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Kultur Weltweit Ryan Bingham stellt unbequeme Fragen an Amerika
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10:00 14.02.2019
Amerika, die Schöne: Der Songwriter Ryan Bingham setzt sich auf seinem neuen Album mit dem amerikanischen Traum auseinander. Quelle: Axster Bingham Records
Austin

„Ich hab’s geschafft. Ich hab mir die Wölfe vom Leib gehalten“, singt Ryan Bingham auf seinem neuen 15-Song-Album „American Love Song“ nur zu Akustikgitarre und Banjo. Eine raue, brüchige, lebensgeprüfte Stimme, die hier für all die eintritt, die täglich in Amerika unterzugehen drohen. Der 37-jährige Musiker erklärt das Amerika seines Songs „Wolves“: „Es geht um den endlosen Versuch, das Dunkle zu bekämpfen – nicht nur um das, was ich in meiner Jugend erfahren habe, sondern auch darüber, was ich bei anderen gesehen habe, was andere hier täglich durchmachen, um zu überleben.“

„Wolves“ ist auch ein Song für die Schüler vom „March for our Lives“

Bingham war in New Mexico früh auf sich gestellt. Die von Job zu Job ziehenden Eltern versanken im Drogennebel, die Mutter starb schließlich an Alkohol, der Vater, ein Bohrarbeiter, beging Selbstmord (davon erzählt Bingham im Song „Stones“). Mit 17 riss er von Zuhause aus, wurde obdachlos, schlief in seinem alten Truck und arbeitete als Rodeocowboy in Texas und Mexico. Das arme Amerika der Wölfe kennt er gut.

Und kann die aktuellen Entwicklungen dennoch kaum fassen. Das Lied „Wolves“ ist darüber hinaus inspiriert von den Schülern, die 2018 nach dem Schulmassaker von Parkland mit 17 Todesopfern beim „March for our Lives“ für schärfere Waffengesetze eintraten. „Sie mussten sich in den sozialen Medien von erwachsenen Männern und Frauen beschimpfen lassen, die offen ihre Integrität in Zweifel zogen.“ Die Brutalrhetorik, mit der das geschah, erschütterte Bingham ebenso wie der Post-Parkland-Vorschlag des Präsidenten, fortan die Lehrer zu bewaffnen.

Bingham zählt in den USA zu den großen jüngeren Songwritern

Bingham – hierzulande noch unter ferner liefen – zählt in den USA längst zu den großen Songwritern der jüngeren Generation. Für seinen Song „The Weary Kind“ aus dem Jeff-Bridges-Film „Crazy Heart“ bekam er schon 2010 Oscar, Golden Globe und Grammy. Sein sechstes Studioalbum „American Love Song“, produziert von ihm selbst und dem langjährigen Dylan-Weggefährten Charlie Sexton, ist eine Liebeserklärung in Rock, Blues, Folk, Country, Cajun, Gospel – Americana in stampfenden, krachenden Rockern und schönen, unpolierten Balladen.

Amerika, wohin bist du verschwunden, kannst du nicht sehen was passiert, was aus uns geworden ist, entlade deine Gewehre, rette deine Söhne und Töchter“, singt Bingham im folkigen „America“. „Amerika, lass uns nicht im Dunkeln, lass die Fackel unserer Lady leuchten, draußen im Hafen von New York.“ Und eine letzte Zeile gegen die Zerrissenheit des Landes: „Lass sie uns durch ihr Licht vereinen.“ In „Situation Station“, das aus Tom Pettys großen Zeiten stammen könnte, singt er dann über einen „leader“, der „auf dem Rücken der Armen reitet, ihnen Lügen verkauft“. Namen nennt er nicht – kein Zweifel aber, wer gemeint ist.

Zwei Lieder widmet Ryan Bingham seiner Ehefrau Anna

Es gibt auch ganz private Widmungen. Im Rocker „Pontiac“ erinnert sich der Sänger an die wilden Anfangszeiten mit seiner Ehefrau Anna. Und in der sechsminütigen Ballade „Lover Girl“, die an Bob Segers Silver Bullet Band erinnert, kniet er vor ihr nieder wie ein Ritter und will gar nicht mehr als die Beatles, damals 1964, nur formuliert er es britischer: „I would like to hold your hand.“

Album: Ryan Bingham: „American Love Song“ (Thirty Tigers) Konzerte: 29.04. Berlin, Heimathafen: 01.05. Köln, Gloria; 02.05. München, Freiheit

Von Matthias Halbig / RND

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