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Regional Abschiedsspielzeit im Societaetstheater startet mit Dada-Spektakel
Nachrichten Kultur Regional Abschiedsspielzeit im Societaetstheater startet mit Dada-Spektakel
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16:12 10.09.2019
„Wie Dada nach Dresden kam“ widmet sich als Uraufführung den wilden Zeiten vor just 100 Jahren, zu erleben am 13. und 14. September im Societaetstheater Dresden. Quelle: PR
Dresden

​Die neue Spielzeit am Societaetsheater steht im Zeichen des Wandels und endet erstmals mit Walpurgisnacht. Denn dann wird Geschäftsführer Andreas Nattermann feierlich in die verdiente Rente gehen und Heiki Ikkola das Zepter im übernehmen, um die 21. Spielzeit der Neuzeit des Bürgertheaters in Dresdens Barockviertel gediegen zu Ende zu führen.

Andreas Nattermann gibt in dieser Spielzeit sein Amt ab. Quelle: Volker Metzler

Doch, so betonten beide im Vorfeld, werde dieser Wechsel – ganz entgegen der üblichen Sitte heutzutage – als kollegialer Wandel zelebriert, werden die Geschäfte genau wie gelassen übergeben und die Maifeier keine Revolution, wobei bislang nur der Spielplan bis dato vorgestellt wurde. Doch der hat es in sich: zwei Festivals und sechs Premieren, wobei mit „The Sound of Bronkow“ als musikalisches Vorspiel von Kumpels & Friends schon eines davon geschafft ist und auch in der zehnten Auflage zum Fest geriet, bevor es 2020 in eine Denkpause gehen will.

Auch die erste Theaterpremiere lässt aufhorchen: „Wie Dada nach Dresden kam“ widmet sich als Uraufführung den wilden Zeiten vor just 100 Jahren. Denn da brach der Dadaismus als künstlerische Gesellschaftsform in die konservative Welt der frisch königslos-revolutionierten Hauptstadt der Freien Kurzzeitrepublik Sachsen mit arg bleihaltiger Luft ein. Komponisten wie der Prager Erwin Schulhoff oder Maler wie Kurt Günther, Otto Griebel und Otto Dix widmeten sich bis 1922 offensiv mit skurrilen Aktionen oder Aufführungen einer Revolte gegen Zeitkunst.

Dada in Dresden und seinen Partnerstädte im Fokus

Nun finden Cie. Freaks und Fremde, verstärkt um Musikus Tobias Herzz Hallbauer sowie Markus Rindt als Intendant der Dresdner Sinfoniker zwecks Ständchen oder Ode zueinander, bereiten sich intensiv samt Puppen und Instrumenten vor, wollen aber zuvor artgerecht nicht den ganzen Akt als Durchlauf proben. Wenn die intellektuelle Begeisterung bei der Präsentation halbwegs auf die Bühne kommt, steht ein improvisiertes Spektakel bevor, was aber wohl nur zwei Mal am 13. & 14. September erlebbar sein dürfte. Mit auf dem DD-Dada-Dampfer dabei: Tom Quaas, auch als Sänger und in Frauenrolle. Damals war es übrigens so, dass alles andere als ein Abbruch via Skandal plus Saalprügelei nicht als Erfolg gegolten hätte.

Brit Magdon kuratiert als künstlerische Leiterin wie gehabt das zweite hauseigene Festival der Saison, das als „Szene:Europa“ vom 2. bis 12. Oktober seine zwölfte und letzte Ausgabe erlebt. Zum Glück für die öffentliche Aufmerksamkeit musste es von Mai, wenn Dresden vor Festivals ja förmlich platzt, in den Herbst verschoben werden. Außerdem wird es diesmal keinen spezifischen Länderfokus geben.

Dafür stehen – dank der Mitarbeit des Kulturhauptstadtbüros – Gastspiele aus nicht weniger als neun Dresdner Partnerstädten in Europa, die sich laut Magdon samt und sonders mehr oder weniger vordergründig mit der Zukunft der Union auseinandersetzen, an. Fett eintragen sollte man sich mindestens Eröffnung und Abschluss, beides im Zentralwerk zu Pieschen zu erleben. Mit Akhes „Demokratie“ aus St. Petersburg und Wunderbaums „Biertourist“ aus Rotterdam geht es sofort um Öl wie Bier als international anerkannte gesellschaftliche Schmierstoffe. Zum Abschluss servieren Saranjit Birdi & Co. aus Coventry einen neuen zweiten Teil einer bombigen Mondscheinsonate, direkt vor der Abschlussfeier.

