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Kultur Weltweit Michi Beck und Thomas D.: “Wir sind schon lange die deutschen Rolling Stones”
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12:19 14.09.2019
Zusammen groß, zusammen alt: Die Fantastischen Vier - hier sind Thomas D (li) und Michi Beck zu sehen - gibt es seit 30 Jahren. Quelle: imago images / Pacific Press Agency

Alles begann in einem ehemaligen Kindergarten in Stuttgart. 1989 trat dort eine junge Band auf, die als erste Musiker mit „deutschem Sprechgesang“ auf die Bühne gingen. Seit ihrem ersten Hit „Die da?!“ von 1992 haben es Michi Beck, Thomas D, Smudo und And.Ypsilon immer wieder in die deutschen Charts geschafft. Zuletzt gelang ihnen mit „Zusammen“ ein Nummer-eins-Hit.

Bevor ihr bei euren Konzerten auf die Bühne geht, steht ihr im Kreis und ruft laut "Freundschaft!" Seid ihr denn Freunde oder doch eher Kollegen?

Michi Beck: Weder noch. Wir sind eine Familie. Weil wir uns untereinander länger kennen als alle anderen Menschen, mit denen wir sonst in Beziehungen stehen. Wir sind länger miteinander unterwegs als mit den Familien, aus denen wir stammen, oder den Familien, die wir gegründet haben. Das schweißt zusammen und macht es zu einer besonderen Beziehung. Dass wir "Freundschaft" schreien, ist eher ein Schlachtruf.

Thomas D: Es ist aber schon auch eine Freundschaft. Bei der lieben Verwandtschaft ist es anders, die kannst du dir nicht aussuchen.

Michi Beck: Die Fantas aber auch nicht.

Thomas D: Nee, aber damals, vor 30 Jahren, haben wir uns schon gegenseitig ausgesucht. Es ist schon mehr als die Familie, in die man hineingeboren wird. Es fing ja mit der gemeinsamen Liebe zur Hip-Hop-Musik an.

Was bedeutet euch denn Freundschaft?

Thomas D: In einer Freundschaft bist du so, wie du bist, du kannst sein, wie du willst. Du musst dich nicht verstellen. In unserer ichbezogenen Gesellschaft ist ja oft jeder mit sich selbst beschäftigt. Ein Freund aber hört dir zu, er beschäftigt sich auch mal mit dir und nicht nur ständig mit sich selbst. Das auch mal als Freundschaftstipp für andere: einfach mal zuhören ohne die ständige Reflexion. So verhält sich ja sonst nur der Psychotherapeut. Der Psychotherapeut ist neben dem Freund der einzige, bei dem es nur um den anderen geht und nicht um ihn selbst.

Michi Beck: Willst du damit sagen, dass dein Psychotherapeut dein einziger Freund ist?

Thomas D: Vielleicht. Nein, ich habe gar keinen. Aber ich wünsche mir einen Psychotherapeuten als Freund (lacht).

Oder seid ihr alle untereinander Psychotherapeuten?

Michi Beck: Das ist es. Wir sind Psychos und gleichzeitig unsere eigenen Therapeuten.

Ihr seid in diesem Jahr 30 Jahre als Band zusammen – eine verdammt lange Zeit. Wie habt ihr geschafft, dass es so lange hält?

Michi Beck: Gut war, dass wir Ende der Neunziger alle auseinandergezogen sind und nicht alle in Stuttgart geblieben sind. Das wäre da zu eng geworden. Ich glaube, wir hätten ansonsten zu wenig Freiraum gehabt. Deswegen: loslassen und trotzdem schätzen, was man an dem anderen hat. Das ist es, was uns immer noch miteinander funktionieren lässt.

Thomas D: Das ist einer von sehr vielen Aspekten. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass wir uns nicht in einer klassischen Bandkonstellation befinden. Wir spielen ja keine Instrumente. In Bands gibt es oft den Bruch zwischen Sänger oder Sängerin und Gitarrist oder Gitarristin. Der eine schreibt die Songs, der andere bekommt die meiste Aufmerksamkeit. Da gibt es viel Stresspotenzial. Das ist bei uns nicht so, weil wir immer alle gemeinsam kreativ sein müssen. Und ich glaube, wenn man uns so erlebt, und andere Menschen bestätigen das: Wir haben immer noch Spaß an uns selbst und Spaß an unserem Fanta-Ding.

Michi Beck: Wir machen es uns immer noch schön miteinander.

