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Kultur Weltweit Hollywoodstar Kiefer Sutherland: Ich saß im Gefängnis
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit Hollywoodstar Kiefer Sutherland: Ich saß im Gefängnis
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22:00 14.06.2019
Schauspieler, Profi-Rodeoreiter und jetzt auch Countrysänger: Kiefer Sutherland liebt es, neue Dinge auszuprobieren. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Kiefer Sutherland, was verbinden Sie mit Köln?

Wo soll ich anfangen? Ich habe schon fünf Konzerte hier gespielt, unsere Tourneen beginnen wir grundsätzlich in Deutschland und häufig in Köln. Mir ist schon klar, dass meine Musik weder an der Spitze der Charts steht noch der heißeste Scheiß ist, aber ihr Deutschen seid aufgeschlossen, euch auch jemanden wie mich anzuhören. Darüber hinaus gibt es noch eine ganz persönliche Beziehung zu Köln.

Welche denn?

Ich hatte mal eine Freundin hier, das war 2004. Während ich „24“ drehte, verbrachte ich einen unvergesslichen Sommer mit ihr in der Stadt. Das hat damals so gut wie niemand mitbekommen. Es war eine witzige Zeit, auch wenn unsere Liebe nur wenige Monate Bestand hatte.

Lange genug für Sie, um die deutsche Sprache zu lernen?

Nein, ein trauriges Kapitel. Neulich wollte ich in einer Bar etwas zu trinken bestellen und machte alles falsch. Ein paar Sätze bekomme ich vielleicht noch zusammen, und ich kann Schnitzel und Wurscht sagen, was zugleich meine Lieblingsessen sind. Und Suppe. Damit komme ich so weit durch.

Ihr aktuelles Album heißt „Reckless & Me“. Beschreiben Sie mit reckless, also rücksichtslos, auch sich selbst?

Nein, Reckless war mein Pferd. Ich habe diesen Gaul geliebt. In den Neunzigerjahren hatte ich eine wunderbare Zeit als Rodeoreiter, und immer, wenn ich ihn abends absattelte, bevor wir durch die Nacht zum nächsten Turnier fuhren, waren wir beiden ganz allein und sehr vertraut miteinander. Das waren so ziemlich die ruhigsten Momente, die ich je in meinem Leben hatte. Wenn ich mir das Lied jetzt anschaue, kann ich allerdings gar nicht mehr genau sagen, über wen ich es eigentlich geschrieben habe – über das Pferd oder mich selbst und einen Teil meiner Persönlichkeit. Den egoistischen, rücksichtslosen, gemeinen Teil, den ich nur schwer kontrollieren kann.

Was passiert dann?

Na ja, es gab nicht wenige Momente in meinem Leben, in denen ich mich unmöglich aufgeführt habe. Meistens zeichnet sich das vorher ab. Ich muss dann aufpassen, dass ich nicht wieder diesen Hügel hinabrutsche und Dinge tue, für die ich mich später schäme.

Sie sind seit 35 Jahren Schauspieler. In den Neunzigerjahren haben Sie sich eine Karriere als professioneller Rodeoreiter aufgebaut und vor zwei Jahren Ihr erstes Country-Rock-Album veröffentlicht. Was treibt Sie an?

Ich liebe steile Lernkurven. Ich finde es toll, etwas ganz Neues zu probieren, egal in welchem Alter. Mit dem Rodeo fing ich damals an, weil ich auf einer Farm in Montana lebte, ohnehin Pferde und Vieh hatte und feststellte, dass ich geschickt mit dem Lasso bin und ein Händchen für diese Pferde habe. Wenig später gewann ich Turniere. So geriet ich nach und nach in die Rodeoszene, nicht über Nacht und durchaus wohlüberlegt. Denn wenn ich ehrlich bin, waren die Filme, die mir ab Mitte der Neunziger angeboten wurden, größtenteils Mist. Ein paar davon habe ich gedreht, doch ich spürte, wenn ich so weitermachen würde, wäre die Karriere bald vorbei. Also entschied ich, eine Pause zu machen.

Reiten Sie noch?

