Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Antje Guske zeigt ihre Werke in der Produzentengalerie Dresden
Nachrichten Kultur Regional Antje Guske zeigt ihre Werke in der Produzentengalerie Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:26 23.11.2019
Antje Guske: Fenster, Pastell auf Hartfaser, 2019 (Ausschnitt). Quelle: Antje Guske
Dresden

Mit gekonnt inszenierten Objekten, leuchtender Farbigkeit oder irritierenden Brechungen ziehen die Arbeiten von Antje Guske den Betrachter in ihren Bann und erzeugen einen Zustand zwischen Raum und Zeit. Ein Sonnenstrahl am Firmament, ein Farbschimmer vor einem Fenster oder die hölzerne Kraft eines alten Portals können Impressionen sein, die beiläufig unser Leben berühren.

Dazwischen in Raum und Zeit

Es sind flüchtige Momente, die das Wesen der Dinge aufscheinen lassen und im gleichen Augenblick verschwinden, um nur noch Fragmente der Erinnerung zu sein, die im Laufe der Zeit immer mehr verblassen. Was ist das, was bleibt? Was hinterlassen alltägliche Eindrücke und wie hält man sie fest?

Inspiriert durch Natur- und Weltbeobachtung spürt die Künstlerin diesen Fragen im Alltag nach und sie sucht nach Bildern, die sich für einen Moment verfestigen und nach dem, was sich unser inneres Auge einprägt. Sie komponiert Werke, die in linearer Stringenz und durch geometrische Vereinfachung die Essenz des Erlebten unterstreichen. Es sind Objekte, die weder das Alltägliche und Gesehene in realistischer Weise darstellen noch sind es zur Abstraktion gesteigerte Ideen der Erinnerung. Es sind vielmehr Kunstwerke, die das Dazwischen abbilden – ein Dazwischen in Raum und Zeit. Ein Moment, der das Gesehene gerade im Augenwinkel verliert, aber einen Odem des Einzigartigen, das Flirren der Farben und Formen noch präsent zeigt.

„Every memory will be lost in time“ – mit diesem abgewandelten Filmzitat, einer zentralen Sequenz aus „Blade Runner“ (1982), deutet die Künstlerin eine weitere Ebene ihrer Arbeiten. Es ist die generelle Vergänglichkeit von allem. Damit ist nicht nur die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und des Erlebten angedeutet, sondern auch das Verschwinden der Erinnerung selbst.

Die Arbeiten von Guske setzen sich explizit mit dieser Thematik auseinander. Sie streicht Wahrnehmungen, filtert Gesehenes und reduziert das Dargestellte auf die Frage, „Was bleibt?“. Ihr Werk wirkt dabei weder dystopisch oder melancholisch noch stellt sie eine klassische Vanitas- oder Memento mori- Thematik in den Raum. Vielmehr sucht sie nach Wegen, das Intersubjektive in einer Form zu binden.

Nicht Vergangenheit, nicht Zukunft, aber auch nicht Gegenwart

Ihr Œuvre stellt den Versuch dar, die Flüchtigkeit der Eindrücke zu fassen und das zu zeigen, was schwer oder unmöglich festzuhalten ist – das Flirren des Sonnenuntergangs am Firmament (Bogen 2017), oder ein Regenschauer und die aufgeladene Luft nach einem Gewitter (Regen 2019). Der Regen lässt für eine Weile die Welt verschwommen und unklar erscheinen. Die Wahrnehmung ist gebrochen und durch einen fließenden Schleier verhüllt. Zugleich steigen vom Dunst gelöste Duftmoleküle auf, die mit den anderen Sinneseindrücken verbunden eine Erinnerung an den Regen konstruieren. Ist es das, was vom Moment bleibt?

Damit ist ein weiterer Aspekt in den Werken angeführt, der für ihr Schaffen essenziell erscheint – Zeit. Guskes Arbeiten zeigen zum Teil einen flüchtigen Augenblick oder Zeitpunkt, der zu einem Zeitverlauf gedehnt wird und letztlich nach der Ewigkeit greift. Die Bildhauerin versucht in ihren Arbeiten diesen dimensionalen Fragen nachzugehen und das Bleibende der Zeit einzufangen. Sie bietet dem Betrachter geschliffene Perspektiven, in denen er sich in der Zeit verlieren und in Farben, Gerüche und Bewegungen eintauchen kann.

Das ist ein Eintauchen in eine Zwischenwelt; nicht Vergangenheit, nicht Zukunft, aber auch nicht Gegenwart. Es ist ein Dazwischen – zwischen Raum und Zeit – als wäre die Zeit und der Kairos für einen Augenblick greifbar und festzuhalten. Ihre Werke verbreiten damit einen Hauch von Ewigkeit, der nicht durch die Materialität zu definieren ist, sondern durch das Objekt der Darstellung selbst.

Guskes Werke zeigen Ambivalenzen der Wahrnehmung auf. Sie irritieren jedoch nur auf den ersten Blick und gehen mit den Betrachtern einen Dialog ein. Darüber hinaus forschen ihre Arbeiten nach dem Dazwischen, nach dem, was von den beiläufigen Momenten übrig bleibt und fragen nach dem Bleibenden in der Zeit. Somit stehen sie für das Flüchtige und Vergängliche ebenso wie für den kleinen Funken der Ewigkeit, der bleibt. Der bleibt?

bis 14. Dezember, Wallgäßchen 1, geöffnet Mi-Fr 14-19, Sa 11-16 Uhr

www.produzenten.net

Von Michael Wächter

Das Theater Junge Generation zeigt am heutigen Sonnabend die Premiere „Pluck“. Jos van Kan führt Regie bei der Familieninszenierung für Menschen ab sechs und beantwortet den DNN vorab einige Fragen zu Stück und Inszenierung.

23.11.2019

Beethoven und die Neue Musik – viele „Schnittpunkte“ möchte Sinfonietta Dresden in ihrer neuen Konzertreihe entdecken. Die erste Ausgabe gab es am Mittwoch in der Dresdner Musikhochschule zu erleben und steckte voller musikalischer Überraschungen.

22.11.2019

1961 öffnete die Herkuleskeule seine Pforten. Seitdem feierten 59 Programme auf der Bühne Erfolg. Jetzt steht ein besonderes Jubiläum an.

22.11.2019