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Regional Bei der Abschlussgala der Humorzone 2018 amüsieren Hochkaräter im Schnelldurchlauf
Nachrichten Kultur Regional Bei der Abschlussgala der Humorzone 2018 amüsieren Hochkaräter im Schnelldurchlauf
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23:58 13.03.2018
Necomerpreisgewinner Simon Stäblein beim Finale der Humorzone 2018.
Necomerpreisgewinner Simon Stäblein beim Finale der Humorzone 2018. Quelle: Amac Garbe
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Wenn das Fernsehen vor Ort ist, dann gelten andere Gesetze als nur bei einer „schnöden Live-Show“. Kein Platz für spontanen Ulk, sondern straffes Programm nach Zeitplan steht auf dem Menü. Schließlich muss am Ende ein telegenes Produkt herauskommen. So kurz wie kurzweilig lief folglich auch die Abschlussgala der Humorzone 2018 ab, die am Sonntagabend im Alten Schlachthof für den MDR aufgezeichnet wurde.

Schirmherr und Moderator Olaf Schubert hat geladen, ein hochkarätiger Querschnitt der deutschen Comedy-Szene ist gekommen. Acht Künstler plus Nachwuchspreisträger plus Special Guest plus Olaf selbst geben sich in eineinhalb Stunden ohne Pause die Klinke in die Hand. Einziges und entscheidendes Manko: Alles wirkt extrem gehetzt. Für Spontanität, Interaktion der Comedians oder sich langsam aufbauende Pointen bleibt leider keine Zeit. Doch die Aussicht auf nahezu alle Spielarten des Humors an einem Abend ist verlockend genug, um für einen ausverkauften Schlachthof zu sorgen.

Den Ritt durch die Comedy-Genres eröffnet der momentan sehr erfolgreiche Chris Tall. Laut, hektisch und sympathisch wie immer erzählt er von seinem persönlichen Kampf mit dem Sport, war doch sein Motto bisher stets: „Runter vom Mofa, ab aufs Sofa.“ Unter witzige Anekdoten vom Fitnesswahn und der Faszination Darts mischen sich aber auch unterirdische Kalauer, zum Beispiel „Im Pferdestall sieht es aus wie bei mir Zuhause – viel Schimmel.“ Das sehr wohlwollende Dresdner Publikum honoriert dennoch jeden Gag mit viel Gelächter und Applaus.

Es bleibt massenkompatibel mit Johann König, der auf seine herrlich kauzige Art von alltäglichen Fehden in der Nachbarschaft erzählt, und mit den weniger zündenden Gags des Berliners Ingmar Stadelmann. Aus der Sparte „Jung und Innovativ“ überzeugen die Comedians Masud und Der Tod auf ganzer Linie. Ersterer ist Iraner mit beeindruckender Haarpracht und wundert sich sehr amüsant über deutsche Redewendungen. Außerdem teilt er sich mit Olaf Schubert dieselbe Agentur und meint trocken: „Die gehen mit Sicherheit nach dem Aussehen.“

Der Tod hingegen muss über seine Pointen gar nicht lange grübeln, sie ergeben sich fast automatisch aus dem genialen Konzept dieser Kunstfigur. Es reicht beispielsweise ein Blick ins Deutsche Bundesreisekostengesetz, wo steht: „Stirbt ein Bediensteter auf einer Dienstreise, so ist seine Reise beendet.“ Doch einen toten von einem lebenden Beamten zu unterscheiden, das sei auch für ihn manchmal unmöglich, sagt Der Tod und hat die Lacher auf seiner Seite.

Das letzte Trio, bestehend aus Jochen Malmsheimer, Matthias Egersdörfer und dem Clown Leo Bassi, bedient schließlich die Rubrik Kabarett und Kleinkunst. Von eloquent formulierter USA-Schelte über deftige bayrische Grantelei bis zur Revolutions-Performance ist alles dabei. Wenn Leo Bassi geschüttelte Cola-Dosen als gelebte Kapitalismuskritik über das Publikum ergießt, kann man sich schon fragen, wo sich da der Witz versteckt. Aber auch hier zeigt sich: Den Künstlern gilt die volle Sympathie des Publikums.

Mit dem Güldenen August 2018 ehrt der gut aufgelegte Olaf Schubert anschließend Simon Stäblein, der den diesjährigen Nachwuchscontest der Humorzone gewonnen hat. Der junge Kölner widmet sich einem frischen Thema, das ihm auch in Zukunft viel humoristischen Stoff bieten wird: der empfindlichen Generation Y. Überforderung, Allergien, Unverträglichkeiten – Stäblein nimmt alle Weh-Wehchen aufs Korn. „In 20 Jahren heißen die Horrorfilme nicht mehr Alien vs. Predator, sondern Lactose vs. Gluten!“, scherzt er.

Warum Special Guest Max Raabe sich für den Abschluss der Gala hergegeben hat, bleibt ein Rätsel. Eine Minute darf er einen eigenen Song anstimmen und dann Tom Jones‘ Hit „Sex Bomb“ gemeinsam mit Olaf Schubert singen. Wieder regiert der Zeitdruck. Doch auch im nächsten Jahr besteht die Chance, die Künstler einmal entspannt in voller Länge genießen zu können. Die Humorzone 2019 findet vom 13. bis 17. März statt.

Von Friederike Ostwald

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