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Kultur Weltweit 350. Todestag: Rembrandt war ein Urvater des Selfies
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20:23 03.10.2019
Ich-Maler: Rembrandts Selbstporträt ist aus dem Jahr 1634. Quelle: epa anp Suyk/anp/dpa

Natürlich, sein berühmtestes Bild ist „Die Nachtwache“. Das 1642 fertiggestellte Ölgemälde für die Amsterdamer Büchsenschützengilde gilt heute als eines der bedeutendsten Werke der Kunstgeschichte. Unverkennbar das Hell-Dunkel-Spiel des Niederländers, das er perfektioniert hatte.

Rembrandts Spitzenwerk: Die „Nachtwache“ im Amsterdamer Rijksmuseum.

Aber Rembrandt van Rijn, der am 15. Juli 1606 in Leiden geboren wurde und vor 350 Jahren, am 4. Oktober 1669, verarmt in Amsterdam starb, war auch ein Freund der Selbstdarstellung. In mehr als 80 Gemälden, Zeichnungen und Radierungen hat der Maler sein Gesicht, seinen eigenen Kopf zum Sujet auf der Leinwand gemacht. Der Taschen-Verlag hat diese Selbstporträts neu abfotografiert und in einem großformatigen Prachtband veröffentlicht.

Die ersten Rembrandt-Selfies sind Radierungen. 1628 stellt er sich mit langem, krausem Haar dar, im selben Jahr mit breiter Nase. Ebenfalls 1628 verewigt er sich das erste Mal in Öl: Das „Selbstporträt als lachender Soldat“ galt lange Zeit als verschollen und wurde erst 2007 wiederentdeckt. Im „Selbstporträt mit offenem Mund“ malt sich der Sohn eines Müllers und dessen Frau erstmals mit Barett, jener Kopfbedeckung, die sein Markenzeichen werden sollte. Und im „Selbstporträt mit verschattetem Gesicht“ fällt das Licht (wie so oft bei Rembrandt) von links, große Teile des Kopfs liegen im Schatten. Dieses frühe Bild zeigt schon die geniale Fähigkeit des Niederländers, mit Licht und Schatten zu spielen.

In dem Band der Herausgeber Volker Manuth und Marieke de Winkel können wunderbar die Entwicklungen in Rembrandts Selbstporträts nachvollzogen werden. Und der Betrachter kann mutmaßen, wie es dem Mann, der in seinem Leben nicht nur wegen des frühen Tods seiner geliebten Frau Saskia van Uylenburgh viel Leid erfahren musste, in der jeweiligen Lebenslage ergangen sein mag.

Das Selbstbildnis von Rembrandt van Rijn aus dem Jahr 1630 befindet sich im Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden. Quelle: Sebastian Willnow/zb/dpa

Selbstverständlich sind auch die bekannten Selbstporträts abgebildet, so das „Selbstporträt mit breitrandigem Hut“ von 1632 und das „Selbstporträt mit Barett und Mantel mit Pelzkragen“ von 1634. Das letzte seiner Ich-Bilder malte Rembrandt kurz vor seinem Tod. Wir sehen einen Mann, dem die Lebensfreude zu fehlen scheint. Kein Wunder.

Obwohl: Eigentlich startet der Maler zu Beginn seines Künstlerlebens durch. Er macht früh in Amsterdam Karriere, gemeinsam mit Saskia gehört er zu den Reichen und Schönen der Stadt. Die beiden haben ein reiches soziales Leben, das Licht überwiegt in ihrem Leben. Doch bereits im Alter von 29 Jahren stirbt die geliebte Saskia, wahrscheinlich an Tuberkulose. Und später rafft es auch den Sohn Titus dahin. Einsam und verarmt stirbt Rembrandt. Viel Dunkel, wenig Leuchten.

Seine Malerei interessiert zu dem Zeitpunkt kaum jemanden, er ist aus der Mode. Das Goldene Zeitalter ist zu Ende, der Klassizismus hat die ästhetische Vormachtstellung übernommen, die Linien sollen nun klar und fein sein. Da passen Rembrandts dunkle Bilder nicht dazu.

Erst die Romantiker und dann die Abspaltung Belgiens von den Niederlanden 1830 bringen den längst verblichenen Lichtkünstler zurück ins Geschäft. Denn die Belgier vereinnahmen den flämischen Künstler Peter Paul Rubens. Die Niederländer benötigen nun einen neuen Säulenheiligen, die Wahl fällt auf Rembrandt. Seitdem hat er Kultstatus, nicht nur in den Niederlanden.

König Willem-Alexander von den Niederlanden steht neben dem Rembrandt-Gemälde „Selbstporträt mit zwei Kreisen“. Quelle: Koen Van Weel/epa/dpa

Heute hängen viele Bilder im Rijksmuseum in Amsterdam. Auch die „Nachtwache“ hat dort ihren Platz. Wer aber Rembrandt zu Hause genießen will und sich für das eigene Fotoshooting abgucken will, was man mit verschiedenen Gesichtsausdrücken bewirken kann, der kann zum Goldschnittfolianten aus dem Hause Taschen greifen. Es ist ein beeindruckendes Buch, das einen großen Maler im Spiegel seines Selbst zeigt.

Volker Manuth, Marieke de Winkel: „Rembrandt. Die Selbstporträts“. Hardcover mit Hologramm. Taschen. 176 Seiten, 50 Euro.

Von Kristian Teetz/RND

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