Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Kultur Weltweit Jugendliche diskutieren über Bücher - und grenzen sich von Kindern ab
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit Jugendliche diskutieren über Bücher - und grenzen sich von Kindern ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:14 04.10.2019
Mitglieder der "JungenMedienJury" (JMJ) bei einem der Treffen in der Frankfurter Zentralbibliothek. Die 13- bis 16-Jährigen diskutieren über aktuelle Buchtitel. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
Frankfurt/Main

Bücherstapel auf dem Tisch, der Schrank voller neuer Wälzer, eine lebhafte Diskussion und viel Begeisterung: Wenn sich in Frankfurt die JungeMedienJury trifft, kann man kaum glauben, dass Lesen bei Jugendlichen nicht hoch im Kurs stehen soll. Vanessa, Jette, Linnea, Mia, Hendrik und Karslon lesen gern und viel. Bei den Jury-Treffen diskutieren sie über die Bücher, die sie seit dem letzten Treffen gelesen haben - und erfüllen damit eine wichtige Funktion im Literaturbetrieb.

Denn der Lese-Geschmack der Jugend ist für Verlage und Veranstalter eine "Blackbox", wie Hendrik Hellige sagt, der bei der Frankfurter Buchmesse für das Thema Jugendbuch zuständig ist: "Ab 13 tauchen alle ab." Eine Studie zur Mediennutzung 12- bis 19-Jähriger von 2018 bestätigt das deutlich: "Knapp jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge greift in der Freizeit regelmäßig zum Buch.

Was wünschen sich Jugendliche auf dem Buchmarkt?

Was mögen Teens, was nicht, was hätten sie gern, das sie auf dem deutschen Buchmarkt vielleicht nicht finden? Darauf, so Hellige, könnten Aktionen wie die JungeMedienJury Antworten geben. "Lesetipps von Jugendlichen für Jugendliche - auf Augenhöhe".

"Was habt Ihr gelesen?", fragt Anel Hunnius, die die Gruppe betreut, zu Beginn des Treffens in der Frankfurter Stadtbücherei, "Was mochtet Ihr? Was nicht? Warum mochtet Ihr es?" 17 Bücher lesen die 13 bis 16-Jährigen in sechs Monaten, die meisten sind ganz schön dick. Alleine füllen sie ausführliche Fragebögen aus, gemeinsam sprechen sie über ihre Leseerfahrungen.

Teenager lesen gerne Bücher mit aktuellem Themenbezug

Ziemlich begeistert sind gerade alle von "Thalamus". In dem Thriller von Ursula Poznanski geht es um Hirnforschung. Und von "Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen." Bei Ava Reed geht es um Depression. Durchgefallen ist hingegen das Fantasy-Buch "Das Herz der Kämpferin". Die Bewertungen der Jury treffen mitten hinein in eine Debatte, was Jugendliteratur ist und was sie sein sollte.

Aids und Alkohol, Amok und Autismus - Jugendbücher seien heute zu "problemorientiert", "Elendsliteratur", ätzte die "Welt". Die Jungs und Mädchen aus Frankfurt stören solche Themen nicht. "Besser als zu oberflächlich", finden Jette und Linnea, "die Welt ist kein Bilderbuch", sagt Karslon, "ich mag Bücher über Krankheiten und Weltuntergang", gibt Vanessa zu, die schon alle 17 Bücher auf der Liste durch hat.

Jugendliche wollen nicht mit Kindern gleichgesetzt werden

Als Gast ist an diesem Tag die Jugendbuchforscherin Anika Ullmann dabei. Sie diskutiert mit den Jury-Mitgliedern, was ein gutes Jugendbuch ausmacht. In einem sind sich die Wissenschaftlerin und die Jugendlichen schnell einig: Was keiner braucht, sind spezielle Bücher für Jungs und Mädchen, die krampfhaft versuchen, die Zielgruppe abzuholen. Die Mädchenversion der Detektivserie "???", die als "!!!" backen, schminken und shoppen fand bei den Jugendlichen keine Gnade.

Die Frage, was Jugendlichen lesen wollen, hat sich auch die Frankfurter Buchmesse gestellt. "Wie spricht man Jugendliche an?", fragte sich Helliges Team und hörte sich bei 13- bis 18-Jährigen um. Eine Erkenntnis: Jugendliche wollen nicht als Kinder, nicht mal zusammen mit Kindern angesprochen werden. Labels wie "Kinder- und Jugendliteratur" oder "Kids Stage" funktionieren nicht. Daher gibt es auf der Messe in diesem Jahr zum ersten Mal eine Bühne und eine Veranstaltungsreihe speziell für die "new generation".

Lesen Sie auch:

Mal schlicht, mal bunt: Stiftung Buchkunst kürt die schönsten Buchcover

Diese sieben Autoren wurden für den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis nominiert

RND/dpa/ce

Überraschende Neuigkeiten von Justin Bieber: Nur wenige Tage nach seiner Hochzeit mit Hailey kündigt er einen neuen Song an. Dabei wird es sich ausgerechnet um Hochzeitsmusik handeln.

04.10.2019

Das größte bekannte Banksy-Gemälde kommt unter den Hammer. Erwartet wurden Gebote von bis zu umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro - doch es wurde für die fünffache Summe verkauft.

04.10.2019

Jeden Tag werden Millionen Selfies gemacht. Aber die Selbstporträts sind keine Erfindung der Gegenwart. Schon der große Maler Rembrandt war ein Meister darin, sich selbst zu inszenieren. Vor 350 Jahren ist er gestorben.

03.10.2019