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Kultur Weltweit “Downsizing“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit “Downsizing“ und mehr DVD-Tipps
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17:33 19.08.2018
Quelle: iStockphoto
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Hannover


Eric Clapton - Life in 12 Bars. Kinder finden eigene Wege aus der Einsamkeit. Für den kleinen Engländer Eric Clapton war es sein Fantasiepferdchen, mit dem er durch seine imaginäre Wildwestwelt ritt und das er stets draußen vorm Haus anband. Mit neun Jahren musste der scheue Junge dann erfahren, dass die Frau, die er für seine Mutter hielt, seine Großmutter war. Und dass seine wahre Mutter ihn grausam von sich wies.

Ein Einzelgänger war Clapton, still und schüchtern, bis er die Gitarre entdeckte, perfektionierte, man ihn wegen seiner Virtuosität “Gott“ nannte und er einer der größten Musiker seiner Generation wurde. “Eric Clapton – Life in 12 Bars“ erzählt die an Tragödien reiche Geschichte eines Musikpioniers der Sechzigerjahre, der so vernarrt war in den Blues der afroamerikanischen Künstler, dass er seine erste namhafte Band, die Yardbirds, hinter sich ließ, als die mit “For Your Love“ erstmals einen kommerziellen Popsong aufnahm. Und der mit seiner nächsten Band, Cream, den Blues mit den Mitteln des Rock’n’Roll und des Jazz zu etwas völlig Neuem erhob.

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Eine fantastische Doku, deren Livemomente aus den Zeiten, als Rock unbesiegbar schien, oft so glasklar wirken, als seien sie gestern erst aufgenommen worden. Und deren selbstzweiflerischer Held nicht nur als besessener Musiker sondern auch als romantischer Ritter erscheint, der seine vergebliche Liebe zu George Harrisons Ehefrau Pattie in Liedern ausdrückte. Das Kompliment, dass ihm der große Bluesmann B. B. King am macht, ist wahrscheinlich das bewegendste, das je ein weißer Bluesmusiker von einem schwarzen zuhören bekam. Man ist zutiefst ergriffen.

Eric Clapton - Life in 12 Bars Quelle: Universum

I Kill Giants. Barbara (Madison Wolfe) ist eine Schwester des jungen Conor aus J. A. Bayonas “Sieben Minuten nach Mitternacht“ und mehr noch eine von Jack Sawyer, dem Helden von Stephen Kings und Peter Straubs gemeinschaftlicher Romanarbeit “The Talisman“, deren Verfilmung nun schon seit Jahrzehnten auf sich warten lässt. Alle drei sind sie Kinder, die sich mit unheilbarer Krankheit und dem Tod eines Elternteils auseinandersetzen müssen, und die den Tod auf besondere Weise niederringen wollen.

Was das 12-jährige Mädchen umtreibt, das sich mit seiner eigentümlichen Kostümierung und seinem Fahrradanhänger voller seltsamer Utensilien zum Angriffsziel ihrer Mitschüler macht, weiß man zunächst nicht genau. Sie beschmiert Bäume mit einer himbeerfarbenen Substanz, um Riesen anzulocken, die sie töten will um ihre Stadt vor ihnen zu retten – mit einem magischen Beil aus einem Rentierknochen, das sie in ihrem herzförmigen Täschchen verbirgt.

Der dänische Regisseur Anders Walter, der in seinem ersten abendfüllenden Film auf Motive seines Kurzfilms “Helium“ (2013) zurückgreift, vermischt Fantasie und Wirklichkeit zu einem zauberhaften Gemenge. Seine furchtlose Heldin ist wie Cervantes‘ Don Quixote überzeugt von der Existenz der Giganten, womit sie vielleicht sogar recht hat, sich aber dennoch in deren Natur täuscht. Auf ihrer Seite stehen nur eine junge Lehrerin (Zoe Saldana), ihre völlig überforderte ältere Schwester (Imogen Poots) und ihre einzige Freundin (Sydney Wade), die lange nicht weiß, ob es Freundschaft oder nur Neugier ist, die sie an Barbara bindet.

