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Regional Zum Tod des Kammersängers Hajo Müller
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10:59 24.02.2020
Hajo Müller Quelle: E. Döring
Dresden

Heute hätte der Dresdner Sänger und Schauspieler Hajo Müller seinen 90. Geburtstag gefeiert. Am 13. Februar, ist er verstorben.

Erst vor knapp 10 Jahren, am 2. Juni, hatte sich Hajo Müller in einer Aufführung von Verdis „Macbeth“ an der Semperoper verabschiedet. Er gab hier letztmals in berührender Darstellung die stumme Rolle des schottischen Königs Duncan, dessen Gutmütigkeit und Vertrauen ihm zum Verhängnis werden.

Durchdringende Präsenz auch nach dem Bühnenunfall

Von 1966 bis 1997 gehörte er als festes Mitglied zum Ensemble der Sächsischen Staatsoper. Hier leitete er auch von 1981 bis 1986 das Opernstudio, gab seine Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. Nach 1997 blieb er als Gast und geschätzter Charakterinterpret dem Dresdner Opernpublikum treu. Selbst nach starker körperlicher Einschränkung durch einen Bühnenunfall konnte man sich seiner so sanften, von vorausahnender Abschiedsmelancholie durchwehten Darstellung des Haushofmeisters im Konversationsstück „Capriccio“ von Richard Strauss, als hoch aufgewachsenem, jetzt schmerzvoll gebeugtem Mann, gestützt auf seinem Stock, nicht entziehen.

An die 150 Partien, ganz unterschiedlicher Formate und Ansprüche, in gut 3500 Aufführungen, hat Hajo Müller gesungen. Auch wenn seine eindringlichen Interpretationen der großen Partien in Richard Wagners Musikdramen, als Hans Sachs, Holländer, Telramund, Wotan oder König Marke, die er nicht nur in Dresden, sondern auch bei Gastspielen in Berlin, Leipzig, Leningrad, Brno, Bukarest oder Wiesbaden, erfolgreich sang, in starker Erinnerung sind, es wäre unangemessen diesen Sängerdarsteller nur auf diese Formate zu reduzieren. Zeitgenössisches Musiktheater, Erst- und Uraufführungen sind von besonderer Präsenz in seinem Repertoire.

Unwahrscheinliche Breite und Vielfalt

Er war 1967 in der Dresdner Erstaufführung von Hans Werner Henzes „Der Junge Lord“ als Bürgermeister zu erleben, sang die Partie des Totenrichters in „Die Verurteilung des Lukullus“ von Paul Dessau hier ein Jahr später. In Dessaus „Lanzelot“ interpretierte er dann die Titelpartie. Seine Mitwirkung prägte Dresdner Uraufführungen wie Udo Zimmermanns „Lewins Mühle“ nach dem Roman von Johannes Bobrowski 1973. Er sang 1977 die Titelpartie in der Uraufführung von Rainer Kunads Oper „Gaugin“. Zur Eröffnung der Semperoper 1985 gehörte er in der Partie des Spork zum Uraufführungsensmble der Oper „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ von Siegfried Matthus.

"Tannhäuser," mit Hajo Müller und  Anna Elisabeth Alexieva 27.3.1987 in der Semperoper Quelle: E.Döring

Wirklich nur einige Bespiele für die unwahrscheinliche Breite und Vielfalt dieses Sängers. Unbedingt zu erwähnen, seine Ausflüge in die Formate der Operette, er gehörte als Leopold zum Ensemble von Peter Konwitschnys höchst kontrovers aufgenommener Inszenierung der „Cárdásfürstin“ von 1999, zuvor war er in der Titelpartie gefeierter Gast am Berliner Metropoltheater in dem Musical „Alexis Sorbas“.

Aber nicht nur im Musiktheater machte Hajo Müller seine beachtliche Karriere, als „Opa Rodewald“ in der DDR-Kinderfensehserie „Spuck von draußen“ oder als Polizeipräsident in dem Kinderfilm „Kai aus der Kiste“ wurde er zu einer Kultfigur auch außerhalb der Opern- und Musiktheaterszene.

Debüt im Theater in Döbeln

Hajo Müllers so außergewöhnlicher wie facettenreicher Weg durch die so unterschiedlichen Bereiche des Musiktheaters hatte in Döbeln, wo er 1931 geboren wurde, begonnen. Der Vater als Lehrer, die Mutter als Klavierlehrerin stellten eigene Ansprüche zurück, förderten das früh erkannte Talent des Sohnes. In Dresden erhält er von 1948 bis 1951 seine grundsolide Ausbildung bei Persönlichkeiten wie Rudolf Dittrich, Robert Büssel und Elisa Stützner, die es vermögen von Beginn an Theorie und Praxis zu verbinden. Im Theater seiner Heimatstadt gibt er als Sarastro in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ sein Debüt, „In diesen heil´gen Hallen“.

Weitere Stationen, zunächst als seriöser Bass, sind Chemnitz, Plauen und Schwerin, in seiner Zeit in Weimar, von 1961 bis 1966, wo er zum Kammersänger ernannt wird, vollzieht er auch den Wechsel zum Heldenbariton. Nach Gastspielen in Dresden erhält er hier sein Engagement und prägt in seiner Unverwechselbarkeit die Spezifika einer der Tradition verpflichteten, dem Neuen aber immer aufgeschlossenen Repertoiregestaltung, für die das Dresdner Ensemble damals mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen steht.

Beisetzung in Bühlau

Beeindruckenden Nachklang vermitteln die Einspielungen von Ottmar GerstersEnoch Arden oder der Möwenschrei“ unter der Leitung von Kurt Masur mit Hajo Müller in der Titelpartie, als Querschnitt der Rundfunkeinspielung bei ETERNA erschienen, oder Gesamtaufnahmen der Opern „Lewins Mühle“ unter der Leitung von Siegfried Kurz und „Der Schuhu und die Fliegende Prinzessin“ unter Peter Gülke als CD-Aufnahmen bei Berlin Classics Nova.

Ein Nachklang mit Rückschau, Erinnerung mit Ausblick, Berührung und Dank zum Abschied von Hajo Müller dem Sängerdarsteller mutiger Vielfalt.

Die Beisetzung findet dem Donnerstag, 5. März, 14.00 Uhr, auf dem Friedhof Bühlau statt.

Von Boris Gruhl

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