Ausstellung in Dresden Schwarzweißfotografie von Frank Hruschka in der p66.gallery
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Regional Schwarzweißfotografie von Frank Hruschka in der p66.gallery
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08:04 08.02.2020
Frank Hruschka Ohne Titel, Silbergelatineabzug auf Barytpapier Quelle: Frank Hruschka
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Dresden

Das Medium Fotografie stellt eine Ausnahme im Werk des auf Malerei und Handzeichnung spezialisierten Künstlers dar. Die raren Arbeiten zeugen von einer tiefen künstlerischen Seherfahrung Frank Hruschkas und dessen souveränem Umgang mit Hell-Dunkelkontrasten in natürlichen Lichtverhältnissen. Einen Großteil der analogen Schwarzweißaufnahmen hatte der 1961 in Dresden Geborene noch bis zu Beginn der 2000er Jahre selbst entwickelt.

Nach einer Ausbildung im Bereich der Metallverarbeitung und einer Tätigkeit im Werkzeugbau war er zunächst als Betriebshandwerker für die Innere Mission der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Radebeul tätig. Seit den 1990er Jahren ist Frank Hruschka freischaffender Künstler und Kurator. Er zählte 1999 zu den Mitbegründern der Produzentengalerie Oberlicht in Radebeul.

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Arbeiten des Künstlers befinden sich in Unternehmenssammlungen von Farbherstellern und Künstlerbedarfsvertrieben wie Nerchau und Gerstaecker, für die er als Farbentwickler und Kurator verantwortlich zeichnete. Bis zu seinem Tod im November des Jahres 2019 fungierte Frank Hruschka als Produktgestalter für den Porzellanhersteller Mahlwerck in Tschechien. Seine Arbeiten wurden insbesondere in Dresden im Kunst- und Kulturverein Alten Feuerwache Loschwitz, der Galerie am Blauen Wunder sowie im sächsischen Schloss Batzdorf gezeigt.

Eine Fotolaboreinrichtung besaß Frank Hruschka zum Zeitpunkt der Ausstellungsplanung für die p66.gallery nicht mehr, aber es existiert eine Serie schwarzweißer teils von ihm entwickelter Abzüge auf Barytpapier. Grundlage waren Aufnahmen, die im Kleinbildformat mit einer analogen Spiegelreflexkamera während seines Aufenthaltes auf Kuba und Trinidad entstanden waren.

Fokus auf extremen Hell-Dunkel-Kontrasten

Auf Einladung einer kubanischen Künstlerin und Galeristin bereist Frank Hruschka im Januar 2002 für zwanzig Tage gemeinsam mit einer Gruppe von Künstlern aus Dresden und Radebeul den karibischen Inselstaat. Sie sind Gäste des lateinamerikanischen Literaturfestivals in Havanna. Ihre zuvor in Dresden und Radebeul geschaffenen Bilder finden in der Ausstellung der Abschlussveranstaltung eine positive Resonanz.

Ob der auf ihn einströmenden visuellen Reize des veränderten Lichts, der Strukturen und Texturen von Natur und Architektur, aber auch der Vielfalt der Nationalitäten entscheidet sich Hruschka spontan gegen das Medium der Zeichnung und fotografiert fortan. Seine Aneignung des für ihn neuen Terrains ist nicht die eines Routiniers. Kontakte zu Einheimischen werden mittels Dolmetscher oder eigener behutsamer Annäherung gebahnt. Der Künstler erlebt die Hauptstadt des ehemaligen sozialistischen Bruderstaates der DDR zwölf Jahre nach dem geopolitischen Wandel. Der Niedergang des sozialistischen Ostblocks und der Sowjetunion hat das Land unter dem Castro-Regime in eine schwere und langwierige Wirtschaftskrise geführt.

Hruschka beobachtet zunächst in größerer Distanz das Leben der Menschen, die ihm auf seinen Streifzügen durch die Stadt begegnen, er verweilt am Malecon, der acht Kilometer langen Uferstraße, deren Betonbrüstung bei stürmischer Wetterlage vom Atlantik überschwemmt wird, wobei die salzige Gischt die poröse Fahrbahn flutet. In nahezu allen seinen Arbeiten liegt der Fokus auf extremen Hell-Dunkel-Kontrasten. Er verstärkt sie durch Fotopapiere harter Gradation und arbeitet ausschließlich in natürlicher, meist gedämpfter abendlicher Lichtstimmung.

Dem morbiden Charme einstiger Kolonialbauten und den Automobilen aus der Zeit vor der kubanischen Revolution begegnet man auch bei ihm. Wie in künstlicher Low-Key-Beleuchtung eines Film-noir-Sets taucht der Portikus eines von innen erleuchteten Hauses aus dem Dunkel der Nacht als einzige Lichtquelle einer Straßenszenerie vor uns auf. Im Widerschein der Karosserie einer Limousine wird bei intensiverer Betrachtung das Ornament eines Zaunes im Bildvordergrund differenzierbar.

Sensibilität für die Situation der Menschen

Während die menschenleere nächtliche Szene möglicherweise eine Spannung, ja Erwartungshaltung erweckt, konfrontiert Hruschka in anderen Aufnahmen mit der Tristesse und Realität des sozialistischen Realismus. Ein Portrait Fidel Castros ziert den hölzernen Einbau in einem sonst nüchternen Gebäudeinnern. Wir sehen durch ein Schaufenster in einen hell erleuchteten Raum, ob Verkaufsraum oder Behörde ist trotz Registrierkasse und Wartezimmerbank nicht zu entscheiden. Angesichts Warenmangels und reduzierter Ausstattung haftet jeglichem öffentlichen Gebäude der Amtscharakter längst vergangener Zeiten an.

Mit einer Könnerschaft, die nachträgliche Bearbeitung wie Korrekturen und längeres Nachbelichten oder Abwedeln im Labor obsolet machen, gelingt Frank Hruschka die Festlegung des jeweiligen Bild-Ausschnitts meist innerhalb der ersten Aufnahme. Sein Kompositionsvermögen, gepaart mit einer Sensibilität für die Situation der Menschen eines Landes, dessen Agonie nicht länger verborgen bleibt, lässt vor unseren Augen in scheinbar unprätentiösen Sujets, enigmatische aber auch nachdenkliche Subtexte erstehen.

Ausstellung „Kuba“ bis 29. Februar, p66.gallery, Plattleite 66, 01324 Dresden, Öffnungszeiten nach Vereinbarung www .p66.gallery

Von Katharina Arlt