Ein Märchendrama, leicht inszeniert, mit Trickfilmelementen angereichert, das beweist, dass es keines Blockbusterbudgets bedarf, mit dem man den halben Urwald der Erde retten könnte, um fantastische Geschichten zu erzählen. Weshalb dieser Film an den deutschen Kinos vorbei direkt ins Heimentertainment ging, darüber lässt sich lange rätseln.

I Kill Giants Quelle: Koch Media

Sturm der Gefühle. Mit einem deutschen Daily-Soap-Titel wie “Sturm der Gefühle“ kommt man natürlich kaum über ein Makrameeclub-Publikum inklusive Pilcher-Pilgern hinaus. Schon ein Blick auf den Namen der Regisseurin könnte einen dabei eines Besseren belehren. Sally Wainwright steht für die beiden erstklassigen britischen Polizeiserien “Scott & Bailey“ und “Happy Valley“.

In ihrem Fernsehfilm “To Walk Invisible: The Bronte Sisters“ (Originaltitel) führt sie uns zurück in die erste Hälfte des 19.Jahrhunderts, wo die drei heimlich ihrer Liebe zum Schreiben frönenden Schwestern Charlotte (Finn Atkins), Emily (Chloe Pirrie) und Anne (Charlie Murphy) unter geschlechtsneutralen Pseudonymen bei einem Verlagshaus in London unter Vertrag genommen werden, und – im Landpfarrhaus bei ihrem kränklichen Vater (Jonathan Pryce) und dem von einer unglücklichen Liebe aus der Bahn geworfenen Bruder Branwell (Adam Nagaitis) verbleibend – lange nicht erfahren, zu welcher Berühmtheit es ihre Werke gebracht haben.

“To Walk Invisible“ lässt den Zuschauer in eine Zeit blicken, in der Frauen kaum Rechte hatten, ihnen auch kein Genie zugestanden wurde, und ihre Dichtkunst oft abfällig als gefühlige Säuselei bewertet wurde. “To Walk Invisible“ ist die eindringlich inszenierte, gut gespielte Geschichte eines Triumphs über Konvention und Klischee. Und wer sich weiter mit der Figur des völlig aus dem Ruder laufenden, von den Musen ungeküsst bleibenden Bruders Branwell beschäftigen möchte, dem sei Daphne du Mauriers Roman “Doch mich verschlang das wild’re Meer“ empfohlen.

Sturm der Gefühle Quelle: Universum/Universal

Der 12. Mann. Zwölf Mann, ein Kommando. Von den Shetland-Inseln rücken Jan Baalsrud (der in Norwegen als Rapper bekannte Thomas Gullestad) und elf weitere Freiheitskämpfer im März 1943 aus, in Norwegen bei den Nazibesatzern zu spionieren und zu sabotieren. Aber die Reise im Trawler endet im Fiasko. Bis auf Baalsrud werden alle Beteiligten sofort erschossen oder gefangen genommen, gefoltert und dann erst umgebracht.

Der holländische Regisseur Hans Zwart (bekannt durch Jugendfilme wie “Karate Kid“) erzählt die Geschichte des überlebenden Zwölften, der sich auf eine der unglaublichsten Fluchten des Zweiten Weltkriegs macht. Sein Gegenspieler, der SS-Offizier Kurt Stage (Jonathan Rhys-Meyers, “Matchpoint“) glaubt, als SS-Offizier Kurt Stage von Anfang an nicht an Baalsruds Ertrinken im Eiswasser des Fjords, und so leistet er sich, besessen von der Idee nationalsozialistischer Unerbittlichkeit, eine wahnsinnige Verfolgungsjagd – ständig infrage gestellt durch seinen Untergebenen (Martin Kiefer) und manchmal - ohne es zu wissen – nur ein paar Heubüschel von dem Verfolgten entfernt.

Das unglaubliche Leiden seines Helden, der mit verwundetem/halb erfrorenem linken Fuß durch die Eishölle stapft, lässt den Zuschauer sich regelrecht im Sessel aufzubäumen. Zwart macht Baalsrud dem Publikum mit ein paar gekonnten Begegnungsskizzen vertraut, so dass er weit mehr ist als die Antinazifigur, der sich der Zuschauer allein durch deren Positionierung verbunden fühlt. Ein wahrhaft mitreißendes Drama – bis zum überraschenden Höhepunkt.

