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Regional Ölbilder von Reinhard Springer im Zahnärztehaus Dresden
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17:31 19.02.2020
Repros Ölgemälde Reinhard Springer für ZÄHaus-Ausstellung Landschaften Reinhard Springer: Fischland 1, 2008, Öl auf Leinwand, 50 x 70 cm. Quelle: RAW Ralf Woehling
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Dresden

Unter dem Titel „Die Landschaften“ zeigt das Zahnärztehaus Dresden 23 Ölbilder des Malers und Grafikers Reinhard Springer (geb. 1953 in Dresden). Dabei handelt es sich um eine Werkauswahl mit Motiven vom Meer (Ost- und Nordsee), der Elbaue, dem Gebergrund und der Sächsischen Schweiz sowie von einigen Stadtlandschaften (Dresdner Neustadt) und historischen Architekturmotiven (Altes Rittergut bei Lungkwitz). Der Künstler zielt nicht auf topografische Genauigkeit, vielmehr fließt das Eigene ins Bild leicht abstrahiert und stimmungsgefärbt ein.

Der Wunsch, Maler zu werden, war übermächtig

Zwei Höhepunkte der Ausstellung sind das frühlingshaft heitere Ölbild „Gebergrund“ XI (2013) und die düster-herbe, spätwinterliche „Rügenlandschaft 13“. An sich totale Gegensätze, offenbaren sich in ihnen Spannbreite und Flexibilität von Springers Kunst. Herbst und Frühjahr spiegeln sich in den verschiedenen Gebergrundmotiven mit ihrem Kirschblütenweiß, Gelb und Grün, ihren Farbturbulenzen, aber auch, wie sie mit der magischen Kraft des Filigranen zum Menschen sprechen. In der Behandlung von Farbe und Form entwickelt Springer auf vielfältige Weise den jeweiligen Eindruck, die gegenseitige Durchdringung von Fläche und Lineatur, den dem Impressionismus des Lichts abgerungenen spirituellen Charakter der jeweiligen Landschaft in einem bestimmten Augenblick zu einer bestimmten Jahreszeit.

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Als Kind begegnete Reinhard Springer am Klosterteichplatz nach quälenden Schulstunden dem Maler Bernhard Kretzschmar, sah er A.R. Penck mit Feder und Tusche einen Gemüseladen zeichnen und Siegfried Klotz Landschaft skizzieren. Springers Noten in Kunsterziehung waren immer die besten. Der Wunsch, Maler zu werden, wurde schließlich übermächtig. So bewarb er sich an der HfBK Dresden und fiel zunächst durch. Eigentlich hatte er Musik (Trompete) studieren wollen, änderte aber seine Absicht zugunsten der Malerei, sehr zum Verdruss seiner Lehrer.

Zum Studium wurde er schließlich zugelassen, studierte bei Prof. Gerhard Kettner Malerei und Grafik. Er bat seinen Lehrer, das Studium für ein Diakonisches Jahr im Katharinenhof von Großhennersdorf zur Pflege und Betreuung geistig und seelisch Behinderter unterbrechen zu dürfen. Kettner hatte dafür Verständnis. Dieser besondere Einschnitt auf dem Weg zur Kunst wirkt bis heute nach. Themen wie existenzielle Not, Krankheit, Behinderung und Tod wurden für Springer plötzlich wichtig. Er hält sie seitdem in berührenden Bildern fest. Später entstand seine inzwischen berühmte Bilderfolge von Behinderten in verschiedenen grafischen Techniken, besonders Aquatinten, Ätzungen und Kaltnadeln, aber auch die „Homeless-Serie“, die sich mit allen Arten von Ausgegrenztsein und Obdachlosigkeit beschäftigt.

Schlüsselbegegnung mit dem Meer

Springers Urerlebnis, das Meer, das er als Neunjähriger während eines Ferienlageraufenthaltes auf Fischland Darß entdeckte, war wie eine Initiation in die Kunst. Seitdem zieht es ihn immer wieder dorthin, mit Freunden, der Familie oder allein. Die Beobachtung der Küstenlinie, des weiten Himmels und der Wolken, manchmal auch der Vegetation am Strand, oft menschenleer und einsam, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, immer wieder das Motiv vertiefend, erzeugt eine rätselhafte Schichtung von geistigen Ebenen im jeweiligen Bild, deren Spiritualität in die Tiefe reicht.

Das ganze Bild ist davon erfüllt, jedes Detail spricht davon, wirkt im Ganzen mit anderen zusammen, erzeugt einen vielstimmigen orchestralen Klang. Neben dem Meer war das Erlebnis des Körpers des kranken Menschen für Springer für seine subtile Figürlichkeit entscheidend. Es stand in seiner Malerei und Grafik am Anfang und hatte Einfluss auf seine Auffassung von Landschaft, wie man es an den Bildern mit Felsformationen der Sächsischen Schweiz ablesen kann, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind.

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Landschaft und menschliche Figur wurden parallel und nicht als Gegensätze entwickelt. Um das Jahr 2013 war Reinhard Springer öfter in der Sächsischen Schweiz, malte und zeichnete vor Ort. Dort entstand eine umfangreiche Serie zum Thema Fels und Gebirge. Das ganze Gebirge hat in seiner Beinahe-Figürlichkeit etwas Trollhaft-Nordisches, wie denn auch der Norden Europas Springer immer wieder anzieht und fasziniert. Norwegen und Island werden als nächste Reiseziele anvisiert.

In den Behinderten-Bildern deutete sich bereits an, dass auch der Körper der Versehrten eine geheime Schönheit birgt, die mit dem Bizarren des Landschaftlichen vergleichbar ist und aus dem Verlust und der Gebrechlichkeit kommt. Das Tragische und das Schöne sind in einer besonderen Tiefe miteinander verbunden. Diese emotionale Urgewalt macht die Bilder von Springer echt und wahr, gleichsam das Seelische herausarbeitend, das sich als die existenzielle Essenz des Landschaftlichen darstellt.

bis 1. März. Zahnärztehaus Dresden, Schützenhöhe 11. Tel. 0351/8066-275 www.zahnaerzte-in-sachsen.de

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