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Regional Beethoven im 5. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden
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14:12 17.12.2019
Christian Thielemann. Quelle: Matthias Creutziger
Dresden

Vor einigen Jahren bescherte Christian Thielemann seinen Wiener Fans zusammen mit den dortigen Philharmonikern schon einmal in dieser Konstellation alle Beethoven-Sinfonien. Nun ist das Projekt in Dresden bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden angekommen und wurde mit Neugier erwartet, wie die ausverkaufte Semperoper bewies – Beethovens Sinfonien, nur diese und nichts dazu, nichts, was von diesem kompositorischen Neuerer und Feuerkopf ablenken könnte. Auf geht’s!

Thielemanns Beethoven hat immer interpretatorisches Gewicht

Die Trias der frühen Sinfonien machte den Anfang. Als Beethoven, bereits 30-jährig, die sinfonische Bühne betrat, klaffte schon eine Lücke von fünf Jahren zu Haydns letzter Sinfonie, war Mozart schon fast ein Jahrzehnt tot. Und vor allem – der inzwischen bürgerliche Musikbetrieb unterschied sich gravierend vom adligen Mäzenatentum früherer Zeiten. Es war also kein Wunder, dass sich Beethovens Sinfonien radikal von Vorgängerwerken unterschieden – strukturell, in ihrem jeweils singulären Status, in ihrem thematischen Reichtum, der oft nur aus einem knappen Gedanken erwächst.

Sehr viel von dieser Radikalität findet sich auch in Christian Thielemanns Auseinandersetzung mit dem Genre wieder, gleich bei den ersten drei Werken. Mit größter Selbstverständlichkeit räumte er im Konzert der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper natürlich zuerst einmal mit dem noch immer vorhandenen Vorurteil auf, dass die „richtige“ Beethoven-Sinfonie erst mit der „Eroica“ anfängt und man die davor liegende „leichte Kost“ eigentlich nicht beachten muss.

Thielemanns Beethoven hat immer interpretatorisches Gewicht, ohne zu erschlagen, von der langsamen Einleitung zur C-Dur-Sinfonie bis zum rasanten, auftrumpfenden Presto-Finale der 3. Sinfonie. Es ist eine hochromantische, sehr individuelle Sicht, die Thielemann Beethoven angedeihen lässt, eine, die Emotionalität zulässt und in der man sich als Hörer geborgen fühlt, ohne sich einlullen zu lassen. Und wie fein bis in alle kompositorischen Verästelungen war das gearbeitet, wie klug kalkuliert in den dynamischen Abstufungen, wie verblüffend immer wieder in den Tempi. Der Gedanke daran, ob es überhaupt ein Detail oder einen Zusammenhang in dem sinfonischen Kosmos gab, die Thielemann nicht beachtet, neu bewertet und erhellt haben könnte, ließ einen nicht mehr los. Da erlauschte man vieles so wie kaum je vorher. Die Staatskapelle trug ihren Chef förmlich auf Händen, reagierte auf den kleinsten Fingerzeig, zauberte mit Farben und klanglicher Variabilität.

Nirgends auch nur ein Hauch von Pathos

Die selbstverständlich vorhandene Leichtigkeit der 1. Sinfonie wurde ganz subtil zum Klingen gebracht. Was für ein delikates Miteinander zwischen Bläsern und Streichern, etwa im Menuetto! Bei seiner differenzierten, vielschichtigen Interpretation der 2. Sinfonie legte Thielemann viel Wert auf die Tatsache, dass diese eben nicht nur heiter ist. Schließlich entstand sie 1802, dem Jahr des „Heiligenstädter Testaments“. Sie hat auch ihre ernsten, kantigen Seiten. In zierlicher, inniger Schönheit entfaltete sich das Larghetto, zog die prächtige Virtuosität des Finales in ihren Bann. Ein einziger großer Spannungsbogen und nirgends auch nur ein Hauch von Pathos.

Schließlich öffnete sich die schroffe, kraftvolle Welt der „Eroica“ mit zwei von Thielemann geradezu inbrünstig zelebrierten Tutti-Schlägen. Der titanenhafte Gestus der Sinfonie, das Kraftvolle gewann hier die Oberhand, ohne dass man sich diesem Zugriff verschließen konnte. Dazu war das Ganze zu aufwühlend. Gleichsam aus dem Nichts heraus formten die Kapelle und Thielemann den Trauermarsch so emotional dicht und facettenreich, wie man ihn lange nicht mehr gehört hat. Langsamkeit kann ein echter Gewinn sein! Johannes Pfeiffers besonders einfühlsame Oboenkantilene in diesem Satz war nur eine seiner herausragenden Leistungen an diesem Tage. Glanzvoll taten sich die Hörner um Robert Langbein im Trio des Scherzos hervor. Als einen einzigen großen Genuss erlebte man die sehr akzentuiert und variabel musizierte „freie“ Variationenfolge im Finale. Daran hatten sämtliche, der förmlich auf der Stuhlkante sitzenden Musiker der Staatskapelle samt Dirigent ihr hörbares Vergnügen.

Wie intensiv die Dresdner Thielemanns Beethoven aufgenommen haben, zeigten nicht nur die durch nichts, auch nicht durch nervöse Hüstelei, gestörte knisternde Spannung während des langen Konzerts, sondern auch die langen Standing Ovations am Ende.

Von Mareile Hanns

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