Der 12. Mann Quelle: Constantin

Novitiate. Wenn Melissa Leo eine Novizin im Kreuzgang des Konvents zurechtweist, die es wagte, sie während der “Großen Stille“ anzusprechen, pflanzt sie mit ihrem gewaltigen Furor Gottesfurcht in das junge Herz. Diese zunächst gütig wirkende, strenge Mutter Oberin hat dann kohlschwarze Augen, gefletschte Zähne und in ihrer Menschenverachtung steckt auch die Verachtung für und Verunsicherung über die frisch verkündeten Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils, das eine (für moderne Katholiken) noch viel zu zaghafte Öffnung zur Welt bedeutet. Und das zugleich die Rolle der Nonnen auf die eines ganz normalen gläubigen Christen herabsetzt.

Die Regiedebütantin Maggie Betts erzählt aus dem Amerika der Sechzigerjahre, kurz nachdem Fred Zinnemans als Skandal empfundene “Geschichte einer Nonne“ (1959) mit Audrey Hepburn in den Kinos lief und erstmals eines realistischen Blick hinter die Mauern eines Frauenordens warf. Die junge Cathleen ist viel ernsthafter im Glauben als der Rest ihrer Familie. Sie beschließt im Alter von 16 Jahren ins Kloster zu gehen nachdem sie ein Gottesdienst in ihrer Kindheit tief beeindruckt hatte (eine Entscheidung, die für den Zuschauer nur schwer nachzuvollziehen ist).

Betts schildert Cathleens Weg zu Überzeugung und zurück zum Zweifel, illuminiert das Regiment von Stille und Schweigen im Konvent, die psychische Tortur auf dem Weg “die perfekte Braut des Erlösers“ zu werden. Und Margaret Qualley ist überzeugend bei ihrer Suche nach absoluter Hingabe. Der Hunger nach Ordnung und Sinn wird von dem Wunsch nach Freiheit und der Welt unterlaufen. Das Kloster erscheint als Ort der Zuflucht für die einen, als Gefängnis für die anderen. Es entmenscht, so dass jeder Moment, ein selbstbestimmtes Individuum sein zu wollen, sofort mit dem Gefühl der Schuld belegt wird. Ein sehenswertes Zeugnis einer im Verschwinden begriffenen Sphäre, ein besonderes Coming-of-Age-Drama.

Novitiate Quelle: Sony

Paulus – der Apostel Christi. Rom hat gebrannt, viele haben ihr Leben verloren, andere ihre Existenz. Die Schuld hat Kaiser Nero der neuen Sekte der Christen in die Schuhe geschoben. Sie enden im Zirkus oder als lebende Fackeln zur Beleuchtung der Straßen Roms. Der Apostel Paulus (James Faulkner) wartet in jenen Tagen im Kerker auf seine Hinrichtung, der Evangelist Lukas (Jim Caviezel) erschleicht sich Besuche, um einen letzten Brief des Christusberufenen niederzuschreiben, einen Brief, der die auseinanderbrechende römische Gemeinde stabilisieren soll.

Und so erzählt der Mann aus dem kilikischen Tarsus (heutige Südtürkei), wie er durch eine Erscheinung Jesu vom Christenverfolger zum Menschenliebenden und Missionar wurde. Parallel baut Regisseur Andrew Hyatt die Geschichte des Präfekten Mauritius Gallas (Olivier Martinez) auf, der Paulus‘ Gefängnisdirektor ist und in Zweifel gerät über seinen Herrscher, dessen Befehle, die Güte seiner Götter und die Werte seiner Gesellschaft.

Hyatt ist Spezialist für christliche Stoffe und der Hardcore-Christ Caviezel, der zurzeit angeblich ein Auferstehungssequel seines berühmtesten Films, “Die Passion Christi“, vorbereitet, ist nicht unbedingt geeignet, einen für diesen Streifen zu begeistern. Und dennoch ist dieser Film weit entfernt von dem üblichen, schmalzigen amerikanischen Hosiannna-Erbauungsstreifen mit ihren seifigen Unbedingtheitsdialogen.

