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Regional Bitterböser Humor – Der „Postillon“ in der Schauburg Dresden
Nachrichten Kultur Regional Bitterböser Humor – Der „Postillon“ in der Schauburg Dresden
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19:09 30.11.2019
Thieß Neubert und Anne Rothäuser repräsentieren den „Postillon“. Das Dresdner Publikum feiert sie für ihren bitterbösen Humor. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Sie reden über Donald Trump „und andere alte, senile Männer“, über den Brexit, den Flughafen BER, die AfD und über die Elbphilharmonie. Darüber, dass 20 ausgesetzte Grizzlys in der Region Hameln bei Hannover die unliebsame Wolfspopulation eindämmen sollen. Und was wird die Grizzlys verjagen? Keine Bange, darauf sei man ebenfalls bestens vorbereitet. Die Lösung: Bengalische Königstiger.

Show im Nachrichtenkostüm

So ging es Donnerstagabend heiter-fröhlich her beim Live-Auftritt des Satire-Onlineportals „Der Postillon“ in der Schauburg. Die Show in Dresden bildete den Abschluss der Tour 2019. Somit sei der „Postillon“ nun, wie Gründer Stefan Sichermann sagte, auf dem besten Weg, „dem internetfernen Publikum das Geld aus der Tasche zu ziehen und dem Ziel der Weltherrschaft ein Stück näher zu kommen“.

„Wir sind hier ja in... Dresden? Sieht aber aus wie Cottbus“, stellt Thieß Neubert zu Beginn fest. In der Show im Nachrichtenkostüm, angelehnt an das Format der Tagesschau, wird es allerdings schnell ungemütlich für das Publikum. Denn wer denkt, dass die beiden „Nachrichtensprecher“ Thieß Neubert und Anne Rothäuser starr ihre Satire-Nachrichten runterrattern, der irrt.

Gekonnt und auf eigentümliche Weise gelingt es den beiden Repräsentanten des „Postillon“, die Gäste mit ihren Wortwitzen und abstrusen Meldungen in schallendes Gelächter zu versetzen, und bringen diese nebenher auch mit androhenden Interaktionen in die eine oder andere unangenehme Lage. Hervorgerufen durch peinlich berührte Zuschauer wird die Luft plötzlich zum Zerschneiden dick. Direkter Blickkontakt mit Einzelnen verstärkt sowohl Scham als auch das daraus resultierende Gefühl des Ertappt-werdens, dem sich auch die Autorin ausgesetzt fühlt: „Wie ich sehe, sitzt hier vorne eine Kollegin. Ja genau, die mit dem Block, die so viel mitschreibt. Habe ich Sie doch enttarnt“, scherzt Thieß Neubert.

Trotzdem – oder gerade deshalb – feiern die Dresdner die exklusiven Postillon-Nachrichtensprecher für ihren Biss und ihren unverblümten, bitterbösen, ja, schwarzen Humor. Im 90-minütigen Programm präsentiert das Duo, jeder hinter einem Podest stehend, absurd-komische Meldungen, aberwitzige Videos, darunter sogar Gag-Reportagen mit dem Titel „Der Postillon deckt auf“, wunderbare Wortspiele (Sportnachrichten, präsentiert vom „Sportillon“) bis hin zu Flachwitzen, verpackt in den populären Kurznachrichten, die immer wieder eingestreut werden, als würde man ein stundenlang dahinköchelndes Gericht auf dem Herd nach und nach würzen. Das sah dann etwa so aus:  „Ähm & Ähms: Stoiber nascht während Rede Schokolinsen“ oder „Einfach mal abschalten: Pfleger genießt die Ruhe auf der Intensivstation“.

Welpen und Kätzchen auf Flüchtlingsbooten

Die vorausgegangene Befürchtung eines eintönigen, gar monotonen Programms wurde an diesem Abend erfreulicherweise zerschlagen, zurückzuführen auf erquickliche Abwechslung. Vorzugsweise zu nennen ist dabei der herrliche Stabreim unter Verwendung des Buchstaben „F“ – der nach Vortragen des erstaunlichen Repertoires gebührend endet mit: „Fresse“. Doch so unterhaltsam die Show auch war, hätte sie wirklich nicht länger dauern dürfen, war man als Zuschauer und -hörer vollends damit beschäftigt, konzentriert den Moderatoren zu folgen, um auch ja keinen derben Witz zu verpassen.

Für Abwechslung sorgten auch Rothäusers und Neuberts Tendenz, brisante wie sensible Themen auf die Schippe zu nehmen, mag es für die Gäste noch so unangenehm sein. Manch bitterböser Scherz löst anstelle eines Applauses lediglich betretene Stille aus. Auf den Vorschlag, Boote für Geflüchtete am Mittelmeer mit flauschigen Hundewelpen und knopfäugigen Kätzchen auszustatten – denn kein Europäer würde ein süßes Tierbaby ohne Weiteres ertrinken lassen, so das Argument – ertönen vereinzelt „Ohs“ und „Uhs“ aus den Zuschauerreihen. Solche Reaktionen, so scheint es, sind sehr wohl mit einkalkuliert. Mag es nun um Geflüchtete, Altersarmut oder die Wiedervereinigung gehen, die beiden machen vor nichts Halt – das erfordert Mumm.

Schade war allerdings, dass dem treuen Leser des „Postillion“ der Großteil der vorgetragenen Scherze bereits aus der Internetplattform bekannt war. Die legendären „BILD“-Parodien, die in der Onlinepräsenz zuhauf vorhanden sind, blieben in der Show hingegen aus.

Von Sabrina Lösch

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