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Regional Bodecker und Neander nehmen ihr Dresdner Publikum mit „Auf Winterreise“
Nachrichten Kultur Regional Bodecker und Neander nehmen ihr Dresdner Publikum mit „Auf Winterreise“
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17:21 19.12.2019
Bodecker und Neander gehen „Auf Winterreise“. Quelle: Rene Jaschke
Dresden

In der Adventszeit sollte alles ein bisschen langsamer ablaufen. Innere Einkehr, sich Zeit nehmen. Die beiden Pantomimen Wolfram von Bodecker und Alexander Neander sorgen seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit für ausreichend Gelegenheit dazu. Sobald ein Abend mit den beiden Schülern von Marcel Marceau beginnt, bleibt die laute Welt außen vor. Die Komplexität des Lebens schrumpft auf eine Handvoll fast lyrischer Begegnungen, die ihre ganz eigene Geschwindigkeit aufweisen.

Pantomime, Slapstick und Schwarzes Theater

In diesem Dezember ist es Lina Rohde auf der Bühne des Societaetstheaters, die mit einem Pferdeschlitten durch die eisige Kälte Sibiriens fährt und als Botin die Briefe der Menschen bis in die entlegensten Winkel bringt, Briefe, in denen die sehnlichsten Wünsche festgehalten sind. Wie genau die aussehen, zeigen Bodecker und Neander in gewohnt episodenhaften Szenen in ihrer verzaubernden Mischung aus Pantomime, Slapstick und Schwarzem Theater.

Da möchte einer den Weinkeller eines alten Schlosses besuchen. Und nutzt die Gelegenheit, gleich mal ein paar Flaschen der edleren Sorte unter der Jacke verschwinden zu lassen. Der Mensch ist fehlbar. Deshalb ist er so liebenswert. Mit dieser Botschaft geben Bodecker und Neander so etwas wie den Weihnachtsmann für Erwachsene. Und das funktioniert nach all den Jahren noch immer. Man kann das Erstaunen im Publikum hören. Hier kichern nicht nur die Kinder im Publikum. Man könnte meinen, mittlerweile habe jeder ein Stück der beiden gesehen. Trotzdem lässt das Interesse beim Publikum nicht nach. Ganz im Gegenteil. Die Fangemeinde ist in Dresden besonders groß. Sie wird auch mit diesem Stück nicht enttäuscht.

Besonders Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll ist ein virtuoser Augenschmaus. Neander gibt den Pianisten, der zwar begabt, aber ohne Hilfe unfähig ist, die Noten umzublättern. Sein Assistent, dem diese Aufgabe zukommt, hat so ganz eigene Pläne. Dieser Humor trägt sich einfach nicht ab. Und das mit mittlerweile mehr als 60 Nummern im Repertoire.

Darf nicht fehlen: die imaginäre Treppe

Worin der Reiz der stummen Beredsamkeit für das Publikum besteht, ist für Alexander Neander ganz simpel. „Pantomime ist kein Ratespiel“, verrät er. In ihrer Arbeit gehen sie ihre Themen möglichst einfach an. Viel Wert legen sie dabei auf die Atmosphäre. Innerhalb eines relativ kurzen Entwicklungsprozesses von nur etwa sechs Wochen wird jede Szene immer weiter reduziert. „Wir sprechen dabei viel.“ Aus dem Mund eines Pantomimen klingt das fast wie ein Scherz. Scherze können sie sich tatsächlich auch auf der Bühne erlauben. Nach gemeinsamen 23 Jahren sind Bodecker und Neander ein eingespieltes Team. Das schafft viel Freiheit und immer wieder Raum für Improvisation.

Keine Vorstellung gleicht der vorherigen. Trotzdem bekommt das Publikum immer, was es sich wünscht. So gibt es auch dieses Mal wieder die unerwartete imaginäre Treppe in den Keller. Ohne die im Programm gab es tatsächlich bereits Beschwerden vom Publikum.

Auch für das nächste Jahr sind wieder mehrere Gastspiele geplant. Bereits Ende Februar stehen Bodecker und Neander mit einer Deutschlandpremiere im Programm, die ganz neue Ansätze zeigt. „Der Mann im Spiegel“ ist keine Ansammlung von kurzen Episoden, sondern ein abendfüllendes Stück, am Klavier live begleitet von Stephan von Bothmer. Und natürlich werden sie im August auch wieder im Garten des Societaetstheaters auf der Bühne stehen. Bis es soweit ist, sollte man sich in Geduld üben, ganz so, wie es in dieser „Winterreise“ empfohlen wird.

nächste Vorstellungen: heute bis 22. Dezember, Societaetstheater

www.societaetstheater.de

Von Rico Stehfest

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