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Regional „Däumelinchen“ und „Pluck“ am tjg Dresden
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19:46 02.12.2019
Ulrike Sperberg spielt das „Däumelinchen“ im Theater Junge Generation. Quelle: Fotos (2): Marco Prill
Dresden

Krawumm! – „Hilfe!“ – „Hat nicht weh getan!“ Polternd beginnt das neue Stück „Däumelinchen“ am Theater Junge Generation (tjg), als die Schwalbe lautstark auf die Bühne fällt. Das beeindruckende Tempo hält die erste eigenständige Regiearbeit von Christoph Levermann durchgehend aufrecht. Und mehr noch: Er erfindet Däumelinchen neu, bricht die Figur aus der Niedlichkeit heraus, macht das Kleine ganz groß und punktet damit beim Publikum ab vier Jahren.

Däumelinchen will und will und will ...

Der erste geniale Kniff: Däumelinchen wird von einer Schauspielerin (sehr überzeugend: Ulrike Sperberg) gespielt, die anderen Figuren sind (kleinere) Puppen. „Was is’n hier los?“, fragt am Anfang das aus einer Blume geschlüpfte winzige Däumelinchen und stellt damit auch das gesamte Stück hindurch scheinbar Feststehendes in Frage. Es will und will und will schwimmen lernen, will raus, will sich beweisen, will eintauchen in die Welt. Kein Wunder, dass der Plan ihrer Helikoptereltern, sie vor allem Unbill zu schützen, scheitern muss und sie erst recht zum leichten Opfer der verführerischen Kröte wird.

Mit dem Opfer-Status findet sich dieses Däumelinchen jedoch alles andere als ab, und es macht großen Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie der Welt die Stirn bietet – mit Trotz und verschränkten Armen, mit unbändiger Lebenslust und Selbstvertrauen.

Ebenso vergnüglich ist es, ihren Gefährten zuzusehen: der dicken Kröte mit ihrem traumtänzerischen Sohn, dem halbstarken Maikäfer mit seinen lärmenden Kumpels, der händeringenden Mäusefrau und dem griesgrämigen Maulwurf. Die drei Puppenspieler Daniil Shchapov, Ulrike Schuster und Patrick Borck machen aus ihrer Freude am Spielen, Gurren und Raunen, Schmatzen und Platschen, Tanzen und Schmachten keinen Hehl – und diese Freude springt auf das Publikum über.

Liebenswerte schräge Vögel

Das zweite neue Weihnachtsstück des tjg führt das Leben in einem Hochhaus vor. In „Pluck“ liegt das Haus wie ein Adventskalender auf der Bühne, und jedes Fenster hält eine andere Überraschung bereit. Da ist der zahme Kakerlak Zaza, der alleinerziehende Vater Stampfer mit seinen sechs Stampferchen, ein langes Pferd samt Major, das Eichhörnchen Düselchen mit Höhenangst, ein Fähr- und Werwolf und viele, viele mehr.

Jeder von ihnen findet im Jungen Pluck (Kilian Bierwirth), der gerade ins Turmzimmer eingezogen ist, einen Helfer aus der Not. Zu schade, dass die Figur aus dem berühmten Kinderbuch von Annie M. G. Schmidt, die in den Niederlanden jedes Kind kennt, in der Fassung von tjg-Intendantin Felicitas Loewe und Regisseur Jos van Kan wenig Charakter zeigt. Wo kommt Pluck eigentlich her, was ist mit seinen Eltern, warum ist er so nett, was treibt ihn an? Auf diese Fragen gibt das Stück keine Antwort.

Weiterlesen: „Pluck“-Premiere am tjg Dresden –Regisseur Jos van Kan im Interview

Das ist insofern bedauerlich, als die anderen Figuren allesamt liebenswerte schräge Vögel sind, die auch dank der hervorragenden Kostüme von Grit Dora von Zeschau einzigartige Typen abgeben. Großartig sind die spröde Frau Sauberer (Moritz Stephan), Möwe Karl mit dem Holzbein (Paul Oldenburg), die immer leicht derangierte Taube Dolly (Julian Lehr) oder natürlich die wegweisende Lispeltüte (Kilian Bierwirth).

Moritz Stephan als Frau Sauberer- Die Taube Dolly gibt Julian Lehr. Quelle: Marco Prill/tjg

Nach der Pause gewinnt das Stück an Tempo und Spannung, wenn sich nun doch eine Handlung um Pluck entspinnt und er auf eine abenteuerliche Reise geht. Leider wird dem jungen Helden aber zu viel zugemutet – die Themen reichen von Fragen der öffentlichen Gesundheit über die Verschmutzung der Meere bis zur wachsenden Versiegelung in den Städten.

Im Kaleidoskop der herrlich eigenbrötlerischen Hausbewohner wäre weniger mehr gewesen, denn die Frage, wie es sich in Gemeinschaft gut leben lässt, hätte als Thema ausreichend Stoff hergegeben. Das junge Publikum war dennoch begeistert von dem Hochhaus-Spektakel, das die Zeit bis zum Fest wunderbar durcheinanderwirbelt.

Nächste Aufführungen: „Däumelinchen“ (ab 4 Jahre), Kleine Bühne im Kraftwerk Mitte, „Pluck“ (ab 6 Jahre), Große Bühne im Kraftwerk Mitte an fast allen Tagen im Dezember

www.tjg-dresden.de

Von Birgit Andert

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