Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Bruckner und Berg mit Peter Zimmermann und der Dresdner Philharmonie
Nachrichten Kultur Regional Bruckner und Berg mit Peter Zimmermann und der Dresdner Philharmonie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:48 27.01.2020
Dresdner Philharmonie mit Frank Peter Zimmermann (Violine) und Chefdirigent Marek Janowski. Quelle: Björn Kadenbach
Anzeige
Dresden

Es lohnt doch stets, einen tieferen Blick in die Musikgeschichte zu werfen, wenn man es mit heutzutage allgemein Bekanntem zu tun bekommt. Alban Bergs Violinkonzert und Anton Bruckners 7. Sinfonie, die im Konzert der Dresdner Philharmonie am Wochenende auf dem Programm standen, verbindet dann mehr, als man ahnt, und die Rezeption beider Komponisten ähnelt sich erstaunlich.

Wie aus einem Guss

Der Ablehnung, die Berg im nationalsozialistischen Deutschland entgegenschlug, stand eine völlig andere Reaktion in Österreich gegenüber, und man soll sich nicht davon täuschen lassen, dass das Violinkonzert in Barcelona uraufgeführt wurde. Bergs Musik war keineswegs ins Exil gegangen, und die erste Wiener Aufführung unter Otto Klemperer im Oktober 1936 wurde ein bedeutender Erfolg.

Auch Bruckners Sinfonie erfuhr nach der geglückten Uraufführung 1884 in Leipzig keineswegs ein einhelliges Urteil. Wurde Bruckner in Wien endlich verehrt und hielt gefragte Vorlesungen an der Universität, schlug ihm jenseits der Alpen weiter Kühle entgegen. Nach dem Berliner Konzert im Juni 1887 sprach das Musikalische Wochenblatt von „gefühlsseliger Überschwänglichkeit“ oder dem „Wühlen in Tonfarben“, die „im nördlichen Deutschland wenig am Platze wären“, und auch vom Irrtum, sich durch Bruckner an Wagner „erinnert“ zu fühlen. Die Dresdner Erstaufführung im März desselben Jahres unter Nicodé wird – in den „Signalen“ – als ebenso gemischt und wie wenig eindrucksvoll beschrieben. Mehr Begeisterung erzeugte da das bunte Programm nach der Pause, das von Wagners „Kaisermarsch“ (!) gekrönt wurde. Über den spottete Hofkapellmeister Julius Rietz gleich 1871: „Der Republikaner von 1849 schreibt jetzt Kaisermärsche!“

Dass das Konzert vom Sonnabend im ausverkauften Kulturpalast wie aus einem Guss wirkte, hatte seine Ursache nicht zuletzt in der glücklichen Verbindung der beiden Werke, die sich im Charakter sinnstiftend ergänzten. Entscheidend aber war die Lesart von Chefdirigent Marek Janowski, dem es in kürzester Zeit zu gelingen scheint, mit der Dresdner Philharmonie wieder so auf den musikalischen Punkt zu kommen, wie man es von seiner ersten Amtszeit her noch kennen kann.

Philharmonie in veränderter Sitzordnung

Gemeinsam mit Frank Peter Zimmermann als Solisten gelang eine Aufführung des Violinkonzerts, die von allergrößter Klarheit war und sich jeder Sentimentalität enthielt. Schon der fast energische Beginn gab da die Richtung vor, was nicht bedeutete, dass Zimmermann und Janowski nicht zarteste Details ebenso herausschälten. Der Solist konnte dabei ideal Teil des Ganzen werden, was dem Stück (aus dem neben der Trauer ja auch Bergs herzliche Erinnerung an Manon Gropius spricht, deren Denkmal das Konzert ist) in dieser Aufführung zu wirklicher Eindringlichkeit verhalf. Janowskis Gestaltung gipfelte endlich in einem wie zwingenden Schluss. Und mit seiner Zugabe, dem Presto aus Bartóks Violinsonate, schloss Frank Peter Zimmermann sehr passend an und fand eine ganz verwandte Balance im Spiel, in dem der Klang stets dem Ausdruck diente.

Dass Marek Janowskis Bruckner-Interpretationen zu den aktuell schlüssigsten gehören, muss man kaum erklären. Umso ärgerlicher ist, dass etwas derart Substanzielles mit der Dresdner Philharmonie seit Jahren nicht als Aufnahme vorliegt.

Janowski zelebrierte nicht die E-Dur Sinfonie von Bruckner, er musizierte sie und das in aller Tiefe. Etwas Rückversicherung mit Jörg Brückner als Gast für das Solohorn und damit für das mühelose Gelingen schon des Themas half dabei ebenso, wie die veränderte Sitzordnung der Philharmonie. Die Streicher zu beiden Seiten der Bläser bis auf die obersten Stufen des Podiums zu setzen, gereicht der Kraft des Klanges und dessen Verschmelzung gerade bei einer solch großen Besetzung tatsächlich zum Vorteil. Die klaren Konturen, die Janowski dem ersten Satz verlieh, entsprangen aber eindeutig seiner Intention, allem Wichtigen auch entsprechend Raum zu geben.

Sein Tempo für den „sehr langsam“ zu nehmenden zweiten Satz traf sehr genau Bruckners Gestus, und was der Hornsatz samt den Wagner-Tuben hierzu bot, war schlicht grandios. Doch dieses Adjektiv darf man auf das gesamte Orchester ausdehnen, das auch im so frisch mitreißenden wie ernsthaften Scherzo und im fesselnd energischen Finale von größter und wieder gewohnter Qualität und Einigkeit war.

Diesen Nuancenreichtum, die Intonationssicherheit und die Begeisterung konnte man bei der Dresdner Philharmonie in den letzten Jahren mitunter vermissen – nun sind sie unter Janowski wieder da. Am Schluss durfte man kurz Luft holen und sich wieder zurücklehnen: Applaus muss nach solch einem Stück nicht frenetisch losbrechen. Reichlich und ehrlich war er aber umso mehr, denn diese Aufführung war außerordentlich – gut.

Von Hartmut Schütz

Vor vollem Haus boten Renft eine zweieinhalbstündige Werkschau mit Songs aus sechs Jahrzehnten Bandgeschichte, die mit viel Beifall und Publikumsgesang bedacht und mit Standing Ovation beendet wurde.

27.01.2020

Als Abgeordneter der SPD ist Benedikt Dyrlich 1992 dabei, als der Landtag in der Dresdner Dreikönigskirche die Sächsische Verfassung aus der Taufe hebt. Nachzulesen ist sein damaliges Erleben im zweiten Teil von „Leben im Zwiespalt“.

27.01.2020

Im Japanischen Palais ist die Ausstellung „Library of Exile“ mit verschiedenen Rauminstallationen zu sehen. Gewürdigt werden soll das Werk von Schriftstellern, die gezwungen waren und sind, zwischen den Kulturen und Sprachen „zu wandern“.

27.01.2020