Thomas D: Ja, das kann man so sagen.

Macht ihr es euch vielleicht sogar so schön, dass ihr auch mit 70 noch auf der Bühne steht, und dann so etwas wie die deutschen Rolling Stones seid?

Thomas D: Unverschämtheit. Wir sind schon lange die deutschen Rolling Stones (lacht).

Michi Beck: Nein, das ist Udo Lindenberg. Der ist doch alle Rolling Stones in einem. Das können wir nicht mehr werden. Udo Lindenberg hat alle Stones in sich vereint.

Thomas D: Ein großer Unterschied in diesem Vergleich, der einen natürlich irgendwie auch ehrt, ist doch: Was war der letzte Hit der Rolling Stones?

Da muss ich überlegen.

Thomas D: Ich kenne ihn nicht.

Michi Beck: Und was war der letzte Hit der Fantas?

"Zusammen"

Michi Beck: Also, wer ist berühmter? (lacht)

Thomas D: Nein, berühmter nicht. Aber relevanter und aktueller. Das Schöne ist doch, dass auf unsere Konzerte Leute kommen, die Teenies sind oder jünger. Gut, bei den Jüngeren bin ich mir nicht sicher, dass sie freiwillig zu unseren Konzerten kommen, die werden vielleicht von ihren Eltern gezwungen. Aber Teenies, denen kannst du nicht mehr erzählen: Komm, ich schleif dich jetzt auf ein Rolling-Stones-Konzert. Wenn es die nicht interessiert, dann gehen sie da nicht hin. Und diese 15-, 19-, 23-Jährigen, die bei unseren Konzerten sind, die kommen freiwillig.

Warum kommt ihr denn auch bei deutlich jüngeren Menschen, als ihr es seid, immer noch so gut an?

Thomas D: Weil da eine Authentizität, eine Relevanz ist, etwas, das sie in ihrem Leben bewegt. Und das ist ein großes Geschenk. Wir schreiben Texte, die jetzt mit 50 aus uns raus kommen. Wenn du das rappst und ein 15-Jähriger trippt darauf ab, dann denke ich: Erstens kannst du das noch gar nicht verstehen, da bist du noch 35 Jahre zu jung für. Und zweitens: Irgendwas wird es wohl haben. Es geht um Authentizität.

Ihr habt alles erreicht, was man sich von einem Musikstarleben erhofft: Ihr hattet Hits, ihr habt Erfolg, ihr füllt Stadien, ihr hattet bestimmt auch Erfolg bei Frauen ...

Michi Beck: Hattet.

Thomas D: Bei unseren Familien haben wir immer noch Erfolg. Also zumindest bei einer Frau.

Michi Beck: Bei mir sind's drei. Ich habe zwei Töchter.

... aber warum macht ihr immer noch weiter? Woll ihr ewig rappen? Was treibt Euch an?

Michi Beck: Der Manager (lacht). Smudo hat das mal schön ausgedrückt: Wir sind zu jung zum Nichtsmachen und zu alt, um etwas Neues anzufangen. Was sollen wir denn sonst tun? Das ist unser Beruf, unsere Berufung, unser Leben. Irgendwann hast du doch genug rumgesessen. Dann kommt wieder einer mit einer Idee, du hörst das Stück Musik und denkst: Okay, wir arbeiten weiter. Es ist unser verdammter Job, und das, was wir am allerbesten können. Und das, was du am besten kannst, das machst du auch. Bis du das irgendwann nicht mehr kannst.

Ans Aufhören denkt ihr also nicht?

Thomas D: Guter Witz! Michi denkt seit 1993 ans Aufhören, bis weit in die 2000er hinein war das immer wieder Thema. Irgendwann kam das 20-Jährige, dann das 25-Jährige. Jetzt zum 30-Jährigen haben wir gesagt: Ach kommt, Fanta 4 ever. Ich glaube, mittlerweile bekommt fast jeder Zweite Krebs im Alter. Also rein statistisch wird irgendwann einer wegsterben – und zu dritt können wir nicht mehr die Fantastischen Vier sein.

Michi Beck: Sondern nur noch die Fantastischen Drei.

Thomas D: Und dann die Fantastischen Zwei.

Beide: Und dann noch der Fantastische (lachen).

Michi Beck: Oder der Fantastischste. Der am längsten durchhält, bekommt das Prädikat "Der Fantastischste".

Am 7. Juli feiert Ihr immer Fanta-Geburtstag. Wie habt ihr den 30. in diesem Jahr begangen?

