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Regional 28. Jahrgang des Festivals „Sandstein & Musik“ im Bann Beethovens
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16:07 30.01.2020
Carion – das sind Dora Seres (Flöte), Egils Upatniek (Oboe), Egīls Šēfers (Klarinette), David M. A. P. Palmquist (Horn) und Niels Anders Vedsten Larsen (Fagott) . Das preisgekrönte dänisch-lettische Ensemble gastiert zum ersten Mal bei „Sandstein und Musik“ und wird am 7. November in der Ev. Kirche Bad Schandau mit Werken von u. a. von György Ligeti, Ludwig van Beethoven, Stephen Montague und Dmitri Schostakowitsch zu erleben sein. Quelle: Jānis Porietis
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„Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gern machen lässt.“ Das konstatiert eine junge Frau am Ende des Spielfilms „Das finstere Tal“. In dem hatte ein Amerikaner anno 1857 ein kujoniertes Alpen-Dorf von der Herrschaft eines tyrannischen Familienclans befreit, um dann wie die junge Frau feststellen zu müssen, dass diese Befreiung offensichtlich nicht für alle Anlass zur Freude ist.

Alle Faktoren sprachen gegen das Überleben des Festivals

„Freiheit und Wagnis“ lautet nun das Motto des 28. Jahrgangs des Festivals „Sandstein und Musik“. Da schwingt zum einen der Ruf nach Freiheit vor 30 Jahren im Osten des dann bald vereinigten Deutschlands mit. Hauptsächlich ist es aber eine Reverenz an Ludwig van Beethoven, dessen Geburtstag sich dieses Jahr zum 250. Mal jährt, was landauf landab gefeiert wird und sich auch im Programm des Festivals niederschlägt.

Das fängt bei der vielerorts ausliegenden Programm-Broschüre an. Vorn ist die Reproduktion des Deckblattes der „Eroica“ abgebildet, „der revolutionärsten aller Beethoven-Sinfonien“, wie der künstlerische Leiter des Festivals Ludwig Güttler im einleitenden Grußwort versichert.

Ludwig Güttler. Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Vielleicht nicht ganz so populär wie die „Neunte“, die heute als Symbol hochkultureller, sogar politischer Repräsentation gilt und quasi ein Hoheitsakt in Tönen ist, ist die Beethovens 3. Sinfonie letztlich doch ebenso ein gesellschaftliches oder politisches Statement – eine Ode auf die Freiheit. Entsprechend fehlt das Werk auch nicht im Programm – am 27. Juni erklingt es neben Kompositionen von Händel, Vivaldi und Mozart in der Kirche St. Jakobi in Neustadt. Aber auch andere Werke Beethovens, mit denen dieser das musikalische Korsett seiner Zeit sprengte, sind im Rahmen von „Sandstein und Musik“ zu erleben: beispielsweise am 5. April auf Schloss Burgk das Trio op. 9 Nr 3 c-Moll und am 28. November in der Stadtkirche von Dippoldiswalde das Streichquartett a-Moll.

Während andere in der Euphorie der Nachwendezeit ins Leben gerufene Festivals trotz stärkerer öffentlicher Förderung heute nicht mehr existieren, besteht „Sandstein und Musik“ weiter, auch wenn „alle objektiv messbaren Faktoren gegen das Überleben sprachen“, wie Güttler bei der Programmvorstellung anmerkt. Ohne ein Netzwerk aus Förderern und vielen ehrenamtlichen Helfern wäre das Festival jedenfalls nicht durchführbar.

Hauptsponsoren sind die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die ENSO Energie Sachsen Ost AG sowie die Margon Brunnen GmbH. Das Gesamtbudget des Festivals beträgt gut 550.000 Euro bei einer öffentlichen Förderung von 30.000 Euro durch Städte, Gemeinden und den Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Gut 150.000 Euro muss der das Festival ausrichtende Verein selbst erwirtschaften, das ist zu schaffen, wenn die Konzerte – zusammengezählt – zu 60 Prozent ausgelastet sind.

