschen gar nicht so anders sind als die Franzosen.

Erstaunliche Erzählung vom Holocaust

Nun ist es nicht so, dass Alfons nicht wüsste, dass Deutschen „effizient, fleißig, pünktlich“ sind, „die Franzosen hingegen normal“, aber ihm ist auch klar, dass sein Urgroßvater und danach seine Großmutter nicht von Deutschen verhaftet wurden, um nach Auschwitz deportiert zu werden, sondern von Franzosen, die eben nicht alle „superschlau, gut aussehend und sämtlich im Widerstand“ waren, wie es die Kriegsfilme seiner Kindheit suggerierten.

Alfons rekapituliert diesen Teil der Familiengeschichte ohne Pathos, ohne altkluge Moralkeule, sondern mit Güte und Liebe, was diese erstaunliche Erzählung vom Holocaust zu einem kleinen Meisterwerk macht. Abstecher in die deutsche Gegenwart unterbrechen in diesem Programm die Rückblenden, auf dass das Publikum sich nicht noch im falschen Film wähnt. Hier und da muss man als Zuschauer schlucken, viel öfter zum Glück lachen.

Bei seiner mäandernden Erzählung wurde der deutsche Kabarettszene bereichernde Neubürger Alfons gelegentlich von Julia Schilinski am Klavier begleitet, am Schluss wurde das Chanson „Göttingen“ angestimmt, das die französische Sängerin Barbara 1964 komponierte und das einen bedeutenden Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung leistete. Darin heißt es u.a.: „Aber die Kinder sind gleich, / in Paris oder in Göttingen.“ Man darf gespannt sein, wie das Publikum, das davor im Laufe des Abends noch den einen oder anderen Seitenhieb Alfons’ über „Wessis“ mit höchster Freude goutiert hatte, die Botschaft des „Göttingen“-Liedes verinnerlichte.

Von Christian Ruf

Übernahme statt Aufstand, Spiel statt Utopie: Mit „Freundliche Übernahme“ unterstützt das Chemnitzer Schauspielhaus das lokale Festival „Aufstand der Utopien“.

27.11.2019

Das Kunsthaus Dresden untersucht mit drei Ausstellungen das Phänomen des „Verschwindens der Mittelschicht – so heißt die Dauerausstellung. „Indian(er) Jones I-V (… it belongs in a museum)“ ist die Personalshow der österreichischen Künstlerin Lisl Ponger, außerdem wird die internationale Gruppenschau „Lost Horizons“ präsentiert.

26.11.2019

Aus dem Historischen Grünen Gewölbe wurden Juwelen von unschätzbarem Wert gestohlen. Unklarheit gibt es darüber, ob der elektronische Alarm ausgelöst hat. So wirft der Einbruch Fragen zum Sicherheitskonzept des Dresdner Museums auf.

26.11.2019