Thomas D: Das war ein sehr schönes Fest.

Michi Beck: Wir haben in diesem Jahr gesagt, dass wir keine große Show machen wie beim 20- und 25-Jährigen, sondern einfach für uns feiern. Wir haben die Menschen eingeladen, die uns so lange begleitet haben, unsere Unterstützer, unsere Familien. Wir haben es tatsächlich das allererste Mal geschafft, unsere Frauen, unsere zehn Kinder, alle gemeinsam auf ein Foto zu bekommen. Das war wirklich bewegend. Wir hatten Tom Gaebel engagiert, der mit einer achtköpfigen Band in feinstem Zwirn kam, alles hing voller Lampions, es war eine laue Sommernacht. Es war irgendwie wie in einem... Patenfilm. Wirklich ein sehr schönes Fest.

Ihr habt jetzt ein besonderes Video gedreht, das euch in der Virtual-Reality-Welt zeigt. Was hat euch dazu motiviert?

Thomas D: Es ist kein Video, eher eine VR-Experience. Virtual Reality wird durchstarten, da mache ich mich mir überhaupt keine Sorgen. Wenn eine neue Technik entwickelt wird und sie gut ist, braucht man natürlich auch Inhalte. Da sind dann wieder die Künstler gefragt. Smudo hatte als Erster so eine Brille. Und nachdem er sie uns auf Tour gezeigt hat, waren wir alle so geflasht, wie schnell das Gehirn sagt: Okay, das ist jetzt Realität.

Der User trifft euch in einer Welt, die er aus dem Video zu eurem Song "Tag am Meer" kennt.

Thomas D: Ja, wir gehen da zurück zu "Tag am Meer", zu einer sehr psychedelischen Erfahrung, die wir hatten, und zu einem Song, der auch sehr psychedelisch ist, und führen die Leute zurück in diese Zeit. Da ist diese Klappe, und da kommen diese vier Typen raus wie in dem Video damals. Wir haben das alles nachgedreht. Aber dieses Mal bist du als Betrachter mittendrin. Michi öffnet seine Kühlschranktür, und man sitzt darin. Ich arbeite zu Hause bei mir in der Eifel im Bagger, und so waren wir bei jedem zu Hause und haben uns sehr privat filmen lassen. Das ist ein sehr schöner Einblick in die Welt der Fantas.

Nächste Woche startet der Kinofilm „Wer 4 sind“ über Euch. Seid Ihr zufrieden?

Thomas D: Ja. Wir waren skeptisch, aber das sind wir eigentlich immer...

Michi Beck: ... wie bei allen Projekten über uns, bei denen wir das Produkt sind und nicht das Produkt schaffen...

Thomas D: ... und dann noch Kino: Wer geht denn bitte ins Kino und schaut sich eine Doku an? Aber die Verleiher sind zuversichtlich, die Kritiker finden den Film super. Und wir auch, weil wir Sachen übereinander erfahren haben, die wir so nicht voneinander wussten.

Woran lag das?

Michi Beck: Für den Film wurden sehr intensive, sehr lange Einzelinterviews geführt. Der Regisseur Thomas Schwendemann hat uns extrem gnadenlos und intensiv befragt. Es ist krass, wenn man sich so gut kennt wie wir, aber plötzlich in dem Film manche Sachen in dem Film nochmal anders ausgesprochen werden als bislang. Der rote Faden ist ja die Produktion unseres letzten Albums, und das wird unterlegt mit kuriosen alten Bildern und diesen intensiven Gesprächen, das ist schon sehr nah, sehr echt und sehr ungeschönt. Aber das muss so sein, so ein Film muss ein bisschen kompromittierend sein, sonst wird er uninteressant.

Konntet Ihr an den Inhalten mitentscheiden?

Michi Beck: Thomas Schwendemann wollte zunächst überhaupt keine alten Bilder. Darüber haben wir dann diskutiert und gesagt: Du kannst nicht nur über die alten Zeiten reden, du musst sie auch zeigen. Aber es ist wirklich ein Film über uns, nicht von uns. Wir sind da bewusst einen Schritt zurückgegangen.

Jetzt seid Ihr in Stuttgart auch noch im Museum zu sehen. Als Musiker ist man doch fast tot, wenn man im Museum ausgestellt wird, oder?

Thomas D: Ja furchtbar, nicht?

