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Der Wunderhaus-Verlag Dresden: Eine Märchenschmiede

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09:52 11.11.2020
Verlag Wunderhaus mit Marianne Korsh und Sebastian Lohse
Verlag Wunderhaus mit Marianne Korsh und Sebastian Lohse Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Das Haus von Marianna Korsh und Sebastian Lohse besteht nicht aus Lebkuchen, in ihrem großen Garten treiben auch keine verwunschenen Fabelwesen ihr Unwesen. Und dennoch hat sich das Ehepaar in Kleinzschachwitz ein eigenes Märchenreich aufgebaut.

Vor rund sechs Jahren gründeten die kreativen Multitalente den Wunderhaus-Verlag in Dresden. „Das war immer mein Traum“, sagt Korsh. Die gebürtige Russin mit den silbernen Haaren hat bereits in Moskau in mehreren Verlagen gearbeitet. Schon damals wusste sie: „Ich wollte Bücher machen, die die Welt verbessern.“

Bücher als Gesamtkunstwerke

In ihrer Hauptreihe „Unendliche Welten“ vereint das Paar traditionelle Illustrationskunst mit deutscher Märchenkultur. „Wir veröffentlichen vor allem Bücher des russischen Zeichners Anton Lomaev“, erklärt Korsh. Dabei handelt es sich um Geschichten wie „Die wilden Schwäne“ oder „Die Kleine Meerjungfrau“, die durch den Bilderreichtum eine ganz eigene Atmosphäre erhalten. Oder wie Korsh es sagt: „Das ist nicht einfach nur ein Text mit Illustrationen, sondern ein Gesamtkunstwerk.“

Marianna Korsh war schon immer Liebhaberin von Märchen, hat als Kind unzählige gelesen. „Die Geschichten faszinieren an sich, die leben doch ewig und können immer gelesen werden“, findet sie. Als Beispiel führt die Verlegerin „Das tapfere Schneiderlein“ an: Das Märchen sei berühmt, doch bis auf Kenner der Geschichte wisse niemand so recht, worum es im Kern gehe. „Man muss es wieder lesen, um zu begreifen, warum es immer noch aktuell ist“, erläutert Korsh. Was sei im 21. Jahrhundert denn so interessant an einem Schneiderlein?

Liebe zur Buchkunst

Sebastian Lohse unterstützte die Ziele seiner Frau von Anfang an. „Ganz alleine lassen wollte ich sie dabei nicht“, sagt er. Viele dürften den energisch blickenden Mann wohl als den ehemaligen Sänger der Dresdner Rockband Letzte Instanz kennen. Wie bei allen künstlerischen Tätigkeiten sei es auch im Verlagswesen schwierig, Fuß zu fassen, so Lohse. „Das Publikum wertet anhand von Bekanntheit. Solange dich niemand kennt, kann deine Arbeit nicht gut sein.“

Um dem etwas entgegenzusetzen, erweiterten die Beiden mit der Zeit ihr Repertoire. Sie verlegen nicht nur Märchen, sondern auch andere Kinder- und Jugendbücher – etwa den Fantasyroman „Vanara“. Aber: „Alle unsere Titel sind durch traditionelle Kunst inspiriert – sowohl die Illustrationen, als auch die Schreibweisen“, sagt Marianne Korsh. Genau hier liegen wohl die Stärken des Verlages: Mit ihrer Liebe zur klassischen Buchkunst kämpfen die beiden gegen die ihrer Ansicht nach zu oft vorkommende Vereinfachung in der Kinderbuch-Landschaft.

Für „Unendliche Welten“ produziert Stephan Lohse auch Hörbücher in seinem Tonstudio. Mikrofone, Musikinstrumente und Lautsprecher reihen sich hier aneinander.

Zwischen künstlerischen Welten

Das neueste Werk ist die Geschichte vom bereits erwähnten tapferen Schneiderlein. Auf der Frankfurter Buchmesse, die coronabedingt nur digital stattfinden konnte, feierte das Hörspiel Premiere. Sebastian Lohse hat die Musik komponiert und die einzelnen Sprecher zusammengetrommelt. Mit von der Partie sind etwa der Schauspieler Lars Rudolph, der Kabarettist Dieter Hallervorden, der Sprecher und Sänger William Cohn und In Extremo-Sänger Michael Robert Rhein alias Das letzte Einhorn.

Auch über den Verlag hinaus ist das Ehepaar künstlerisch aktiv. Lohse spielt Konzerte, tritt aber auch in Musicals auf. So kam etwa der Kontakt zum „Neo Magazin Royal“-Veteranen William Cohn zustande. Marianne Korsh spielt unter dem Künstlernamen „Loireag“ keltische Musik auf ihrer Harfe und singt gälische Lieder dazu.

Um beide künstlerischen Welten miteinander zu verknüpfen, bieten Korsh und Lohse musikalische Lesungen zu ihren Büchern an. Und in der Kleinzschachwitzer Märchenschmiede gedeihen bestimmt bereits weitere Ideen.

Von Felix Franke