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Regional Arbeiten von Michael Lauterjung in der Kunstausstellung Kühl
Nachrichten Kultur Regional Arbeiten von Michael Lauterjung in der Kunstausstellung Kühl
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21:00 08.10.2019
Michael Lauterjung: Weizen. Acryl, Lack, Leinwand, Öl auf Holz, 2018 Quelle: Repro: Galerie
Dresden

Vordergründig handelt es sich in der, in der Kunstausstellung Kühl gezeigten Ausstellung „Die Wucht der Ordnung“ um Stillleben. Freilich sollte man sich bei den Bildern Michael Lauterjungs (geb. 1959 in Stuttgart) nicht zu sehr auf das klassische Sujet festlegen. Die Erscheinungsweise seiner Werke macht klar, dass es noch um etwas anderes als das zu feiernde Objekt geht. Gegenstände – Porzellanschalen oder -tassen etwa, hier vor allem aber Früchte – scheinen vor farbigem Bildhintergrund zu schweben. Sie werfen zwar feine Schatten ins Umfeld, finden aber eigentlich keinen Stand beziehungsweise Halt. Der Betrachter muss fürchten, dass etwa die Glasschale mit den schwarzen Johannisbeeren oder das Glas mit den reifen Pflaumen, die der Künstler leicht ironisch „Akrobaten“ nennt (beides von 2019), gleich aus dem Bild fallen könnten.

Freude am Gegenstand

Bedeutsam an diesem Umstand ist, dass es in diesem Fall immer noch ein Bild wäre. Das ist durchaus kein Zufall. Denn Michael Lauterjung kommt von der informellen Malerei her. Während seines Studiums in Stuttgart, unter anderen bei Rudolf Heagele (1981–1985), der seinerseits beispielsweise von Jean Dubuffet inspiriert war, standen die Bedeutung von Materialität, Farbkomposition, Fläche und Struktur in der Malerei im Zentrum. Dies alles ist in den informellen Gründen von Lauterjungs Tafelbildern noch präsent. Manchmal erscheinen diese fast monochrom. Oft zeigen sie auch streifenartige Partien, mal glänzend, mal stumpf, mal breiter, mal schmaler. Zugrunde liegen immer mehrere malerische Schichten, wobei oft auf Acryl Ölfarbe, aber auch Lacke folgen. Manchmal wird über den hölzernen oder ähnlichen Bildträger zudem partiell noch Leinwand gezogen.

Durch die mehrstufige Vorbereitung und Bearbeitung der Gründe scheinen im fertigen Bild immer auch untere Farbschichten kontrastierend durch. Die Bildflächen sind so sehr lebendig. Verstärkt wird dies oft durch zusätzliche Eingriffe mit harten Werkzeugen wie einem Schraubenzieher in die Malhaut, mit denen linienhaft in unterschiedlicher Breite die unteren Farbschichten hervor geholt werden. Manchmal wird aber auch ein Streifen aufgesetzt, um eine farbliche Verbindung zu den Gegenständen auf dem Bild herzustellen.

Seine Freude am Gegenstand, seien es Hemden, Geschirrteile oder Früchte, hat der seit 2007 nahe Rostock lebende Künstler vor etwa 25 Jahren entdeckt. Sie entfalten ihre Anziehungskraft für den Betrachter, indem sie in einer Art Superrealismus und oft auch überdimensioniert einen malerischen Gegensatz zu den Gründen bilden. Eine „Einzelne Himbeere“ (2019) kann da schon die Dimension einer kleinen Melone annehmen. Mit Bewunderung, ob des malerischen Feingefühls für das Setzen von Lichtpunkten, steht man vor den wie poliert erscheinenden Pflaumen oder Weinbeeren. Auch die Orangenschale im „Orangenhain“ (2019) zeigt wunderbaren Glanz. Dass bei solcher Überdimensionierung – etwa bei den roten Johannisbeeren – selbst die Rückstände der Blüten nicht vergessen werden dürfen, ist wohl klar. Welch eine Feinmalerei!

Klarheit der Bilder

Aus der Verbindung der Untergründe mit ihrer eigenen malerischen Qualität und den ebenso von einer eigenen, anderen malerischen Qualität getragenen Darstellungen von Früchten und Gegenständen erwächst wohl die besondere Magie der Bilder. Lauterjung schafft etwas, das man so noch nicht gesehen hat, und das ganz in unsere Zeit passt mit seiner gewissen Kühle und Sachlichkeit. Die Klarheit der Bilder mit ihren zentral platzierten Gegenständen begründet offensichtlich auch einen Ausstellungstitel wie „Die Wucht der Ordnung“.

Michael Lauterjungs Malerei passt sich auf ihre Art ein in die Beantwortung der Frage, wie diese heute aussehen kann. Und man spürt, dass der Künstler sich durchaus bewusst ist, auf vielen bedeutenden Schultern zu stehen. So wirken bei manchen Bildern die Gründe im Ton fast altmeisterlich, niederländisch. Zu denken ist etwa an den „Grünen Spargel“ von 2018, „Die andere Hälfte“ (2018), es geht um eine halbe Zitrone, oder „Die kleine Brombeere“ (2019). Und das Stück „Butter“ (2019) in seinem „goldenen“ Papier nimmt die Kostbarkeiten vergangener – „goldener“ – Zeiten in den Blick. Richtig kostbar, ja sogar mit einem religiösen Touch erscheint ihrerseits die Weizenähre von „Ähre, wem Ehre gebührt“ (2019), die vor rotem Grund schwebt.

Michael Lauterjungs Bilder sind ein Beispiel für die Kreativität von Zeitgenossen, die der Malerei als künstlerischer Disziplin neue Akzente hinzufügen und damit den Beweis antreten, dass diese auch heute möglich ist – ganz entgegen der eigenartigen Attitüde, die die Malerei für tot erklärt hatte. Es bleibt wohl auch diesbezüglich immer die Frage nach dem Wie.

bis 12. Oktober,Nordstr. 5, geöffnet Mi–Fr 11 bis 19, Sa 11 bis 16 Uhr

www.kunstausstellung-kuehl.de

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