Michi Beck: Museum ist erst einmal kurz komisch gewesen. Aber Torben Giese, der Direktor des Stadtpalais in Stuttgart, ist ein sehr progressiver Ausstellungsmacher. Der hat uns mit dem Gedanken der lebendigen Ausstellung, des Interaktiven, überzeugt. Es ist natürlich toll, dass deine Heimatstadt dir ein halbes Jahr lang eine Sonderausstellung in einem Stadtmuseum widmet. Das bedeutet eine große Ehre für uns. Trotzdem haben wir es nicht unreflektiert hingenommen. Wenn Du Teil einer Ausstellung im Museum ist, bist du eigentlich nicht mehr in Wirklichkeit da. Und das ist so ein bisschen ein Widerspruch. Aber dieses VR-Projekt, die Museumsausstellung und der Kinofilm, das alles adelt unser Jubiläum.

Thomas D: Da müssen wir dann wenigstens keine neue Platte machen. (lacht)

Mit Virtual Reality in die Zukunft, mit dem Museum in der Vergangenheit. Das passt doch gut zusammen.

Michi Beck: Ja, aber wir haben uns den Film angeschaut, dann waren wir bei der Eröffnung der Ausstellung, und irgendwann war es dann ein bisschen viel der Retrospektive. Das hat sich nicht nur gut angefühlt.

Thomas D: Aber das ist bei Jubiläen ja immer so. Und es schauen sich jetzt ja nicht bundesweit alle die Ausstellung im Museum an, das ist mehr für die Leute in Stuttgart oder die da hinfahren. Und der Film läuft nicht sehr lange, nur eine Woche. Deswegen habe ich auch nicht die Angst, dass wir die Leute damit jetzt platthauen.

Hören eure Kinder eigentlich auch die Fantas?

Michi Beck: Nicht mehr so viel. Meine Große, die wird jetzt 12, hat "Captain Fantastic" viel gehört, als es neu war, und dazu auch alte Songs. Aber jetzt merke ich schon, dass sie kurz vor der Pubertät beginnt, einen eigenen Musikgeschmack zu entwickeln. Das ist ja auch wichtig.

Thomas D: Ich habe erst vor Kurzem mit meinem Sohn, der ist jetzt 11, darüber geredet, dass man als Musiker eher nicht seine eigene Musik hört. Und da sagte er zu mir: "Stimmt, du hörst deine eigene Musik ja auch nicht." Ich so: "Neeee". Und er sagt: "Ich höre sie ja auch nicht. Stell dir mal vor da kommt einer und fragt: Was hörst du da und ich sage: Fanta 4. Dann sagt der zu mir: Sag mal, hörst Du die Musik von Deinem Vater? Das ist doch uncool." Ich glaube, bei meinen Kids ist das gerade uncool. Das wäre ja so, als würde man seinen Vater irgendwie huldigen. Das scheidet völlig aus.

Deutsch-Rap ist ja gerade enorm erfolgreich, es gibt geradezu einen riesigen Hype. Wie steht ihr dazu?

Michi Beck: Ich finde es super. Es ist wirklich das Größte, dass wir 1991 als allererste Musiker ein deutschsprachiges Rap-Album aufgenommen haben und dass Hip-Hop nach wie vor das Jugendkultur-Highlight ist. Und die prägende Hauptausdrucksform für die Kids. Klar haben die alle ihre eigenen Stars, ihren eigenen Talk, ihre eigene Musik. Aber es fühlt sich schon besonders an, dass wir da so eine Pionierleistung hingelegt haben.

Thomas D: Das kann ich so nicht stehen lassen. Für mich fehlt eine Weiterentwicklung in der textlichen Ebene. Die Kinder und Jugendlichen haben Fridays for Future, es gibt Menschen, gerade auch viele junge Menschen, die realisieren, dass diese Welt nicht mehr lange in der Form bestehen bleibt, wie sie ist. Zumindest wenn man den Wissenschaftlern glaubt. Und ich finde, es fehlt jemand aus der Szene, der nicht über Diamanten rappt, über Bling-Bling, über sein Geld, das er mit Drogen verdient, oder whatever. Man sollte mit den Kindern über die Zukunft des Planeten sprechen.

Warum?

Thomas D: Die Vermittlung eines Bewusstseins für die Lage der Welt wäre im Moment sehr wichtig. Im amerikanischen Rap ist es doch dasselbe. Da geht es auch – mit ein paar Ausnahmen – seit Beginn des Raps um: Ich habe den größten Wagen in der Garage und so. Da fehlt mir eine gewisse Weiterentwicklung.

