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18:29 14.09.2018
Der Dirigent Hans-Christoph Rademann, erster Träger des Heinrich-Schütz-Preises, bekommt die Auszeichnung am 14. Oktober zum Abschluss des Musikfestes.
Der Dirigent Hans-Christoph Rademann, erster Träger des Heinrich-Schütz-Preises, bekommt die Auszeichnung am 14. Oktober zum Abschluss des Musikfestes. Quelle: dpa
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Dresden

Seit 20 Jahren widmet sich das Musikfest im Zeichen von Heinrich Schütz an dessen mitteldeutschen Wirkungsstätten dem Leben und Werk dieses großen Barockmeisters und einstigen Dresdner Hofkapellmeisters. Das sind zwei Jahrzehnte lebendiger und mitreißender Musik voller Entdeckungen. Für Intendantin Christina Siegfried Anlass genug, nun einen Heinrich-Schütz-Preis auszuloben, der von nun an jedes Jahr an Persönlichkeiten, Ensembles oder Institutionen verliehen werden soll, die sich dem Anliegen des Musikfests gemäß um das Schaffen von Heinrich Schütz in besonderer Weise verdient gemacht haben.

Gestern gab die Initiatorin in der Dresdner Musikhochschule den erster Preisträger dieser neuen Ehrung bekannt, es ist – unbedingt naheliegend – der Dirigent Hans-Christoph Rademann. Er wird für die Einspielung des Gesamtwerks von Heinrich Schütz ausgezeichnet, die er in diesem Sommer mit dem von ihm gegründeten und bis heute geleiteten Dresdner Kammerchor absolviert hat (DNN berichteten). Kann man mehr leisten für den sogenannten Sagittarius?

Genau diese Frage dürfte den Initiatoren in den kommenden Jahren einiges Kopfzerbrechen bereiten, vorerst jedoch herrscht eitel Freude, angesichts des bevorstehenden Musikfests (5. bis 14. Oktober) diesen Musiker mit dem neuen Preis zu ehren.

Rademann zeigte sich erwartungsgemäß hoch erfreut und meinte, sämtliche Werke von Heinrich Schütz dirigiert zu haben, sei ein Privileg, mit dem er sich reich beschenkt fühle. Er verwies aber auch auf die vielen Mitstreiter unter den Musikern und Sängern sowie nicht zuletzt auf die Geldgeber, ohne die ein solches Projekt nie zu stemmen gewesen wäre. Doch sowohl die Gesamteinspielung des Schütz-Œuvres als auch die lebendige Pflege in Konzerten und nun auch mit dieser Auszeichnung führe vor Augen, welche Bedeutung Heinrich Schütz für die europäische Musik habe. Rademann vertrat die Meinung, dass die Zeit von Heinrich Schütz erst noch kommen werde, denn darauf fuße ein großer Teil unserer Kultur.

Aktuell sei das Wirken des 1672 in Dresden verstorbenen Meisters auch durch seinen Beitrag zum friedlichen Miteinander nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. „Diese Musik ist Friedensmusik“, so Rademann.

Er erhält den Heinrich-Schütz-Preis im Abschlusskonzert der diesjährigen Schütz-Tage, das unter dem diesjährigen Motto „Verley uns frieden“ stehen und von Hans-Christoph Rademann persönlich geleitet wird. Gemeinsam mit Dorothee Mields – die Sopranistin ist in diesem Jahr Artist in Residence des Musikfests – sowie dem Dresdner Kammerchor & Barockensemble erklingt Musik von Johann Bach, Franz Tunder und Philipp F. Böddecker sowie natürlich vom Namensgeber selbst (14.10., 17 Uhr, Annenkirche Dresden).

Dass mit der Gestaltung des Heinrich-Schütz-Preises die Architektin und Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach beauftragt worden ist, erwies sich als passender Zufall, mit dem sich sprichwörtliche Kreise schließen. Sie sagte zu, eine silberne Medaille zu schaffen, bevor sie erfuhr, dass die in diesem Jahr an Hans-Christoph Rademann gehen wird, dem sie durch die Musik in seinem Geburtsort Schwarzenberg seit früher Jugend verbunden war. Schon damals übrigens auch mit Kompositionen von Heinrich Schütz.

Und auch der Ort war symbolisch gewählt: Nicht nur, weil der Preisträger 1985 sein Studium an der Dresdner Musikhochschule Carl-Maria von Weber aufnahm und heute dort eine Professur innehat, sondern auch, weil zahllose Mitglieder des Kammerchors dort ausgebildet worden sind, die heute in ganz Europa aktiv sind. Das Thema des Heinrich-Schütz-Musikfests könne gar nicht aktueller sein, betonte denn auch die amtierende Rektorin Rebekka Frömmling.

www.schuetz-musikfest.de

Von Michael Ernst