Ab und zu trainiere ich noch mit dem Lasso. Aber auf einem Pferd habe ich seit sieben Jahren nicht mehr gesessen. Im Jahr 2000 unterschrieb ich für die Serie „24“, die mich die nächsten zehn Jahre lang gut ausgelastet hat.

Kiefer Sutherland (l) und Mary Lynn Rajskub mit ihren Emmys für die beste TV-Serie "24". Sutherland wurde auch als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Quelle: AP

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Eine Bierlaune. Ich spiele Gitarre, seit ich zehn bin. Am Set von „24“, wo es viele lange Umbaupausen gab, hatte ich das Instrument immer dabei und schrieb über die Jahre unzählige Songs. Aber immer nur für mich, ganz privat. Irgendwann vor ein paar Jahren nahm ich mit dem Produzenten und Musiker Jude ­Cole, einem Freund von mir, ein paar Demos auf. Er fand geil, wie ich sang. Ich sträubte mich. Na ja, wir gingen in eine Bar und tranken so lange, bis auch ich von seiner Idee überzeugt war.

Waren Sie auch nüchtern noch froh über diese Entscheidung?

Ja, zu einhundert Prozent. Die Musik ist etwas völlig Frisches. Ich weiß, dass ich bis zum Ende meines Lebens Filme und Serien drehen werde, das kann ich mehr oder weniger im Schlaf. Aber auf einer Bühne oder im Tonstudio zu stehen, das ist immer noch total aufregend für mich. Und wenn mich jemand auslacht, weil er denkt, ich hätte kein Talent oder sei zu alt, dann ist mir das komplett egal. Ich habe in zweieinhalb Jahren 300 Konzerte gespielt, was gibt es bitte Geileres? Mit den Jungs auf Tour zu sein macht mir mehr Spaß, als auf Hawaii am Strand zu liegen.

In „Something You Love“ singen Sie darüber, nackt in den Fluss zu springen. Entsprang diese Aktion auch einer Bierlaune?

Das war wohl eher eine Schnapslaune (lacht). Der Song handelt von dem Luxus, seine Träume leben zu können, sich zu trauen. Viele arbeiten ihr ganzes Leben hart, kümmern sich um ihre Kinder und stellen am Ende des Lebens fest, dass sie wenig von dem gemacht haben, was sie eigentlich machen wollten. Dieser Song soll die Menschen ermutigen, sich Zeit zu nehmen und etwas zu tun, was sie wirklich lieben.

Jedenfalls …

Jedenfalls war ich zusammen mit meinen jüngeren Brüdern bei meinem Vater zu Besuch. Wir hatten uns alle ein paar Jahre nicht gesehen und feierten eine kleine Party am Seeufer. Ich bin der Älteste von uns vieren, und irgendwann, mein Vater war schon schlafen gegangen, sprang der Zweitälteste ins Wasser, obenrum mit Schwimmweste, untenrum nackt. Mein Bruder ist ein großer, kräftiger Kerl, mein Gott, was sah der bescheuert aus. Aber auch verdammt ulkig. Das war einer der lustigsten Abende seit Langem.

Wie nahe stehen Sie Ihrem Vater?

Wir lieben uns, aber ich wünschte, wir hätten mehr Geschichten, die wir miteinander teilen könnten. Unser Verhältnis ist nicht so eng, wie ich es mir wünschen würde. Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, er hat sein ganzes Leben lang gearbeitet, ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet. Wir beide haben jeweils mehr als 100 Filme gemacht und nur einen einzigen zusammen, den Western „Forsaken“. Die zwei Monate während der Dreharbeiten waren die längste Zeit, die wir beiden am Stück miteinander verbracht haben.

Im schönen, aber auch traurigen Stück „Saskatchewan“ singen Sie darüber, Ihre Mutter in Ihrer Heimat zu Grabe zu tragen. Aber sie lebt doch noch, oder?