In “Paulus“ wird die Essenz des christlichen Glaubens auf anspruchsvolle, kluge und nachvollziehbare Weise verhandelt. Hier wird die Liebe als alles überwindende Kraft nicht mit den leuchtenden Augen von Christusbesessenen halluziniert wie so oft in dieser Kinosparte, sondern es werden bedächtig, in überzeugenden Dialogen, mit gutem Schauspiel die Menschen jener Zeit wachgerufen.

Paulus“ ist jenseits seiner am Ende doch eindeutigen Parteinahme (natürlich wird die Superwaffe “Wunderheilung“ eingesetzt) ein Film, der sich für alle eignet, die den religiösen Ursprung einer humanistischen Gesellschaft nachvollziehen möchten. Ein Film, der sich für alle empfiehlt, die derzeit – bedingt durch die sogenannte “Flüchtlingskrise“ - von den Geboten der Menschlichkeit abzufallen drohen.

Paulus – der Apostel Christi Quelle: Sony

Ein Mann sieht rot. Als Michael Winners Film “Ein Mann sieht rot“ (Originaltitel “Death Wish“) 1974 in die Kinos kam, war New York eine Kapitale der Kriminalität. Schon ein paar Jahre zuvor hatten Simon & Garfunkel singend vor dem Central Park als einem Ort gewarnt, an dem man nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht unterwegs ist.

Am helllichten Tag werden Tochter und Ehefrau des Architekten Paul Kersey in ihrer New Yorker Wohnung überfallen. Die Frau stirbt an den Folgen von Schlägen und Tritten, die Tochter ist fortan in einem Vergewaltigungstrauma gefangen. Während der weinerliche Schwiegersohn sich keinen Rat weiß, beginnt der bis dato unbescholtene Bürger Paul einen Feldzug gegen die Jugendbanden der Stadt, fährt spät U-Bahn und sucht abseits gelegene Ecken der Stadt auf, um dem Raubgesindel das Gefühl sicherer Beute zu geben. Dann zückt er seine Waffen, zunächst eine mit Dollarmünzen gefüllte Socke, später einen tödlichen Revolver.

Der mordende Vigilant wird vom Volk als Retter gefeiert, von der Polizei als Verbrecher verfolgt. Der Film mit Charles Bronson entfachte seinerzeit eine Debatte um Selbstjustiz, ähnlich wie neun Jahre später Peter Hyams‘ “Ein Richter sieht rot“ (OT: “The Star Chamber“) mit Michael Douglas. Der Zuschauer soll das Auge-um-Auge-Vorgehen des Helden gutheißen und Bronson spielt die Geschichte einer Eskalation glaubwürdig.

Wohl ist “Death Wish“ – außer ein solider Thriller – ein Film den man pro und contra Waffenlobby interpretieren könnte, meist aber pro interpretieren wird. Viel bedenklicher als das Original ist die neulich erst im Kino gelaufene Neuversion mit Bruce Willis – ein No-Go in Zeiten eines Präsidenten, der wohl noch, nachdem sein halbes Volk durch Schusswaffen ums Leben käme, keine andere Lösung fände, als den Hinterbliebenen seine Gebete zu schicken.

Ein Mann sieht rot Quelle: Studiocanal

In The Dark, Miniserie. Detective Helen Weeks von der Polizei von Manchester kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um dort das Verschwinden zweier Mädchen aufzuklären. Was den Fall persönlich macht, ist, dass der Ehemann ihrer ehemals besten Freundin, ein bekannter Päderast, unter Verdacht steht. Was ihr parallel dazu im Kopf umherzieht, ist ihre Schwangerschaft und dass ihr Freund Paul womöglich nicht der Vater des Kindes sein könnte.

