Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Kultur Weltweit Rocketman – Im Bett mit Elton John
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit Rocketman – Im Bett mit Elton John
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:20 28.05.2019
Der Rockpfau der 70er-Jahre: Elton John (Taron Egerton) liebt glamouröse Outfits und spektakuläres Schuhwerk. Quelle: Foto: Paramount
Hannover

Solche Sätze hört man in einem großen Studiofilm in unseren politisch korrekten Zeiten nur selten, auch nicht aus dem Mund einer Popikone: Er habe in seinem Leben sämtliche verbotene Substanzen konsumiert, die auf dem Markt seien – und bereue keine einzige davon.

RocketmanDexter Fletcher zeigt schwulen Sex

Das sagt „RocketmanElton John, als er ganz unten ist, drogen-, alkohol- und sexabhängig. Mit Engelsflügeln und Teufelshörnern sitzt er nach seiner Flucht direkt aus einem Konzert in einer Selbsthilfegruppe und erzählt im Rückblick von seinem rasanten Aufstieg und tiefen Fall. Bulimie und zwanghaftes Shoppen erwähnt er auch noch.

Schwulen Sex zeigt uns Regisseur Dexter Fletcher tatsächlich, und diese Episoden wirken ganz entspannt: Elton John (gespielt von TaronRobin HoodEgerton) in glücklichen Momenten im Bett mit seinem knallharten Manager John Reid („Game of Thrones“-Star Richard Madden). Auch so eine Szene ist alles andere als selbstverständlich bei einem Film, der aufs ganz große Publikum zielt. Das Paramount-Studio, so heißt es, habe allerdings darauf bestanden, dass noch Expliziteres herausgeschnitten wurde. Aber immerhin.

Rocketman – Bei der Premiere in Cannes war Elton John ergriffen

Vielleicht stimmt es ja, was Fletcher bei der Premiere von „Rocketman“ in Cannes gesagt hat: „Elton hat uns die Geschichte so erzählen lassen, wie wir wollten.“ Fletcher ist der Regisseur, der nach vielen Querelen und dem Rauswurf Bryan Singers schlussendlich auch den mit Oscars überschütteten Freddie-Mercury-Film „Bohemian Rhapsody“ ins Kino gebracht hatte. Und in dem geht es ausgesprochen keusch zu.

Andererseits: Elton John musste nie befürchten, dass etwas anderes als eine extravagante Hommage herauskommen würde. Schließlich gehörte er zu den Produzenten des Films. In Cannes saß er nach der Premiere im Kino und verdrückte ein paar Tränen, so ergriffen war er von seinem eigenen Leben. In fein abgezirkelten und letztlich sinnstiftenden Etappen können auch wir es nun noch einmal rückverfolgen.

Es war ein langer Weg vom kleinen, unglücklichen Jungen Reginald Dwight in London zu einem der extravagantesten Popstars unserer Gegenwart. Die alle Tiefen überdauernde Freundschaft mit dem Liedtexter Bernie Taupin (Jamie Bell), der gloriose Erfolg im Troubadour-Club in Los Angeles, zig Millionen verkaufte Platten - und dann der in einem Rockmusiker-Drama geradezu unvermeidliche Absturz. Die Einsamkeit nagt nach dieser Lesart immer an Elton John.

Rocketman – Am Ende des Films ist Elton John geläutert

So wird diese Geschichte aus Mainstream-Kinoformat gebracht. Was den Film dennoch besonders macht, sind die energiegeladenen und surreal übersteigerten musikalischen Einlagen von Hauptdarsteller Taron Egerton. Er singt selbst und ausgesprochen gefühlvoll Hits wie „Your Song“ oder „I`m Still Standing“. Zum Vergleich: Rami Malik in seiner Rolle als Mercury bewegt nur die Lippen.

Hier kann Elton John beim Singen schon mal den Boden unter den Füßen verlieren oder schwer angeschlagen auf dem Grund eines Swimmingpools seinem jüngeren Ich begegnen. Am Ende ist das Ziel in diesem quietschbunten und ziemlich bombastischen Musical erreicht: Elton John ist geläutert und ein glücklicher Mensch.

Mehr kann zumindest der echte Elton John von einem Film über sich selbst nicht verlangen.

Filmtitel: „Rocketman“Regie: Dexter FletcherDarsteller: Taron Egerton, John MaddenFilmlänge: 120 MinutenAltersfreigabe: o. A.

Von Stefan Stosch/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Robert Pattinson und Juliette Binoche reisen in dem Science-Fiction-Drama „High Life“ (Kinostart am 30. Mai) in einem Sträflingsschiff durch Raum und Zeit. Huppert reitet dabei auf einem silbernen Dildo. Ein Science-Fiction-Film voller Provokationen.

27.05.2019

Ein Mann auf der Flucht trifft in Marokko einen Mann auf der Suche. Beide sind unterwegs nach Europa und werden Freunde: „Victoria“-Regisseur Sebastian Schipper zeigt in „Roads“ (Kinostart am 30. Mai) die schlichte Schönheit einer menschlichen Begegnung.

26.05.2019

Ein kleiner Junge wird zum großen Bruder – und hasst die kleine Schwester. In Mamoru Hosadas magischem Anime „Mirai – das Mädchen aus der Zukunft“ (Kinostart am 30. Mai) wird erzählt, wie man seinen Platz in der Welt findet.

26.05.2019