Ja, allerdings hatte sie vor drei Jahren ihren dritten Schlaganfall. Meine Schwester rief damals an und sagte: „Du musst sofort heimkommen, die Ärzte sagen, sie wird es nicht schaffen.“ Ich bin sofort ins Flugzeug gestiegen und hatte Angst, ich würde mich nicht mehr von ihr verabschieden können. Und immer, wenn mich etwas sehr beschäftigt, neige ich dazu, aufzuschreiben, was ich gerade durchlebe. Auf diesem Flug rief ich mir ins Bewusstsein, wie viel mir meine Mutter bedeutet und wie wenig ich eigentlich über sie wusste. Das alles habe ich mir auf drei Servietten notiert – das war das Rückgrat dieses Songs. Meine Mutter hat dann doch überlebt, aber wenn sie eines Tages stirbt, habe ich die Trauererfahrung sozusagen schon hinter mir.

Auf Tour mit seinem neuen Album: Kiefer Sutherland. Quelle: Justin Ng/Retna/Avalon/dpa

Der „Song for a Daughter“ dürfte wohl Ihrer Tochter Sarah gewidmet sein?

Klar. Ich war gerade zum ersten Mal seit drei Jahren wieder zu Hause, vorher war ich entweder in Toronto, um „Designated Survivor“ zu drehen, oder auf Tournee. Ich irrte durch die Küche auf der Suche nach Töpfen und Geschirr und sah plötzlich das erste Foto, das von ihr gemacht wurde. Sie war gerade erst geboren. Daneben hing ein Bild, auf dem Sarah drei Monate alt ist. Wir liegen nebeneinander im Bett, und ich stecke ihr einen Finger in den Mund, um sie zum Lachen zu bringen, und sie lacht tatsächlich. In dem Moment kam mir die Idee zu „Song for a Daughter“. Und ich merkte, ich schreibe dieses Lied nicht für sie, sondern für mich. Damit sie, wenn ich nicht mehr bin, etwas hat, das ihr zeigt, wie sehr ich sie geliebt habe.

Ihre Tochter ist 31 und ebenfalls Schauspielerin. Sind Sie ein Vorbild für sie?

Ja, das bin ich schon. Ich bin sehr ehrlich mit ihr, was die Fehler angeht, die ich gemacht habe. Aber ich habe ein paar Qualitäten, die ich an mir sehr mag: Ich lüge dich nicht an, ich bin direkt, und ich bin loyal. Meine Tochter weiß diese Charakterzüge an mir zu schätzen. Sie hat sie auch.

Haben Sie gemeinsame Rituale?

Wir telefonieren jeden Tag miteinander, jeden. Und früher haben wir Sonntag für Sonntag zusammen zu Abend gegessen, egal, was sonst los war in unserem Leben. Ich weiß noch, sie war 15, als wir das Restaurant verließen und ich zu ihr sagte: „Tut mir leid, Schatz, dass wir beide uns gegenseitig großziehen mussten.“ Sie lächelte und meinte: „Ich hätte es nie anders gewollt.“ Ich war 21, als Sarah geboren wurde, praktisch selbst noch ein Kind und oft überfordert. Heute weiß ich, dass Kinder keinen lässigen, erwachsenen Freund brauchen, sondern Eltern. Ich hatte großes Glück, dass das Kind so schlau ist. Sie hat mir vieles erspart.

Sie sind seit fünf Jahren mit dem Model Cindy Vela liiert. Würden Sie mit dem Wissen von heute gerne noch einmal Vater werden?

Nein! (lacht) Auf gar keinen Fall. Ich habe so viel Glück gehabt, das fordere ich jetzt nicht heraus. Mit dem Kinderkriegen bin ich durch. Ich habe ja schon zwei Enkel, die Söhne meiner Stieftochter Michelle.

Für Ihre 52 Jahre haben Sie schon viel Leben gelebt, oder?

Oh ja. Aber unterm Strich hatte ich viel mehr Glück als Unglück. Gut, ein paar Dinge hätte ich mir schenken können. Ich bereue es wirklich, im Gefängnis gewesen zu sein.

Was war der Grund?

Alkohol am Steuer. Fast drei Monate habe ich gesessen. Und das war nicht das einzige Mal. Ich war echt unreif und dumm und hoffe inständig, dass mir das heute nicht mehr passieren würde. Aber jedem von uns, der eine gewisse Zeit auf Erden ist, wurde schon mal das Herz gebrochen, jeder hat schon mal jemand anderen verletzt, enttäuscht und betrogen, jeder von uns hat Menschen sterben sehen, die uns nahestanden. Über all diese Erfahrungen spreche ich nicht nur mit meinen Freunden, sondern ich schreibe auch meine Songs darüber. Das, was ich vom Leben verstanden habe, das gebe ich weiter.

