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Regional Ausgekuppelt – 1001 Märchen verlassen die Yenidze in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Ausgekuppelt – 1001 Märchen verlassen die Yenidze in Dresden
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13:46 10.10.2019
Die Temperaturen unter der Kuppel sorgen dafür, dass Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

„Da kann man vielleicht mal ,Die Regentrude’ geben.“ Er klingt nicht süffisant, dieser Satz. Eher wie die ironische Umschreibung eines Dilemmas, das mit Regen und Hitze zwar nicht sonderlich dramatisch klingt, in der Konsequenz aber das Ende eines einzigartigen Kunstortes in Dresden bedeutet: der Kuppel der Yenidze.

Veranstaltungsabsagen wegen Hitze und Regen

Dort werden seit 1997 Märchen vorgetragen, meist orientalische, aber auch aus anderen entfernten Ecken der Welt, von Australien bis Afrika, oft musikalisch und tänzerisch passend begleitet. Mehr als 300.000 Besucher, mehr Erwachsene als Kinder, seien in dieser Zeit gezählt worden, sagt Rainer Petrovsky. Am Mittwoch aber wurde klar, dass sich diese Zeit endgültig ihrem Ende zuneigt. Am 21. März 2020 wird die letzte Märchenlesung unter dem einzigartigen farbigen Glasdach über die kleine Bühne gehen. „Wir nehmen noch die Lange Nacht der Theater am 14. März mit“, fügt Petrovsky an. Dann aber ist Schluss.

Kein Grund zur Freude für Geschäftsführer Rainer Petrovsky: Am 21. März 2020 wird die letzte Märchenlesung unter dem einzigartigen farbigen Glasdach der Yenidze über die kleine Bühne gehen. Quelle: Anja Schneider

Denn die besagte Witterung macht es Petrovsky und seiner Mannschaft der 1001 Märchen GmbH mehr und mehr unmöglich, fürs Publikum adäquat liefern zu können. „Wenn draußen 30 Grad sind, haben wir drinnen unter der Kuppel 42 Grad“, erzählt er. Und man spürt es sofort, selbst an einem Tag mit milder Herbstsonne wie am Mittwoch, das aufgeheizte Mikroklima unter dem spitz zulaufenden Glasdach. Ein paar wenige kleine offene Klappen sind die ganze Belüftungsherrlichkeit.

Die Temperaturen sorgen dafür, dass Veranstaltungen abgesagt werden müssen. Waren es im 2009 im April, Mai und September noch zehn Termine, die ausfielen, kam man in den selben drei Monaten 2019 schon auf 38. Das führt natürlich zu erheblichen ökonomischen Einbußen.

Dazu gesellt sich, besonders im Herbst und Winter, die Nässe. Der Regen rinnt durchs Dach – der Kitt ist porös, der Stahl rostig – und mittlerweile selbst durch das darunter hängende Fallschirm-Zelt, das Bühne und Publikum überspannt.

Hoffnung auf Fortsetzung am Körnerplatz

Die Entscheidung habe man sich alles andere als leicht gemacht, sagt der Geschäftsführer. Die fünf Gesellschafter fällten den entsprechenden Beschluss am Montag einstimmig. Auch deshalb, weil sich schon seit Jahren von Vermieterseite (EB Immobilienmanagement Berlin) wenig bis nichts tut. „Es gab da Bestrebungen, aber das führte zu keinem guten Ergebnis.“ Als blieb nach 23 Jahren nur die Reißleine.

Und nun? Petrovsky weiß um die Einzigartigkeit des Ortes, den er mit seiner Mannschaft im kommenden Frühjahr verlassen wird. Doch will er die Hoffnung andererseits nicht aufgeben, dass sich in Dresden ein anderer Platz findet, an dem diese Geschichte des Märchenerzählens ihre Fortsetzung findet. Einen Ort hat er schon genauer ins Auge gefasst: das Bräustübl am Körnerplatz, das seit anderthalb Jahren leer steht.

„Wir sind einer von etwa 20 Bewerbern dafür“, schiebt Petrovsky einordnend hinterher. Aber auch: „Wir sind eine einmalige Institution in Europa, wir rechnen uns deshalb durchaus Chancen aus.“ Kulturbürgermeistern Annekatrin Klepsch (Die Linke) habe ihrerseits Unterstützung signalisiert und wolle in dieser Sache auch ans Ortsamt Loschwitz schreiben. Sollte der Umzug klappen, würde der Neustart unweit des Blauen Wunders aber nicht vor Ende 2020 oder Anfang 2021 vollzogen.

Was über den Yenidze-Kuppel-Betrieb bis März 2020 hinaus auf jeden Fall bleiben wird, sind die Veranstaltungsreihen, die Petrovsky mit der 1001 Philalethes Veranstaltungs-UG, einer Tochtergesellschaft der 1001 Märchen GmbH, auf Schloss Weesenstein und mittlerweile auch auf der Festung Königstein organisiert. Er hoffe, auf Schloss Moritzburg gleichfalls Fuß zu fassen. Dazu sei man noch in Gesprächen.

www.1001maerchen.de

Von Torsten Klaus

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