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Regional Das Festival szene: Europa mit einer walisischen Woche im Societaetstheater
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07:57 24.04.2018
„The remarkable tale of Robert Desnos“ mit Claire Murphy und Daniel Martin Quelle: PR
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Dresden

Nun also doch. Beim szene: Europa-Festival waren die Teile, die den Inselleib Großbritanniens ausmachen, mit ihren Theatermachern fast alle schon in Dresden vertreten: aus Schottland, aus England und im Vorjahr sogar aus Nordirland. Fehlte also nur noch die Szene, die sich in Wales tummelt. Eine Lücke, die das Societaetstheater als Festivalorganisator nicht lange bestehen lassen konnte – und die ab Freitag geschlossen wird. Dann heißt es bis zum 5. Mai: „szene: Wales“.

„Die Zeiten sind rauer geworden“

Es ist sicher auch eine Reminiszenz ans Zeitgeschehen. Schließlich wird, nach einem nun schon fast wieder zwei Jahre zurückliegenden Votum, der selbstgewählte Abschied der Insel von der EU in nicht einmal einem Jahr vollzogen sein. Und wer den Nachrichten mit etwas Interesse folgt, dem offenbart sich, wie wenig selbst sogenannte Experten zu den aus dem Brexit folgenden Konsequenzen sagen können.

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„Die Zeiten sind rauer geworden“, ist passenderweise einer der Sätze, den Brit Magdon, künstlerische Programmleiterin des Theaters, im Vorfeld der walisischen Gastwoche schrieb. Man könnte meinen, ein „Gerade jetzt!“ dahinter zu vernehmen.

Dass das British Council in diesem Jahr mit dem Programm „UK/Germany 2018“ noch „die tiefen Kulturbeziehungen“ zwischen Großbritannien und Deutschland feiern will, hat zwar sicher einen längeren zeitlichen Vorlauf gehabt, bekommt aber vor dem Hintergrund des besagten Brexit-Fahrplans schon so eine kleine Abschiedsnote. Auch wenn der Kulturaustausch dadurch natürlich nicht sterben wird, sondern seine bilateralen Wege findet.

Doch allein schon bei der Frage, was künftig aus bisher über die EU finanzierten Kulturprojekten in Großbritannien werden soll, gehen die Antworten auseinander. Wie gesagt, auch die Experten tun sich schwer damit zu prognostizieren, was nun auf alle zukommt.

Was das Dresdner Publikum dagegen erwartet, liegt auf der Hand: eine Woche dichtes Programm – das übrigens, zum ersten Mal in der vor elf Jahren gestarteten Festivalgeschichte, einen zweiten Teil beigestellt kommt, der im September im Theaterzelt Prohlis und an weiteren Orten in Dresden und Umgebung über die Bühne gehen soll.

Der Waliser dankt: Diolch yn fawr

Die ersten beiden Abende des ersten Teils im Societaetstheater stehen dabei ganz im Zeichen der in der walisischen Hauptstadt Cardiff beheimateten Szene. Am Freitag lädt Jo Fong, eine der Größen des zeitgenössischen Tanzes, ab 20 Uhr unter dem Titel „An Invitation...“ tatsächlich ein und reißt in gewisser Hinsicht die Barriere zwischen Bühne und Publikum nieder. Am Sonnabend, ebenfalls ab 20 Uhr, steht „Sugar Baby“ des Dirty Protest Theatre auf dem Programm: eine Komödie um einen kleinen Drogendealer und seine, aus seiner Sicht, ganz normalen Probleme.

Am Sonntag und Donnerstag (3. Mai) geht’s dann nicht nur hinter die Cardiffer Stadtgrenzen, sondern in gewisser Weise sogar ins benachbarte England. Dann steht jeweils Storytelling der Adverse Camber Productions an, die im mittelenglischen Derbyshire daheim sind und in „Dreaming the night field“ eine uralte walisische Legende wiederauferstehen lassen.

Eine Kooperation Wales-England bestreitet mit „Meet Fred“ am Sonntag (5. Mai, 20 Uhr) auch das Festivalfinale. Das HiJinx Theatre Cardiff und Blind Summit aus London haben sich dabei zu einem ungewöhnlichen Puppentheaterprojekt zusammengetan. Außerdem stehen noch eine durchgängig gezeigte Fotoausstellung und Filme im Festivalplan. Vor allem „Ellen“ (Freitag, 4. Mai, 21.30 Uhr) um ein gleichnamiges 14-jähriges Mädchen, das auf die mehr oder weniger eigenständige Tour erwachsen werden muss, sticht dabei heraus.

Ein Name sei, mit Blick auf das Zustandekommen des Festivals, noch genannt: Rebecca Gould. Sie stammt aus Cardiff, hat in verschiedenen Theatern gearbeitet, zuletzt am Soho Theatre in London. 2015 wechselte sie zum British Council Wales, einem der Unterstützer dieses Festivals. Gould war, ist zu hören, maßgeblich am Entstehen von „szene: Wales“ beteiligt. Diolch yn fawr, wie der Waliser dankt.

Programm und Informationen unter www.societaetstheater.de

Von Torsten Klaus

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