Michi Beck: Das kann ich wiederum nicht so stehen lassen, weil es in den USA ja Leute mit politischen Texten wie Kendrick Lamar gibt. Es geht beim Rap aber schon auch um ein Lebensgefühl. Du siehst ja: Es gibt Fridays for Future auch so, dafür brauchst du keinen Rapper.

Thomas D: Ich finde, dass im deutschsprachigen Rap immer nur amerikanische Vorbilder kopiert werden - da fehlt's mir an eigenem Bewusstsein.

Michi Beck: Es wird kommen, da bin ich mir ganz sicher: Früher oder später wird einer über Fridays for Future rappen.

Ihr habt ja immer wieder, zuletzt mit "Endzeitstimmung" politische Songs aufgenommen. Wie seht Ihr die momentane politische Lage?

Michi Beck: Die politische Situation wird immer schwieriger. Und es ist keine Besserung in Sicht, solange sich die Welt immer weiter in Arm und Reich spaltet - und das hört ja nicht auf. Konflikte sind weiter programmiert. Wenn ich unsere Gegenwart betrachte, befürchte ich: Wir hatten es besser, als es unsere Kinder haben werden. Und das macht mich traurig.

Thomas D: Ich wundere mich immer, wenn Menschen sagen: Es ist doch egal, was wir hier in Deutschland machen, das ändert doch nichts. Doch. Sei selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst. Mehr kannst du nicht machen. Statt mit dem Finger auf Politiker oder andere zu zeigen, was die falsch machen oder besser machen könnten, geh die Dinge für dich an, in deiner kleinen Welt. Und jeder, den du triffst, wird davon profitieren. Weil du dies mit ihm teilen kannst.

Michi Beck: Man muss versuchen, das Miteinander mehr zu stärken. Smartphones und Co. befördern den Individualismus. Ich und meine Geräte, ich auf meinen Geräten, ich bei Instagram, ich bei Facebook, ich ich ich. Die ganze Technik fördert das.

Thomas D: Wir müssen uns auf grundlegende menschliche Eigenschaften wie Fürsorge füreinander und Liebe besinnen. Aber das wussten wir ja eigentlich schon immer.

Gibt es schon Pläne für ein neues Album?

Thomas D: Die sind kürzlich verworfen worden. Von mir persönlich.

Michi Beck: Wir hatten ein paar Ansätze, wir wollten zwei, drei Nummern zum 30-Jährigen aufnehmen. Aber es ist sehr schwierig, wenn Du gerade eine Platte aufgenommen hast, auf der Du Dinge sagst, die dich wirklich bewegen.

Thomas D: Wir sind außerdem eine Albumband, keine Singleband. One Shots, wen interessiert das?

Michi Beck: Aber wer weiß, vielleicht gehen wir doch noch ins Studio und nehmen sie auf.

Wenn ihr auf die letzten 30 Jahre zurückschaut, was ist euer persönlicher Lieblingssong der Fantas?

Thomas D: Einer?

Michi Beck: Mein Dauerbrenneralbum für mich ist die „4. Dimension“.

Warum?

Michi Beck: Wir wurden 1992 berühmt mit "Die da?!" Aber wir hatten uns missverstanden gefühlt, reduziert nur auf dieses eine Lied. Da hatten wir alle gemeinsam den starken Drang zu zeigen, was musikalisch unsere Welt ist, was uns gefällt, wer wir sind. Das wollten wir mit dem Album vermitteln. Das ist so psychedelisch zum Teil, so stark und hat so eine gemeinsame Intention, dass ich da den stärksten gemeinsamen Move fühle. Das macht es zu meinem Dauerbrenner-Lieblingsalbum. Ein einzelnes Stück kann ich nicht nennen.

Thomas D: Müsste ich ein einzelnes Stück nennen, würde ich im Moment "MfG" sagen. Weil "MfG" eine eigene Sparte eröffnet und direkt wieder geschlossen hat. Ich kenne keinen anderen Song, der das geschafft hat. Du kannst einen wunderschönen Lovesong schreiben, aber es gibt Millionen wunderschöner Lovesongs. Aber einen Song mit Abkürzungen schreibst du einmal, und wenn danach jemand kommt und sagt, ich schreibe einen Song mit Abkürzungen, dann kann man nur entgegnen: Den gibt es bereits, das ist nämlich "MfG" von den Fantas. Es ist ein Song, auf den ich durchaus sehr stolz bin.

Von Kristian Teetz/RND

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