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Regional City unplugged in Dresden
Nachrichten Kultur Regional City unplugged in Dresden
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09:01 21.12.2017
Manfred Hennig (Keyboards, hinten), sowie Fritz Puppel (Gitarre), Toni Krahl (Gesang) und Georgi Gogow (Geige, Bass) (L-R, vorn) von der Rockband City während eines Auftrittes im Rahmen der Unplugged-Tour im Kulturpalast Dresden.  Quelle: Andreas Weihs
Dresden

 Sie können auf zahlreiche Hits verweisen, doch nur einer ist der absolute Überflieger, in Ost wie auch in West. Seit nunmehr 40 Jahren singen City, die einst in Ostberlin gegründete Rockband, schon ihr Lied „Am Fenster“ – den Hit, der so untrennbar mit der Band und ihren Erfolgen verknüpft ist. Anekdoten ranken sich um dieses Lied, eine ist fast schon unglaublich, aber dazu später.

Auch City haben sich derzeit eine Unplugged-Tour gegönnt. Wörtlich sollten also alle Stecker gezogen sein. Doch das ist im Rock’n’Roll heute kaum möglich und so erleben die Besucher im Dresdner Kulturpalast nichts „ohne Strom“, aber sie sehen die harten Rocker beim Musizieren auf’m Hocker, neben und hinter sich stehen Kerzenleuchter, die eine heimelige Atmosphäre versprühen.

Toni Krahl zeigt Präsenz, sein Gesang, seine Stimme ist wohl unter Tausenden leicht wiedererkennbar, knarzig, rauchig, markant. Er hält auf der Bühne die Fäden fest in der Hand, sitzt in der Mitte, mal mit Gitarre, mal mit der Mundi in den Händen. Schon nach wenigen Minuten hören die Besucher unvermittelt Ausschnitte aus dem Mega-Hit „Am Fenster“, dessen zeitlose Melodie auch die Musikervorstellung untermalt. Sofort wird mitgeklatscht, einige stehen sogar auf vor Begeisterung. „Hey Hey Hey“-Chöre füllen den Saal. Es ist der Tourabschluss ihrer Unplugged- Tour, und – wie Krahl betont – war Dresden die beste Wahl dafür.

City Unplugged im Dresdner Kulturpalast

Doch es ist keineswegs nur seichte Unterhaltung, die die Band hier bietet. City hat etwas zu sagen. In ihren Liedern legen sie schon immer besonderen Wert auf die Texte, was auch ihre Fans zu schätzen wissen. Kleine Geschichten des Alltags, Beobachtungen, Zwischenmenschliches. Doch immer wieder sind es auch Lieder, die den Friedenswillen der Musiker zum Ausdruck bringen, sie provozieren Nachdenklichkeit und tragen die Schwere des Lebens in „leichte Songs“ hinein. „Seit Christi Geburt gibt es keinen Tag auf der Welt, an dem Frieden herrschte“, hört man Toni Krahl sagen. Er kündigt die „Mutter aller Friedenslieder“ an, singt Pete Seegers Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“. Die Nummer hat bei City ordentlich Bumms, ist sehr eingängig und mitreißend, eine ganz eigene Adaption des Stoffes. Sein Fazit: „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“. Auch „Sind so kleine Hände“ – geborgt von Bettina Wegner – fällt in die Kategorie von Songs dieser tiefer greifenden Art, bewegt sich jedoch in eine gänzlich andere Richtung und klingt sehr intim und sehr emotional. Es endet mit aufbrandenden Applaus.

Toni plaudert zwischen den Liedern, erzählt kleine Anekdoten. Eine davon ist etwas länger und lässt die Zuhörer mehrmals nicht nur schmunzeln. „Wir kommen ja viel rum auf unseren Tourneen. Gern schauen wir uns auch etwas in den Städten um, wo wir gerade sind. Als wir das erste Mal in Hamburg waren, wollten wir auch wissen, was es in der Stadt Schönes gibt und so kamen wir auf die Reeperbahn. Klaus bekam von uns Geld und den Bandauftrag herauszufinden, was passiert hinter verschlossenen Türen, wenn man auf das von einer hübschen Frau offerierte Haustürgeschäft einging.“ Und die Legende nahm ihren Lauf. Die Frau soll ihn dann gefragt haben: Willste was zum Trinken? Klaus: Ja! Willste Musik? Klaus: Ja! Und dann legte sie „Am Fenster“ auf, worauf Klaus auf das Coverbild tippte und sagte: Das bin ich. Das ganze mündete der Erzählung nach in einer Autogrammstunde im Puff auf der Reeperbahn, denn auch ihre „Kolleginnen“ hatten die Platte. Eine wunderbare Erinnerung für einen erfolgreichen Ostrocker bei seinem ersten Besuch im Westen und eine schöne Legende zu ihrem frühen und bis heute amtlichen Mega-Hit „Am Fenster“, dessen 40-jähriges Jubiläum es auf dieser Tour zu feiern gilt und der im Finale nach zwei Konzertstunden noch einmal in voller Länge zu hören ist.

Auch bei City bedeutet das Siegel Unplugged nicht: ruhig, getragen bis hin zu einschläfernd. Die Musiker zeigen mit diesem Programm, dass sie Rocker sind und bleiben. Die Songs wurden entschlackt, Bläser durch Mundi ersetzt, an den Arrangements gefeilt. Prägend dabei ist das Spiel von Georgi Gogow auf der Geige. Das gibt den Liedern den speziellen Touch und verleiht ihnen viel Charme und Einzigartigkeit. Das Licht ist stimmungsvoll, der Sound voller Kraft. Und obwohl sich ihre Musik in all den Jahren nicht grundlegend verändert hat, haben sie sich immer ein Stück vorwärts entwickelt. Sie rufen Erinnerungen wach und können die Zuhörer mitreißen. Wie „Lieben und Lieben lassen“, „Immer noch Sommer“, „Flieg ich durch die Welt“ oder auch „HeyYA“ vom aktuellen Album „Das Blut so laut“. Da lassen sich auch die Dresdner nicht lange um Mitarbeit bitten.

City unplugged: wieder am 3. November 2018 in der Dresdner Lukaskirche, 20 Uhr

Von Andreas Weihs

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