Aus Dresden restituiertes Gemälde „Bildnis einer Dame als Pomona“ wird versteigert
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Aus Dresden restituiertes Gemälde „Bildnis einer Dame als Pomona“ wird versteigert

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19:54 09.12.2021
Nicolas de Largillierres „Bildnis einer Dame als Pomona“
Nicolas de Largillierres „Bildnis einer Dame als Pomona“ Quelle: Skd, Elke Estel/ Hans-Peter Klut
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Dresden/Paris

Die Zahlen gehen auseinander, der Eindruck bleibt. Die Arbeit des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg (ERR) unter Leitung von Alfred Ernst Rosenberg war ein kaum verschleierter und durchorganisierter Kunstraub zwischen 1940 und 1944. Die Nazis beschlagnahmten und plünderten Kunstwerke und ähnliche Objekte in großem Umfang, vor allem von Juden. Laut Datenbank der Webseite errproject.org waren es mehr als 40.000 Objekte, andere Quellen verweisen auf etwa 21.000.

Verkaufspreis von 1 bis 1,5 Millionen Dollar erwartet

In Dresden führte eine ab 2011 geführte Provenienzrecherche dazu, dass ein damals vom ERR gestohlenes Gemälde als solches identifiziert und Erbberechtigte ermittelt werden konnten: das „Bildnis einer Dame als Pomona“, das Nicolas de Largillière 1710-1714 malte. Jahre später meldete sich Pauline Baer de Pérignon bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Sie ist die Urenkelin des jüdischen Bankiers und Sammlers Jules Strauss. Das Gemälde wurde vor einigen Monaten restituiert. Es zeigt eine als Göttin der Baumfrüchte verkleidete Dame in einer Szene aus Ovids Metamorphosen.

Mit dem Weg des Bildes zurück nach Paris war es aber nicht getan. Das Auktionshaus Sotheby’s in New York kündigte nun das „Bildnis einer Dame als Pomona“ als einen der Höhepunkte einer Versteigerung an, die am 27. Januar stattfinden soll. Der Termin liegt ziemlich genau ein Jahr nach der Nachricht, dass das Bild an die Erben restituiert wird. Der geschätzte Verkaufspreis liegt laut Sotheby’s bei 1 bis 1,5 Millionen Dollar (etwa 880.000 bis 1,32 Millionen Euro). Das Auktionshaus spricht in diesem Zusammenhang von einem „Meisterwerk“.

Dresden bemühte sich vorab vergeblich um Kauf

Die SKD hatten sich vorab um den Erwerb des Gemäldes bei der Erbengemeinschaft bemüht, wie aus einer Mailantwort auf eine entsprechende DNN-Anfrage hervorgeht. Diese Verhandlungen seien aber nicht erfolgreich gewesen. „Deshalb werden die SKD bei der Auktion weder direkt noch indirekt mitbieten“, hieß es abschließend mit Verweis auf die anstehende Versteigerung in New York.

Strauss galt als Sammler holländischer und flämischer Meister sowie der französischen Malerei des 18. Jahrhunderts. Er war aber auch den Impressionisten zugetan und soll zu Lebzeiten mehr als 150 Gemälde besessen haben, darunter Arbeiten von Manet, Cézanne, Degas, Renoir und Gauguin.

Largillières Bild war unter den Werken von Strauss’ Kunstkollektion, die der Sammler unter dem Druck der deutschen Besatzung verkaufen musste. 1941 soll es die Deutsche Reichsbank über Margot Jansson erworben haben. Bei Kriegsende lag es in einem Berliner Tresor. Später kam es in die Verwaltung des DDR-Finanzministeriums und von dort 1953 zunächst in die Berliner Nationalgalerie. 1959 schließlich wurde das Bild Teil der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister.

Jules Strauss starb schon 1943 in Paris, mit 81 Jahren.

Von Torsten Klaus