Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Ausstellung zum 125. Geburtstag des Malers Rudolf Gebhardt aus Dresden
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung zum 125. Geburtstag des Malers Rudolf Gebhardt aus Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:47 27.11.2019
Rudolf Gebhardt: Festspielhaus Hellerau, Radierung, undatiert Quelle: Repro
Anzeige
Dresden

Am 1. September wurde im Hellerauer Bürgerzentrum Waldschänke eine Gedächtnisausstellung zum 125. Geburtstag des Hellerauer Malers und Grafikers Rudolf Gebhardt eröffnet. Der lange und ertragreiche Lebensweg des Malers hatte am 17. August 1894 in einfachen, aber soliden Verhältnissen in Dresden begonnen. Welche Künste auch immer in der Familie gepflegt wurden, die Kunst des Klagens gehörte nicht dazu.

Später bildeten Pirnas Altstadt und die industriell geprägte Elblandschaft bei Heidenau den Hintergrund für seine Kindheits- und Jugendstreifzüge. Zugleich boten sie Motive für sein sich früh entwickelndes Zeichentalent. Rudolf Gebhardt konnte dieses Talent später an der Königlichen Zeichenschule in Dresden ausbilden und in den Jahren 1912/13 an der Dresdner Kunstgewerbeschule vervollkommnen. Hier erwarb er sich auch, wie es hieß, die für sein späteres Werk wesentlich prägenden technischen Kenntnisse.

Reichlich Anlass zu Gerede

Die ungeheure Flut, die mörderische Gewalt des Krieges, der 1914 über Europa hereinbrach, führte zwar zu einer empfindlichen Unterbrechung dieses Lebensweges, konnte jedoch an dessen Ausrichtung auf die Menschenliebe und die Kunst nichts ändern.

Als kunstgewerblicher Zeichner konnte Rudolf Gebhardt für seinen Lebensunterhalt sorgen. Im Jahr 1922 wurde er in Hellerau ansässig, das ihm nicht nur Lebensraum bedeutete, sondern vielfältige geistige Anregungen versprach. Neben dem Broterwerb war dem jungen Maler vor allem an der Fortsetzung seiner kriegsbedingt unterbrochenen Ausbildung gelegen. Er war bis 1925 Meisterschüler bei Alois Kolb in Leipzig, danach famulierte er bei Prof. Guhr in Dresden. Nebenher wuchs die Familie. Doch kaum war 1935 der Atelieranbau vollendet, nahm ihm der Tod die Ehefrau und Mutter seiner sechs Kinder.

Deutlich mehr als zehn Jahre sollten vergehen, bis dem Maler in der Person einer Schülerin ein spätes Glück geschah. Seine zweite Frau Annemarie gehörte zur Generation seiner Kinder, was im konservativen Hellerau zu Beginn der 1950er Jahre reichlich Anlass zu Gerede gab.

Der Künstler zeigte sich davon unberührt, wie er generell unbeeindruckt von öffentlichen Meinungen seinen Weg ging. Das hat ihm manche Schwierigkeit bereitet und nicht nur Freunde eingebracht, vor allem bei den maßgebenden Stellen nicht.

Ehrfurcht vor dem Leben

Auch im Künstlerischen ging Rudolf Gebhardt seinen eigenen Weg. Die unterschiedlichen Strömungen, die seine Zeit mal mehr, mal weniger prägten, gingen ihn nichts an. Geschult an klassischen Auffassungen nahm er u. a. etwa Goethe als Maßstab. Wie jener sah er die Kraft des Künstlers „im Anschauen, im Auffassen eines bedeutenden Ganzen, im Gewahrwerden der Teile, im Gefühl, dass eine Kenntnis, die durchs Studium erlangt wird, nötig sei …“ Sein Leben lang hat er um stilistische Vollkommenheit gerungen. Nach eigenem Bekenntnis war ihm – wie jenem – das „Wie“ wichtiger als das „Was“: „Ein gut gemalter saurer Hering“, schrieb er, „bereitet mehr Genuss, als eine verkitschte Madonna“.

Die Lebenszugewandtheit des Malers spiegelt sich in seinen Porträts aber auch und besonders in seinen Landschaften. Sei es der Muskauer Park, sei es das Elbland, der Prießnitzgrund, das heimische Hellerau oder später das Sauerland – stets spricht die Ehrfurcht vor dem Leben aus den mit fast altmeisterlicher Finesse durchaus auch vor der Natur geschaffenen Werken.

Rudolf Gebhardt: “Meine Mutter” , Öl auf Leinwand (Ausschnitt). Quelle: Libuscha Bambula-Neuhaus

Im Schicksalsjahr 1945 ist eine Reihe von Blättern entstanden, für die der dem Maler befreundete Klotzscher Schriftsteller Walter Focke den Begriff „Lichtlegenden“ prägte. Libuscha Bambula-Neuhaus, die die Ausstellung mit Hingabe und Begeisterung kuratierte, glaubt in ihnen die Spannung zwischen Verzweiflung und Hoffnung, von der die Zeit ja wesentlich bestimmt war, erkennen zu können. Die zart colorierten sparsamen Fantasielandschaften, in denen alles im Vagen bleibt, und die jeweils nur wenige gebeugte Bäume zeigen, die sich gegen den Wind stemmen, erinnern an älterchinesische Aquarelle.

Öffentliche Anerkennung freilich erfuhr Rudolf Gebhardt auch nach dem Kriege kaum. Immerhin hatte die Genossenschaft „Kunst der Zeit“ stets Arbeiten von ihm vorrätig, die auch gern angenommen wurden. Für die großen Kunstausstellungen wurde er freilich ausjuriert, nur einmal, in späten Jahren, wurde er zu einer Bezirkskunstausstellung zugelassen, bevor sich sein Lebensweg im Dezember 1985 vollendete.

Dennoch war in der Hellerauer Bürgerschaft im Laufe der Zeit auch ein wenig der Stolz gewachsen, der Stolz auf ihren Maler. Wiederholt fanden Atelierführungen statt, bei denen er seinen Besuchern mit Achtung und Würde entgegentrat. Zugleich erwartete er von ihnen nicht nur stumme Teilnahme sondern aktives Sehen, oder, wie Goethe gesagt hätte, Anschauung.

bis 13. Dezember, Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau, Am Grünen Zipfel 2, geöffnet Mo 17–19 und Mi 10–12 Uhr sowie zu Veranstaltungen oder nach Vereinbarung unter Tel. 0351-795 39811

Von Thomas Gerlach

Der Deutsch-Franzose Alfons, bekannt als Reporter mit einem Puschel-Mikro, gastierte mit seinem Programm „Jetzt noch deutscherer“ im Dresdner Boulevardtheater. Darin räumt er mit Klischees auf und outet sich auch als bekennenden Europäer.

27.11.2019

Übernahme statt Aufstand, Spiel statt Utopie: Mit „Freundliche Übernahme“ unterstützt das Chemnitzer Schauspielhaus das lokale Festival „Aufstand der Utopien“.

27.11.2019

Das Kunsthaus Dresden untersucht mit drei Ausstellungen das Phänomen des „Verschwindens der Mittelschicht – so heißt die Dauerausstellung. „Indian(er) Jones I-V (… it belongs in a museum)“ ist die Personalshow der österreichischen Künstlerin Lisl Ponger, außerdem wird die internationale Gruppenschau „Lost Horizons“ präsentiert.

26.11.2019