Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Energiegeladene Parodien: Anna Mateur und Nicolas Mahler eröffnen Festival „Literatur Jetzt!“
Nachrichten Kultur Regional Energiegeladene Parodien: Anna Mateur und Nicolas Mahler eröffnen Festival „Literatur Jetzt!“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:45 27.09.2019
Anna Mateur Quelle: David Campesino
Dresden

Was schrägen Humor mit Tiefgang betrifft, erweisen sich die beiden als Geistesverwandte. Anna Mateur, die Dresdner Sängerin, und Nicolas Mahler, der Wiener Comiczeichner, haben das Publikum zur Eröffnung des Festivals „Literatur Jetzt!“ im Zentralwerk in Dresden-Pieschen begeistert. Das bietet noch bis Sonntag ein Podium für den Auftritt von Schriftstellern mit ihren Prosawerken und Lesebühnen-Autoren, Literatur als Show oder Revue sowie am Sonntag ein Extraprogramm mit Büchern für Kinder.

Nicolas Mahler Quelle: Archiv

Vom geheimen Wunsch, sich von einem Mann essen zu lassen

Anna Mateurs energiegeladene Songs lassen keinen kalt. Mit reichlich Erotik in der Stimme singt sie vom geheimen Wunsch, sich von einem Mann essen zu lassen. „Ich habe zehn Kilo zugenommen. Ich hoffe, du wirst satt.“ Sie verspricht als Anbieterin von Telefonsex garantierten Erfolg, wenn der Anrufer Worte wie „Doppelhaushälfte“, „Bausparvertrag“ oder „Einkommenssteuervorauszahlung“ ausspricht. Sie preist den „Chocolate Jesus“ von Tom Waits und erzählt in einer Ballade eine dramatische Geschichte mit der „Orakel-Queen aus Neuruppin“. All das reichert sie mit allerlei Bühnenspäßchen an.

Besonders hinreißend aber parodiert sie neben Esoterik politische Sehenswürdigkeiten der Elbestadt, im unverwechselbaren Sound des um Hochdeutsch bemühten Dresdner Sächsisch etwa jenen „Beschwerde-Chor“, der Montag für Montag am Neumarkt auftritt. Denn: „Isch liebe meine Heimad.“ Sie spielt den Wunschtraum identitärer ethnischer Reinheit in absurden Variationen durch: „Dresden den Dresdnern, Chemnitzer raus! Muddi dor Muddi, Vadi raus! Küche bleibt Küche, Wohnzimmer raus!“ Oder bietet Hip-Hop „von Deutschen für Deutsche“ in eigener Choreografie, gepaart mit Line-Dance-Einheiten. Man kann Tränen lachen über ihre treffende Darstellung politischer Plumpheit.

Mit dem Auftritt von Nicolas Mahler hat sie sich einen ganz großen Wunsch erfüllt. Sie bekennt sich als seine eifrigste Missionarin. Um ihre Begeisterung weiterzugeben, hat sie etliche Zeichnungen ihres Lieblingskünstlers ausgewählt. Angesteckt damit hat sie zuerst Kuratorin Annette Paul, welche die Bilder in einer Ausstellung in Saal und Vorraum verteilt, sogar einen Schreibtisch aufgestellt hat. Die fast unbegrenzten Möglichkeiten, die das Zentralwerk allein dafür bietet, beweisen, dass es die beste Wahl als neuer Hauptveranstaltungsort ist. Mit seiner Mischung aus Spuren der Vergangenheit und erfrischend Experimentellem bietet es die passende Atmosphäre.

Zehn Jahre Absagen und Verrisse durchgestanden

In einem Vortrag mit Projektionen erzählte Nicolas Mahler, Jahrgang 1969, die Biografie seines unerschütterlichen künstlerische Eigensinns. Zehn Jahre Absagen und zehn Jahre Verrisse hat er durchgestanden, ohne vom Zeichnen lassen zu können. Mit seinen Männlein, die bald wie Röhren, bald wie Tropfen oder Würfel aussehen und deren Köpfe hauptsächlich aus langen Nasen bestehen, hat er es inzwischen zum anerkannten Meister der Reduktion gebracht. Er kann Begriffe wie Schuld, Sühne, Humor oder Drama so ins Zeichnerische übersetzen, dass man nach einer Denkverzögerung lacht.

Aber es war ein langer Weg. Am Anfang hat er seine Zeichnungen im Copyshop vervielfältigt und in ausgedienten Automaten verkauft. Immer wieder, so berichtet er, habe er versucht, Bücher zu produzieren, die es möglichst schwer im Handel haben – mit wechselndem Erfolg.

Gedichtbücher, in denen keine Gedichte stehen, oder Montagen aus alten Katalogtexten über Spielzeug („stark abgeliebt“), aufgeschnappte Straßen-Dialoge, abstrakte Comic-Helden oder ein Ausmalbuch für Depressive. Zum „Wiener Wunder“ ist er schließlich mit seinen Comic-Versionen von Hochliteratur (Proust, Musil, Bernhard) geworden.

www.literatur-jetzt.de

Von Tomas Gärtner

Mit seinem neuen Roman „Mission Pflaumenbaum“ lässt uns Jens Wonneberger tief in die Gemütslage vieler Ostdeutscher schauen. Der Dresdner Autor inszeniert ein Kammerspiel unter freiem Himmel, angesiedelt in einem ostsächsischen Ort, wo in der Gartensparte die Reichskriegsflagge gehisst wird.

26.09.2019

Über 90 „Zündblättchen“-Hefte sind bereits erschienen. Eine Ausstellung in der Kreativen Werkstatt Dresden zeigt nun ausgewählten Grafiken, Collagen, Siebdrucke, Zeichnungen, Radierungen, Monotypien, Stempelgrafiken, Materialdrucken, Fotografiken, Papierschnitten, Seidenstick und Lithographien.

26.09.2019

Zum 50-jährigen Bestehen des Philharmonischen Kammerorchesters gibt es am Sonnabend im Kulturpalast die Uraufführung „Present“. Das Ensemble gehört zu den Traditionsreichsten der Stadt, denn seine Wurzeln reichen noch weiter, bis in die 20er/30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück.

26.09.2019