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Kultur Weltweit Fast Food mit Migrationshintergrund: 70 Jahre Currywurst
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21:03 04.09.2019
Muss auch mal sein: Currywurst mit Pommes. Quelle: picture alliance / dpa Themendie
Hannover

Quinoa hin, Grünkohl-Smoothie her: Die Deutschen essen pro Jahr 800 Millionen Currywürste. Also: alle zusammen. Das macht pro Deutschen im Schnitt zehn Currywürste. Wenn wir davon ausgehen, dass Babys, Zahnlose und Vegetarier als Currywurstkundschaft wegfallen, und wenn wir dann noch subjektive Erfahrungen und Mengenangaben aus dem Leben des Autors in die Statistik einrechnen, lautet das Resultat: Sehr viele Deutsche essen pro Jahr sehr viele Currywürste.

Der Kantinenklassiker ist das Gegenteil von Hipsterkost. Ein kulinarischer Monolith des Altvertrauten. Brühwurst, Soße, Pulver, Pommes-Schranke, Cola. Fertig ist das Glück. Currywurst ist der Kaviar des kleinen Mannes. Deshalb ist ihr Verzehr auch ein Statement: Ich nehme teil am Leben nach alter Väter Sitte, ich gehöre dahin, wo es nach Frittenfett, Benzin und Koksofen riecht.

„Kommse mit?“: Die „Tatort“-Schauspieler Dietmar Bär (l.) und Klaus J. Behrendt lassen ihre Fälle regelmäßig an der Currywurstbude am Kennedyufer bei der Deutzer Brücke in Köln ausklingen. Quelle: picture alliance / Geisler-Fotop

Niemand kann genau erklären, warum die Verschmelzung von stangenförmigem Brühfleisch mit oder ohne Pelle mit einer angloindischen Gewürzmischung aus Kurkuma, Koriander, Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer und Bockshornklee zum Fast-Food-Superhit wurde. Der deutsche Esser ist ja ansonsten nicht sonderlich experimentierfreudig. Exoten haben es schwer im Land der Kartoffel. Wann und wo jedoch der frühe Prototyp der Crossover-Cuisine das Licht der Welt erblickte, gilt als gesichert: Die Berliner Gastronomin Herta Heuwer betrieb im Sommer 1949 einen Imbissstand an der Ecke Kant- und Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg. Sie war es, die als Erste eine rote Soße aus Tomatenmark, Currypulver und Worcestersoße zur Bratwurst servierte – und Gastronomiegeschichte schrieb. Über Details der Wursthistorie freilich herrscht Unklarheit. Wurstmutter Heuwer schwor stets Stein und Bein, dass ihr genau am 4. September 1949 die Soßenerleuchtung kam – an einem regnerischen Sonntag. Wetteraufzeichnungen jedoch zeigen, dass jener Sonntag ein trockener war. Wurstwetter schnurzegal. Es schmeckte.

„Spezial-Sosse“ beim Patentamt

Wurstmutter Heuwer erwies sich als clevere Marketingstrategin, nagelte werbewirksame Schilder an ihre Bude („1. Currywurst-Braterei der Welt“, „Eine von uns erdachte Berliner Spezialität“) und ließ 1959 die Wort-Bild-Marke „Chillup“ unter der Nummer 721319 als Warenzeichen für „Spezial-Sosse“ beim Deutschen Patentamt eintragen. Der Rest ist ein einzigartiger Soßensiegeszug. Bloß dass niemand „Chillup“ verwendete und heute jedermann großflächig Currysoße aus Großmarkteimern über Millionen Würste kippen darf, ohne dass Mutter Heuwer und ihre Kinder auch nur einen Cent davon sähen. In den Sechzigern schwappte die Wurstwelle dann auch über die Mauer nach Ost-Berlin, wo sich unter anderem Konnopke’s Imbiß als führend in Wurstangelegenheiten hervortat.

„Ihre Idee ist Tradition und ewiger Genuss“: Gedenktafel für Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer an der Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg. Quelle: picture alliance / Bildagentur-o

Offizielle Hymne der Currywurst ist selbstverständlich der gleichnamige Song von Pottbarde Herbert Grönemeyer („Kommse vonne Schicht, / Wat schönret gibt et nich / als wie Currywurst …“). Das Lied erschien 1982 nur deshalb auf dem Album „Total egal“, weil noch ein Song fehlte und Grönemeyers Produzent, Freund und Kupferstecher Jürgen Triebel den ruhrdeutschen Text geschrieben hatte. Triebel moderierte dann später die ARD-Vorabendsendung „WWF-Club“, schrieb die Erkennungsmelodie der „Mini Playback Show“ bei RTL und machte als Warm-upper bei „Schreinemakers Live“ in Sat.1 das Studiopublikum heiß. Dies nur am Rande.

Die Currywurst wird 70 - Eine Frage der Soße

Currywurst“ wurde Kult. Als Wurst sowieso, als Lied dann auch. Bei Wikipedia findet sich dazu der wunderschöne Satz: „Jürgen Nielsen-Sikora bezeichnete Grönemeyer wegen seines Vortrags von ,Currywurst‘ als neben Ernst Bloch bedeutendsten ,Vertreter der konkreten Utopie‘.“ Und Utopie ist das Stichwort: Trotz aller Ernährungstrends, trotz aller Appelle, den Fleischkonsum einzuschränken, bleibt die Currywurst der Star des schnellen Essens. Und sie bekam ihre Unverwechselbarkeit jüngst gesetzlich bestätigt: Vegetarische Ersatzprodukte dürfen nicht mehr „vegetarische Currywurst“ genannt werden. Nur Currywurst heißt und schmeckt so. Ist doch auch schön, dass im rasanten Reigen der Moden manches einfach bleibt, weil es einfach bleibt. Vielleicht ist das schon das ganze Erfolgsgeheimnis.

Erfolgreicher als der VW Fridolin: Die VW-Currywurst

Zu einiger Bekanntheit über die Wolfsburger Werksgrenzen ist die VW-Currywurst gekommen. Der Grund dürfte die erfreuliche Kompromisslosigkeit bei Größe und Geschmack sein. Nicht verkaufte Exemplare wurden bei Volkswagen bis 1972 auch als Pleuelstange im Vierzylinder-Boxermotor des VW 147 „Fridolin“ verwendet.

Von Imre Grimm/RND

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