Der zweite, deutlich intensivere 100-Minüter dieser Miniserie erzählt von einer brutalen Jugendgang in Manchester. Deren Initiationsritus beinhaltet offenbar, auf eine zufällig im Auto vorüberfahrende Person zu schießen. Die Frau rammt eine Bushaltestelle und bringt dabei Helens dort wartenden Freund zu Tode. Die Ermittlungen in eigener Sache bringen diese Abgründen nahe, in die sie nie blicken zu müssen hoffte: Ein Bandenkrieg bricht aus, und nach einem Gespräch mit einem Mobster (Tim McInnerny) wird ihr klar, dass Paul ein Doppelleben führte. Nicht die letzte überraschende und desillusionierende Erkenntnis.

Die BBC-Serie “In The Dark“ (nach zwei Kriminalromanen des Schriftstellers Mark Billingham) zeichnet ein düsteres, verlorenes Brexit-England voller schroffer und zurückweisender Menschen. Die in Schweden geborene Schauspielerin MyAnna Buring, bekannt als Long Susan aus der Historienthrillerserie “Ripper Street“, fasziniert mit ihrem nüchternen, undramatischen Blick auf die eigene Spezies. Zwar ziemlich deprimiend, dennoch: gerne mehr davon.

In The Dark Quelle: Polyband

Unter Feinden – Walking With The Enemy. Ungarn stand an der Seite des Dritten Reichs, bis sich das Blatt zu wenden begann. Da wollte die ungarische Regierung das Bündnis aufgeben und sich den Alliierten als Partner andienen, was von Hitler als unbotmäßiges wetterwendisches Verhalten bewertet und mit einer äußerst unangenehmen deutschen Präsenz im Lande quittiert wurde.

Der Film “Unter Feinden“ erzählt, wie der Zweite Weltkrieg spät in das bis dato friedliche Ungarn kam, wie auch hier die Unterdrückung der freien Meinung begann, wie sich der bislang eher verhaltene Antisemitismus in Verfolgung und Vernichtung verwandelte und eben noch verträgliche Nachbarn den Nazis zuarbeiteten. Ein junger Mann schleicht sich bei den Besatzern ein, um Juden zu retten, doch die Nazis heften sich an seine Spur, versuchen zudem die massenhafte Ausstellung schweizerischer Emigrationspapiere an Juden zu unterbinden.

Mark Schmidts Drama ist – man muss es leider sagen – nur eine weitere Geschichte über den Holocaust, die den bisherigen wenig Neues hinzufügt. In der Nebenrolle des ungarischen Reichsverwesers Horthy bietet Ben Kingsley ein wenig darstellerischen Glanz in einer filmischen Manifestation des Mittelmaßes. Die Erzählweise aus dem Off erscheint – wie in den meisten Fällen – nicht allzu elegant. Die Synchronisation mancher Rollen ist relativ steif, die Dialoge klingen, als seien sie das Ergebnis von Algorithmen, und viele der Figuren sind lediglich grob skizziert.

Natürlich hat der Film einige aufrüttelnde Momente, gelegentlich schimmert durchaus das Grauen jener Zeiten auf – in der Ohnmacht der Deportierten und der Narrenfreiheit von Sadisten, die die Rückendeckung einer Diktatur haben. In Zeiten wie diesen aber, in denen die empathiearme Rechte sich europaweit wieder Richtung Machtergreifung bewegt, braucht es bessere Filme, um die Demokratie zu verteidigen.

Unter Feinden – Walking With The Enemy Quelle: Tiberius

Downsizing. Bei der Präsentation ist der Hausmüll der schlagendste Beweis für die Effektivität der neuen Prozedur. Die geschrumpften Personen verursachen nur noch einen winzigen Bruchteil des Abfalls der normal großen Menschen. Der Planet, auf dessen Meeren staatengroße Plastikteppiche schwimmen bekommt durch die Erfindung norwegischer Wissenschaftler eine reelle Chance auch mit der Menschheit an Bord weiterhin blau, grün, fruchtbar sein zu können. Und der Amerikaner Paul Safranek (Matt Damon) meldet sich begeistert, will mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) zu den Pionieren zu gehören, die in der Miniaturwunderwelt von Leisureland in luxuriösen Villen wohnen und durch ein Leben in unglaublichem Wohlstand zur Rettung der Welt beitragen.

