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Regional 27 Jahre Kino im Kasten Dresden – Filmwoche zum Geburtstag
Nachrichten Kultur Regional 27 Jahre Kino im Kasten Dresden – Filmwoche zum Geburtstag
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16:22 14.01.2020
Dunkel und düster – der Stummfilmklassiker „Der Fuhrmann des Todes“. Quelle: Schwedisches Filminstitut Svenska Filminstitutet
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Dresden

Jüngere Leser wissen in der Regel nicht, was ihnen verziehen sei, was sich 1993 im Land so alles ereignete. Mit großer Mehrheit stimmten die Mitglieder von Bündnis 90 und Die Grünen für den Zusammenschluss beider Parteien, die neuen fünfstelligen Postleitzahlen wurden eingeführt, und die Arbeiter des Kali-Werkes in Bischofferode kämpften erbittert, aber letztlich vergeblich um ihre Arbeitsplätze. In Dresden wurde der hessische Bauunternehmer Rolf-Jürgen Otto zum neuen Präsidenten von Dynamo Dresden gewählt.

Letzteres Ereignis lief eher nicht auf eine Erfolgsgeschichte hinaus – die Gründung des Kinos im Kasten in eben jenem Jahr hingegen schon. Es waren Studenten und Mitarbeiter der Technischen Universität (TU) Dresden, die sich als Hebamme in Sachen Kintopp-Geburt betätigten. Explizit wollte man ein nichtkommerzielles Programmkino ins Leben rufen, das ehrenamtlich betrieben werden sollte und entsprechend noch immer so wird.

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Kinoeröffnung mit Italo-Western

Das Hörsaalgebäude war ursprünglich Teil der NVA-Militärakademie „Friedrich Engels“. Mit zwei Meopta Meopton IV 35-mm-Projektoren aus der CSSR wurden damals im Hörsaal 3 hauptsächlich militärische und politische Lehrfilme vorgeführt. Nach der Wende übernahm die TU Dresden das Gebäude, und im Januar 1993 begann der offizielle Spielbetrieb im Kino im Kasten, kurz KiK, mit dem berühmten Italo-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone.

Mit Beginn des Sommersemesters 2012 wurden im Gebäudekomplex August-Bebel-Straße umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen. Während der Bauarbeiten fanden in unregelmäßigen Abständen Sonderveranstaltungen an wechselnden Orten statt. Zur Wiedereröffnung am 16. Mai 2014 wurde Frank Beyers Film „Spur der Steine“ gezeigt, der kurz nach der Premiere 1966 in der DDR verboten worden und im Giftschrank gelandet war.

Es bedarf immer nur weniger Handgriffe, damit sich der sanierte Hörsaal in einen Kinopalast verwandelt. Bei der Filmauswahl geht es eher weniger um Neuproduktionen. Auf dem Programm dieses Campus-Kiezkinos, das als solches durchaus Teil der soziokulturellen Landschaft ist, stehen laut Homepage „interessante Filme aus allen Genres und Zeiten, die manchmal durch kurze Vorträge eingeleitet werden“. Auf viele Streifen, die gezeigt werden, trifft ein Satz des Filmemachers Claude Chabrol zu: „Man macht Filme, um Menschen abzulenken, sie für etwas zu interessieren, zum Nachdenken zu bewegen und sie vielleicht sogar ein kleines bisschen besser zu machen.“

Des Öfteren versuchen die Filmenthusiasten des KiK auch, die Zuschauer mit Filmen in Originalsprache mit und ohne Untertitel in den Lichtspielsaal zu locken. Neben dem Semesterprogramm organisiert man zudem regelmäßig Sonderveranstaltungen, bei denen z.B. kreative Musiker Stummfilmklassiker live neu vertonen. Zudem bemüht man sich, jungen Filmemachern ein Forum zu bieten.

„Trash-Fest“ wird als krönender Abschluss

Ab heute bis zum 18. Januar feiert das KiK nun Geburtstag. Keinen runden, den 27., um genau zu sein, aber gut, man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Dafür wurde eigens, so die Mitteilung, ein „Kinopaket der Superlative“ geschnürt: So ist am heutigen Dienstag um 20.30 Uhr der Film „Victoria“ zu sehen, der 2014 ohne Schnitt gedreht wurde und auf der Berlinale einen Silbernen Bären für herausragende Künstlerische Leistung / Kamera erhielt.

Am Mittwoch kommt dann die aus Ralf Müller und Simon Arnold bestehende Dresdner Band Søjus 1, die zum schwedischen Stummfilm „Der Fuhrmann des Todes“ die Begleitmusik liefert. Die Geschichte des kaum gealterten Klassikers kreist um die Legende, wonach jene Person, die als letzte im Jahr stirbt, ein Jahr lang als Fuhrmann des Todes die Seelen der Verstorbenen einsammeln muss, bis sie vom letzten Verstorbenen des folgenden Jahres abgelöst wird.

Am 18. Januar „flimmert“ der Film „The Room“ über die Leinwand. Viele Filme ringen um das Prädikat „Schlechtester Film aller Zeiten“, bei „The Room“ soll es sich „mit einiger Sicherheit um einen der heißesten Favoriten für den Titel“ handeln. Das Dramolett handelt vom Banker Johnny, seinem besten Freund Mark und seiner untreuen Freundin Lisa. Damit ist die Arena geschaffen, welche die wirklich existenziellen Fragen der Menschheit bewegen: Liebe und Eifersucht, Betrug und Verrat. Dieses „Trash-Fest“ wird als „krönender Abschluss der Geburtstagswoche“ erachtet. Anschließend gibt es eine Party im Foyer, zudem Führungen durch den Projektionsraum.

Zudem läuft im KiK während der Geburtstagswoche der Anti-Kriegs-Klassiker „Full Metal Jacket“ (16. Januar), außerdem gibt es eine Film-Quiz-Gala (17. Januar). Einmal mehr sollen „die Cineastenhirne schmelzen, wenn wir unsere Riesenleinwand mit allerlei Fragen aus allen Gebieten der Filmgeschichte aufheizen“.

Voranmeldungunter info@kino-im-kasten.de erwünscht.

www.kino-im-kasten.de

Von Christian Ruf

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