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Regional Das Julia Kadel Trio präsentierte in der Tonne die neue CD „Kaskaden“
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18:19 10.09.2019
Das Julia Kadel Trio. Quelle: Lisa Wassmann
Dresden

Manchmal funktioniert es einfach nicht. Und bei Musikerinnen auf dem Niveau einer Julia Kadel fragt die Rezensentin sich dann natürlich, ob es an ihr liegt. Aber ganz generell schien bei der Premiere der pressfrischen neuen CD des Julia Kadel Trios im Jazzclub Tonne der Funke nicht wirklich überzuspringen. Zwischenapplaus hielt sich in Grenzen, die Verabschiedung war herzlich, aber nicht enthusiastisch. Woran also lag es?

Im Olymp angekommen

Bereits zweimal durften wir ein Konzert jenes Trios erleben: 2012 im Blue Note, als die drei erst ein Jahr zusammenspielten, dann 2014 in der damaligen Tonne unter dem Kulturrathaus – da waren sie gerade bei Blue Note unter Vertrag genommen worden und wir schrieben, nun seien sie „auf dem Olymp“. Alle drei sind ehemalige Absolventen der hiesigen Musikhochschule, da waren beide Konzerte – wie vermutlich die vielen, vielen anderen auch, die sie in Dresden bestritten – Heimspiele im wahrsten Sinne des Wortes.

Die junge Komponistin und Pianistin Kadel, Bassist Karl-Erik Enkelmann und Drummer Steffen Roth kamen, um zu spielen. Ein Fest für den Jazz zu feiern, gemeinsam mit ihren ehemaligen Mitstudenten und allen anderen, die sich inmitten der täglichen akustischen Belästigung durch formatierte Produktionen offene Ohren erhalten haben. Sowohl 2012 als auch 2014 bestimmten Improvisationen weite Strecken der Konzerte.

Liegt also hier der Grund? Wenngleich auch jetzt im Spiel des Trios alles da war, was seine besondere Qualität ausmacht, stellten die drei an diesem Tonne-Abend recht stringent das aktuelle Album vor. Wie es scheint, war Kadel noch begeisterter von den Möglichkeiten, im Studio des Traditionslabels MPS im Schwarzwald analog aufnehmen zu können, auch eine Vinyl-Pressung zu erhalten, als sie es seinerzeit von der Aufnahme in den Olymp von Blue Note war. Und schließlich ist die CD mit dem Titel „Kaskaden“ auch erst am vergangenen Freitag erschienen – und dennoch...

Das Gegenteil von Jazz-Improvisation

„Innensichten“ heißt der Opener des Abends, mit dem wir uns nur zu gern gefangen nehmen lassen vom Kosmos der Julia Kadel. Da sind sie, von Anfang an, die kleinen Andersartigkeiten, die die Musik so besonders machen: Da klingt Enkelmanns Bass sehr, sehr dunkel, während Roth reichlich hell „anrührt“, da kommt dann Kadels Flügel mit all der Komplexität hinzu, die uns immer so bezaubert: das Können der gelernten Klassikpianistin plus die Fantasie der großen Komponistin plus die Praxis der langjährigen Jazzerin. Zusammen ergibt das Musik zum Zuhören, niemals zum Zurücklehnen, und das ist gut so.

Wenn aber im Fortschreiten des Abends der Eindruck entsteht, mehr einer Performance beizuwohnen als von einem Konzert wirklich mitgenommen, eingebunden zu werden, dann – funktioniert es eben nicht. Das Greifen in den Flügelkorpus, das vielfältige Nutzen des Instruments als wahren Klangkörper – das kennt man von Kadel und es passte immer. Nun erscheint es irgendwie zu präzise gesetzt, geplant, konzentriert absolviert. Kurz: das Gegenteil von Jazz-Improvisation.

Etwas absurd erscheint es, wenn sie den Titel „Herunterfallen“ ankündigt. Bereits bei der Beschreibung, was sie unter dem Wort versteht, kommt man nicht so richtig mit – Zusammenspielen, Kommunizieren? Das Stück selbst bildet dann eher ein traumwandlerisches Stolpern ab, ein Suchen und Tasten. Und kommt mit seinen mäandernden Strukturen, dem Eindruck der Improvisation, dem noch am nächsten, was wir von diesem Konzert erwarteten. Hier galt also lediglich: den Titel ignorieren.

Frisch erschienen: die neue CD mit dem Titel „Kaskaden“. Quelle: Cover

Ähnlich ergeht es einem mit „Tranquille“, dem letzten Stück des Albums, live noch von dem vorletzten (!) „Epilog“ gefolgt. „Tranquille“ soll, so Julia Kadels Erkärung, die entspannte Haltung der Franzosen wiedergeben. Zu hören ist jedoch eine sehr angespannte, fokussierte Ruhe. „Epilog“ präsentiert sich dann fast rockig, macht durchaus Spaß, aber: Die Alchemie, die wir von diesem Konzert erwarteten, die gab es an diesem Abend nur in Minimaldosen.

Von Beate Baum

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