Mix aus Bewährtem und Neuem

Als Anerkennung der kulturellen Bedeutung für die Region (und darüber hinaus) erhält das Festival wie schon im vergangenen Jahr eine besondere Unterstützung durch den Freistaat Sachsen. Im vom Landtag beschlossenen Doppelhaushalt 2019/20 wurde eine institutionelle Förderung für „Sandstein und Musik“ zusammen mit den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch ausgewiesen. Die Trägervereine beider Festivals hatten sich eine übergeordnete, bündelnde Struktur gegeben: die gemeinnützige Gesellschaft „FestivalKultur Sächsische Schweiz FEKUSS gGmbH“. „Wirtschaftlich und organisatorisch hat sich das bewährt“, versichert Geschäftsführer Martin Steude. Woran es mitunter noch klemmt: Alle Gemeinden, in denen Konzerte ausgerichtet werden, haben Eigenmittel zu erbringen. Das stemmt nicht jede Kommune aus der Portokasse.

27 Konzerte an 13 Wochenenden stehen in diesem Jahr zwischen dem 21. März und 6. Dezember auf der Agenda, an 22 Spielstätten in 21 Orten rund um Pirna, zwischen Stolpen und Reinhardtsdorf, Tharandt und Rammenau werden die unterschiedlichsten Künstler aufspielen. Programmtisch setzen die Veranstalter, die sich bei der 27. Festivalauflage im vergangenen Jahr über 7500 Besucher (gut 65 Prozent davon Dresdner) freuen konnten, auf einen Mix aus Bewährtem und Neuem. Im Programm finden sich bekannte Namen und entsprechende Zugpferde wie die Schauspielerin Corinna Harfouch oder auch der Pianist und Festival-„Wiederholungstäter“ Hinrich Alpers, es wird aber auch neuen Künstlern Gelegenheit gegeben, „Sandstein und Musik“-Luft zu schnuppern.

Kein üppiges Programmheft

Bei der Auswahl der Spielstätten hat sich ein gewisses Rotationsprinzip bewährt, aber es gibt auch solche, die gesetzt sind, etwa die Marienkirche in Pirna, in der die Virtuosi Saxoniae zum Festivalauftakt unter Leitung von Güttler spielen. Gemäß dem Motto „Blüte der europäischen Musikkultur“ erklingt u. a. Musik von Telemann, Fasch und Biber. In dem Gotteshaus, das gut 1500 Sitzplätze bietet und damit die größte „Location“ des Festivals ist, erfolgt auch der Kehraus in Form der beiden „Bläserweihnacht“-Konzerte am 5. bzw. 6. Dezember, für die bereits 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Karten vom Publikum geordert wurden.

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Gut 35 Prozent der Karten für das gesamte Festival seien bereits verkauft, manche Konzerte zur Freude der Veranstalter sogar schon komplett ausverkauft, so etwa die Tangoshow am 26. September im Hotel Elbflorenz in Bad Schandau. Verabschiedet hat man sich von der bisherigen Form eines üppigen Programmheftes, das auf sämtliche Konzerte eines Jahrgangs einging. In diesem Jahr gibt es zu jeder Veranstaltung eine kleinere Broschüre, in der es explizit „nur“ um Programm und Künstler des jeweiligen Konzerts geht.

In bewährter Manier setzt der Verein um Ludwig Güttler und den langjährigen Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig (CDU) gemeinsam mit dem regionalen Energieversorger ENSO und in Zusammenarbeit mit der Musikschule Sächsische Schweiz die Förderung der musikalischen Meister von morgen fort. Auch das Publikum ist hier eingebunden, wird doch an die Spendierfreudigkeit appelliert. Alles in allem beläuft sich die Summe, die Konzertbesucher seit 2003 für die Nachwuchsförderung spendeten, auf gut 80.000 Euro, die größtenteils für gut 40 hochwertige Musikinstrumente ausgegeben wurde.

www.sandstein-musik.de

Von Christian Ruf

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