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Regional „Alles außer gewöhnlich“: Herbert Grönemeyer spielt am Dienstag in Dresden
Nachrichten Kultur Regional „Alles außer gewöhnlich“: Herbert Grönemeyer spielt am Dienstag in Dresden
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22:00 07.09.2019
Am 4. Juli war Herbert Grönemeyer auch beim Festival „Kosmos Chemnitz“ dabei. Quelle: dpa/Sebastian Willnow
Dresden

Nach dem dramatisch genannten Unentschieden gegen St. Pauli und der Länderspielpause spielt die SG Dynamo Dresden am 15. September auswärts beim VfL Bochum. Schon fünf Tage zuvor erwartet Dresden aber Bochums berühmtesten Spieler im Rudolf-Harbig-Stadion – statt Zweitliga-Fußball winkt dann sogar Bundesliga-, wenn nicht sogar Champions-League-Niveau.

Denn, Sie ahnen’s schon, Herbert Grönemeyer kommt. Seit seinem Durchbruch mit „4630 Bochum“ 1984 sind ziemlich genau 35 Jahre vergangen und weitere zehn Nummer-1-Alben erschienen, zuletzt im November „Tumult“, das nun Anlass fürs Dresden-Gastspiel des 63-Jährigen gibt.

Der Mensch heißt Mensch

Beim winterlichen, quasi Generalproben-Auftritt Grönemeyers in Leipzig– in der Halle freilich – deuteten er und seine achtköpfige Band unter siebenteiliger Riesenleinwand an, was sie (immer noch) zu leisten im Stande sind (der „Solo“-Künstler Herbert Grönemeyer steht – und das ist durchaus branchenunüblich – seit den 80ern mit den selben Musikern auf der Bühne).

„Der Tag ist alles außer gewöhnlich“ eröffnet Grönemeyer den Abend, also mit der ersten Zeile des ersten Songs auf dem neuen Album, der „Sekundenglück“ heißt, aber im Publikum sehr viel mehr auslöst: Es ist schwer zu beschreiben, aber schon mit diesem ersten Lied, nicht etwa erst mit den zahlreichen Klassikern im Konzertverlauf, erfasst die Halle eine ganz spezielle Atmosphäre in sich ruhender Verzückung. Da scheinen nicht tausende Fans eines Musikers zu stehen, die ihn anhimmeln oder vergöttern, sondern Menschen, die einen anderen Menschen warmherzig und aufrichtig verehren.

Wie gesagt: ganz schwer zu beschreiben, was da in so einem Grönemeyer-Konzertapplaus alles mitschwingt und anders ist als anderswo. Vielleicht erinnern Sie sich an Grönemeyers Verlust-Lied „Der Weg“ und dessen emotionale Wirkung? Dann können Sie’s vielleicht erahnen.

Oder es wird so, wie es war

Dieser Zuneigung der Menschen begegnet Grönemeyer nicht nur mit herzallerliebsten Zwischenrufen auf seinen Konzerten („Spitze! Klasse! Sehr schön!“ oder „Meine Güte! Uiuiui! Sehr lieb!“), vor allem aber auch mit großem Verantwortungsbewusstsein abseits der Bühne.

Er spielte 1985 beim ersten großen Aids-Benefiz in Berlin, initiierte die Band für Afrika, appellierte an „Deine Stimme gegen Armut“ und trat im Januar 2015 vor der Frauenkirche bei „Offen und bunt – Dresden für alle!“ auf. Gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine weltoffene Gesellschaft sprach er sich jetzt erneut kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg in einer Videobotschaft aus, in der er seine Songzeile „Kein’ Millimeter nach rechts“ (aus dem neuen Song „Fall der Fälle“) zur Social-Media-Kampagne „für eine solidarische, bunte Gesellschaft ohne Hass und Hetze“ ausbaute.

Über 500.000 mal wurde das Video angeklickt. „Wir tragen die Verantwortung, dass sich kein Gedankengut breitmacht, das uns schon mal vor 80 Jahren in den Abgrund geführt hat. Deswegen, was ganz klar sein muss: Was immer man denkt, was immer man fühlt, wie sauer man auch ist: kein’ Millimeter nach rechts“, heißt es darin.