Freilich lässt Alexander Payne (“Nebraska“) sein Verzwergungsmärchen “Downsizing“ schnell zum Albtraum für den Protagonisten gerinnen. Seine Ehefrau entscheidet sich kürzestfristig für ein Weiterleben in Vollgröße, wovon Paul erst erfährt, als er in unwiderruflicher Zwölf-Zentimeter-Statur aus der Narkose erwacht. Die Scheidung ist teuer, “downgrading“ die Folge - aus der Villa wird schnell eine Wohnung, und der Partys liebende Nachbar (Christoph Waltz) und seine asiatische Putzfrau Ngoc Lan Tran (Hong Chao) lassen Paul entdecken, dass auch diese schöne neue Welt wie alle Utopias ihre dunklen Seiten hat.

Denn was die meisten zum Leben im Kleinen hinzieht, ist nicht Idealismus sondern der damit verbundene Reichtum, Gauner schlagen auch hier ihr Kapital aus den Bedürfnissen und wie in Fritz Langs “Metropolis“ gibt es auch in Leisureland die Kehrseite – Slums, in denen die Heinzelmännchen der Luxuswelt ihr ärmliches Dasein fristen.

Paynes neue filmische Erzählung ist eine finstere Zukunftskomödie, deren Welt der Regisseur und sein Autorenkollege Jim Taylor mit einiger Plausibilität bestückt haben. Payne lässt Endzeitstimmung aufkommen (nur drei Prozent der Menschheit hat sich zu einem Leben in Mausgröße entschlossen) und gewaltige Methanaustritte aus dem Schmelzeis der Antarktis lassen die Tage der Menschheit als gezählt erscheinen.

Die allgemeine Weltuntergangsstimmung trifft freilich auf den unerschütterlichen Optimismus des kleinen Mannes, der nicht etwa untertaucht, als ihm die Möglichkeit geboten wird, sondern sich bereit zeigt, noch das Bäumchen der Hoffnung zu pflanzen. Die Botschaft des ungewöhnlichen Films: Die Sehnsucht nach einem besseren Leben, macht uns kleiner und oft auch passiv. Und: Kapitalismus ist individuell abschüttelbar. Und wenn Paul nicht gestorben ist, dann tut er noch heute Gutes.

Downsizing Quelle: Universal

Docteur Knock. Seit “Ziemlich beste Freunde“ ist der hünenhafte Omar Sy ein Star. Filme kreisen um ihn, die versuchen, den Erfolg (meist mit Komödien) zu wiederholen. Die dabei aber – wie es erfolgssüchtige Kinoprodukte oft sind – verkrampfen im Versuch, Herz und Zwerchfell des Zuschauers gleichermaßen zu beliefern.

Als Komödie ist “Docteur Knock“ nahe an den Klamaukiaden eines Louis de Funès - mit dem stets angesäuselten Briefträger, der beim Versuch, mit dem Rad einem Auto auszuweichen mit dem Kopf voran im Dorfbrunnen landet. Oder mit seiner Gastwirtin mit der militärischen Macke, die aus der kaum gebuchten Herberge ein Hospital macht. Die Geschichte eines Vagabunden, der auf der Flucht vor Gläubigern eine Passage als Schiffsarzt bekommt, sich medizinisch fortbildet und als Arzt in einem Bergdörfchen anheuert, dessen Bewohner er mit Medizin und Behandlung konfrontiert und glücklich macht, kippt bei Bedarf vom Komischen ins Gegenteil.

Als Knocks Geliebte schwer an Tuberkulose erkrankt wechselt die Stimmungslage für einige Zeit ins Dramatische, um mit dem Absturz des bigotten Priesters samt Kanzel wieder zum Jux zurückzufinden. “Docteur Knock“ ist am Ende nicht mehr als ein Vehikel für Sy, ein Märchen, das durch seine unterschiedlichen Tonlagen an einen vermeintlichen Massengeschmack verraten wird und darüber alles Märchenhafte verliert.

Docteur Knock Quelle: Wild Bunch

Von Matthias Halbig