Danach gibt es im Haus weitere Premieren: The Guts Company nähert sich ab 9. Januar mit „Am Königsweg – Macht#1“ tänzerisch Elfriede Jelinek. Oda Pretzschner und Tom Quaas spielen „Macbeth“ in der Zwei-Personen-Version von John von Düffel (Premiere: 20. Februar 2020). Und die Go plastic Company serviert „Asphaltsurvivors“ (Arbeitstitel für den 27. Februar) mit „drei Performern in Kollaboration mit dem bildenden Künstler Enrico Sutter“.

Und die Freakstadt bleibt als Minifestival natürlich erhalten, die elfte Ausgabe (19. bis 22. September 2019) bietet Frieder Zimmermanns „Humusrevolution“ sowie vier (!) hauseigene Freakproduktionen unter dem Titel „Vom Sinn des Lebens“.

Klassiker, Jugendmusik & Freakstädte

Auch zahlenmäßig kann sich Nattermann in seiner Abschiedsspielzeit gelassen zeigen: Der Etat für das Jahr 2019 und 2020 beträgt je 870.000 Euro. Dazu gibt es nun erstmals 33.000 Euro zusätzlich für die Aktivitäten in Prohlis, wobei sich allerdings die reinen Kosten dafür auf rund 87.000 Euro inklusive Mieten (samt Zelt) und Honorare summieren und Eigenleistungen nicht eingerechnet sind. Dafür gab es vor kurzem beim Fokus-Festival in Görlitz den Landespreis für kulturelle Bildung von Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange und dem Landesverband Soziokultur Sachsen. Etat wie Besucher werden als städtischer Betrieb übers Jahr bemessen, so stehen in der Bilanz von 2018 bei 300 Veranstaltungen 25.547 Zuschauer.

Heißer Theaterstart war bereits am Wochenende mit der Wiederaufnahme des furiosen Solos von Tom Quaas in allen Rollen in einer eigenen Fassung von Oscars Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“. Weitere Klassiker im Repertoire, die jene erfüllte Marktlücke in Dresdens Bühnenlandschaft spiegeln: Camus’ „Der Fremde“, Millers „Das Lächeln am Fuße der Leiter“, Frischs „Biographie: Ein Spiel“, Walsers „Ein fliehendes Pferd“ oder Hesses „Der Steppenwolf“.

Neben einigen neuartigen Welterklärstücken prägen natürlich die Kunstpreisträger Cie. Freaks und Fremde, die hier neu aufblühten, mit „Out of Service“, „Loving the Alien“, aber vor allem mit „Eldorado“ und Kafkas „Der Bau“ den Qualitätsanspruch. Plus Stammgäste wie Katja Erfurth, Bodecker und Neander sowie Derevo und die JuWie Dance Company sowie die erwähnte The Guts Company rings um Johanna Roggan.

Über die steten Festivals, wo das Soci eine von mehreren Spielstätten ist (so wie Jüdische Theater- und Musikwoche oder Jazztage, beide im November) muss man nicht eigens reden. Wichtiger ist die Fortsetzung der Dienstagskonzertreihe an der allerersten Bürgerbühne Dresdens – die zur Gründung schon 53 barocke Spielzeiten als Theater-Societaet absolvierte, um dann nach der Auflösung 1832 bis zum Ende der Rekonstruktion anno 1999 ein ausgedehntes Päuschen einzulegen. Die Reihe geht in gewohnt gediegener Auswahl von Ina Conradi weiter, wenn auch manchmal an anderen Wochentagen. So mit John van Deusen aus Amerika (24. September), Bruno Bavota aus Italien (21. Oktober) und James Harries aus Kleinbritannien (3. Dezember).

Heiki Ikkola Quelle: Demian von Prittwitz

Und dann wird sich allmählich Heiki Ikkola einarbeiten, um am 1. Mai zu übernehmen. Doch das ist Schnee vom nächsten Jahr.

www.societaetstheater.de

Von Andreas Herrmann

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