Sie spielen in der Serie „Designated Survivor“ den idealistischen US-Präsidenten Tom Kirkman. Was verstehen Sie von Politik?

Ich bin Kanadier mit britischem Pass, aber ich liebe die USA und lebe seit 30 Jahren sehr gern dort. Und obwohl ich es versuche, kann ich nicht begreifen, warum nicht nur in Amerika Intoleranz und Nationalismus so auf dem Vormarsch sind. Ich habe die USA noch nie so zerrissen gesehen. Donald Trump ist ein Rassist und ein Spalter, aber er ist nur ein Nebenprodukt dieser Entwicklung, wenn auch ein gefährliches.

Ist Ihr Tom Kirkman der Anti-Trump?

Er ist weitestgehend ein Idealist. Bei „Designated Survivor“ versuchen wir zu betonen, dass politisches Handeln auch aus Kompromissen, aus Mitgefühl und aus Menschlichkeit motiviert sein kann. Für manch einen ist das wohl eine komplett neue Erkenntnis.

Spielt in „Designated Survivor“ eine Art Anti-Trump: Kiefer Sutherland in Berlin. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Kiefer Sutherland: Vom verlorenen Jungen zum Country-Rock-Sänger

Sein vollständiger Name lautet Kiefer William Frederick Dempsey George Rufus Sutherland. Das klingt zwar imposant, ist fürs Filmgeschäft aber doch etwas lang. Also beließ es der am 21. Dezember 1966 in London geborene Kanadier mit britischem Pass, der schon lange in den USA lebt, bei nur einem Vornamen.

Ende der Achtzigerjahre übernahm der Sohn von Schauspielstar Donald Sutherland und dessen Kollegin Shirley Douglas erste Rollen in Filmen wie „Stand by Me“, „The Lost Boys“ und „Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben“. Die Rolle in Joel Schumachers Horrorthriller verhalf ihm zum endgültigen Durchbruch in Hollywood. Während der Dreharbeiten lernte er Julia Roberts kennen, mit der er eine Weile liiert war.

In den Neunzigerjahren spielte Kiefer Sutherland zwar weiterhin in zahlreichen Kino- und Filmproduktionen, doch war er in eher kleinen oder wenig herausfordernden Rollen zu sehen. Schlagzeilen machte er hauptsächlich mit Auftritten als Rodeoreiter und privaten Eskapaden. So ging die Liebesbeziehung mit Kollegin Roberts einige Tage vor der geplanten Hochzeit auseinander. Zu dem Zeitpunkt hatte Sutherland bereits eine Tochter, Sarah. Deren Mutter ist die Schauspielerin und Produzentin Camelia Kath.

Sutherlands Karriere bekam einen immensen Schub, als er im Jahr 2000 die Hauptrolle in der TV-Serie „24“ übernahm. Die Rolle des US-Agenten Jack Bauer, der versucht, terroristische Attentate zu verhindern, brachte ihm wegen des brachialen Auftretens der Figur, die vor Folter nicht zurückschreckt, zwar auch Kritik ein. In erster Linie aber einen immensen Erfolg beim Publikum sowie einen Golden Globe und eine Emmy-Auszeichnung.

Außerdem verhalf „24“ Sutherland zu viel Geld: Zwischenzeitlich galt er als einer der bestbezahlten Seriendarsteller weltweit. Derzeit ist er in der Netflix-Serie „Designated Survivor“ zu sehen, deren dritte Staffel demnächst anläuft.

In jüngster Zeit ist Kiefer Sutherland vor allem in Deutschland regelmäßig als Musiker zu erleben. 2016 war sein erstes Country-Rock-Album, „Down in a Hole“ erschienen. Vor Kurzem hat er das Album „Reckless & Me“ veröffentlicht, mit dem er in den kommenden Monaten auch in Deutschland tourt. So tritt er am 28. Juli in Lörrach auf, am 3. Oktober in Hamburg, am 4. Oktober in Berlin und am 9. Oktober in Köln.

Von Steffen Rüth

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