Zeit, dass sich was dreht

Auch weil heute viele Menschen nach Identität oder zumindest einer Art Überblick suchen, hat Grönemeyer sein neues Album „Tumult“ genannt, obwohl es gar keinen gleichnamigen Song gibt: „Tumult hat auch was Positives, weil sich was bewegt. Da hat man Energie und Kraft. Wir haben es in Deutschland ja immer gern ingenieurartig geordnet, und es tut uns, glaub ich, ganz gut, langsam zu lernen, dass man mit einem gewissen Chaos gut leben kann.“

Dass es derzeit auch viele Menschen gibt, die das Potenzial dieser „verworrenen Zeiten“ nicht sehen, sondern ganz im Gegenteil ihre Ängste in Aggressionen umwandeln, sieht Grönemeyer im Wesentlichen dadurch begründet, dass einerseits die Wiedervereinigung nicht vollzogen sei und dass andererseits die in seinen Augen „Glückssituation“ mit den Geflüchteten in den letzten Jahren nicht als solche begriffen wurde: „Es wäre ein Thema gewesen, um zu zeigen: Was kann eine Gesellschaft leisten, an Schutz leisten, an Zuwendung, an Mitgefühl.“

Dass die Gesellschaft in Deutschland aus diesem Thema eben nicht geeint hervorgegangen ist, dürfte bekannt sein, nach den Wahlen in Sachsenund Brandenburg mehr denn je. „Man muss gucken, warum die Leute wütend sind. Sie sind ja nicht gleich rechts, nur weil sie äußern, dass ihnen viele Dinge nicht passen. Das ist in der Demokratie gegeben und das sollen sie auch gerne machen. Das brauchen wir alle.“, sagt Grönemeyer.

„Aber das kann man nicht mit rechtem Gedankengut und ausländerfeindlichem Gehetze verbinden. Wenn man wütend ist, kann man das gerne sagen und sich auch über die Politik aufregen – aber nicht, indem man sagt: Jetzt benutzen wir mal die rechte Keule, um den Leuten zu zeigen, wie sauer wir sind. Das hat miteinander nichts zu tun.“

Und nun? „Wir müssen rausgehen und uns wehren. Wir sind alle aufgefordert, Haltung zu zeigen und Stellung zu beziehen – und uns darin zu einen. Es ist schwierig, es hinzukriegen, dass eine Gesellschaft sich aufmacht, wirklich eine Gesellschaft zu werden.“ Aber es sei eben auch möglich: „Wir müssen was bewegen – und das kann auch mit Freude passieren.“ Genau hier sieht Grönemeyer auch die Verbindung zum Pop und zur Bühne: „Musik ist dafür da, zu motivieren, anzutreiben. Wir sind Trommler, um den Menschen Mut zu machen, sich zu bewegen und was zu bewegen. Dafür ist Musik oder generell Kultur da: dass ’ne Gesellschaft vitalisiert wird.“

Wenn der Hagel fällt, gehen wir aufs Spielfeld

Während des Konzerts in Leipzig ist ihm, diesem eher malochenden Tänzer, der sehr schön mit den Armen schlenkern und das Huhn genauso gut wie den Pinguin „tanzen“ kann, bei einer seiner „Aktionen“ die Hose gerissen – was ihn nicht am Weiterspielen gehindert hat. Genau dieser Einsatz ist im Harbig-Stadion ja immer gern sehen– ganz nach dem Motto: „Es gibt viel zu verlieren / Du kannst nur gewinnen / Genug ist zu wenig“.

Herbert Grönemeyer, Support: Oehl, Dienstag, 19 Uhr, Rudolf-Harbig- Stadion Dresden, Einlass ab 17 Uhr

Karten: Stehplatz VVK ab 46 Euro zzgl. Gebühren, AK ab 65; Sitzplatz: ab 60 Euro zzgl. Gebühren, AK ab 80 Euro

Von Benjamin Heine

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