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Kultur Weltweit Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason wird 75
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16:00 24.01.2019
Jetzt ist er auch mit Pink-Floyd-Songs unterwegs: Nick Mason bei einem Konzert mit seiner Band Saucerful of Secrets am 13. September 2018 in der Hamburger Laeiszhalle. Quelle: Jazzarchiv
London

Pink Floyd sind eine ungerechte Band. Keine John-Paul-George-und-Ringo-Einheit wie die Beatles. Und es gibt auch keine (annähernde) Mick-Keith-Charlie-und-Ronnie-Ebenbürtigkeit wie bei den Rolling Stones. Pink Floyd sind in der allgemeinen Wahrnehmung zuvörderst Roger Waters und David Gilmour, zwei einander in verlässlichem Grimm entgegen starrende Masterminds.

Nick Mason ordnete sein Spiel meist den Geboten des Songs unter

Dann denken viele Pink-Floyd-Fans der ersten Stunde noch gern an Syd Barrett zurück, das früh in die LSD-Galaxis katapultierte Songwritergenie des psychedelischen Rock, unter dem die Band ihrer Meinung nach kein aufgeblasenes Stadionmonster geworden wäre. Des 2008 verstorbenen Keyboarder Rick Wright erinnert man sich kaum und höchstens als traurige Figur, weil ihn der Egomane Waters zeitweilig zum nicht vollwertigen Bandmitglied degradiert hatte.

Und dann ist da noch Nick Mason, der trommelt und lächelt. Einer für das Charisma der Songs und die Balance in der Band. 75 Jahre alt wird er am 27. Januar.

Das Fehlen einer Handschrift sagte man Mason gerne nach. Gerade dadurch aber, dass er sein vom Jazz kommendes Spiel den Anforderungen des jeweiligen Songs den Vorstellungen seiner Mitmusiker unterordnete, hat er auf seinen Doublebassdrumsets einzigartige Artrock-Atmosphären miterschaffen. Von „Arnold Layne“ über „Echoes“ über „Time“ und „Shine On You Crazy Diamond“ bis „Comfortably Numb“, gestaltete Nicholas Berkeley Mason die Songs mit seinen Fellen, Becken und Sticks zu Grotten, Kathedralen, Galaxien.

Die Urversion von Pink Floyd wollte Rhythm ’n Blues spielen

In vielen Gesprächen ist Masons Bescheidenheit und seine Wissbegier herauszuhören. Immer wieder fällt das Wort „lernen“. Wann immer er als Produzent mit anderen Schlagwerkern arbeitete, schaute Mason ihnen auf die Finger und holte neue Kniffe in seinen Kosmos. Er lernte spät, mit dem Setzen von Pausen Dynamik zu erzeugen, statt Songs permanent mit komplexen Figuren zu befrachten. Einer, der wuchs, und einer mit Selbstironie: „Die wichtigste Regel beim Trommeln ist, dass du, wenn dir ein Fehler unterläuft, einfach verärgert Richtung Bassist blickst“, sagte er dem „Drummer’s Journal“ 2015 in einem Interview.

Am Regent-Street-Polytechnikum hatte der Architekturstudent und Sohn eines Dokumentarfilmers, der sich als Kind an Klavier und Geige versucht hatte, seine späteren Mitmusiker Waters und Wright kennengelernt. Sie gründeten 1965 die Bands Sigma 6, aus denen The Abdabs wurden, die Rhythm ’n Blues machen wollten.

Waters zog bald seinen Kumpel Barrett in die Band. Und mit ihm drangen sie als Pink Floyd ausgehend vom Blues in Welten vor, die nie ein Mensch zuvor gehört hatte, klangen mit Stücken wie „Interstellar Overdrive“ und „Set the Controls for the Heart of the Sun“ nach Zukunftsmusik - Science-Fiction in Sound.

Zu Neujahr wurde Mason für seine Verdienste um die Musik geehrt

Mason, der einzige Pink-Floyd-Musiker, der auf allen Alben der Band vertreten ist, weiß um seine privilegierte Situation. Die ihm das dekadente Hobby des Oldtimer-Sammelns (und Rennfahrens) ermöglichte. Pink Floyd haben ihn zum reichen Mann gemacht, in einer Zeit, als man das mit Rockmusik noch werden konnte.

Zu Neujahr wurde er von Königin Elizabeth für seine Verdienste um die Musik zum Commander of the most Excellent Order of the British Empire ernannt. Klingt nach Ruhestandswürdigung. Doch würden die anderen beiden heute die Möglichkeit einer Reunion andeuten, wäre Mason der erste, der die Drumsticks höbe. Dann könnte er der nächsten Auflage seines schnurrenreichen Band-Biopics „Inside Out“ (2004) noch ein weiteres Kapitel hinzufügen.

Es waren Waters und Gilmour, die Pink Floyd von einer der großen, relevanten Rockbands mit ihrer Unversöhnlichkeit zu einer jener ihr Fanlager sträflich missachtenden Legenden machten, einer Legende, die seit beinahe einem Vierteljahrhundert musikalisch versteppt ist. Und es waren lange Zeit auch nur Gilmour und Waters, die von dem grandiosen Songschatz der Band profitierten, indem sie ihn in ihre Soloshows einbauten.

Live widmet sich Mason derzeit dem Frühwerk von Pink Floyd

Seit dem Vorjahr nun zieht endlich auch Nick Mason mit der Band Saucerful of Secrets (mit Gary Kemp von Spandau Ballet als Sänger und Gitarrist) durch die Welt und widmet sich dem Frühwerk seiner Band. Musik aus der Zeit, bevor Pink Floyd mit dem Album „The Dark Side of the Moon“ 1973 zur Gigaband wurden, vor allem Barrett-Stücke wie „Astronomy Domine“, „Arnold Layne“, „Lucifer Sam“.

Eine späte Verbeugung. Beim Einstudieren der Songs habe er erkannt, so verriet er jüngst dem Musikmagazin „Rolling Stone“, „wie jung und unreif wir waren, und wie hoffnungslos überfordert, Syds Zusammenbruch in den Griff zu bekommen.“

Die Mason-Konzerte in Deutschland waren große Abende für Floyd-Fans. Und wieder stellte der Schlagzeuger sein Können in den Dienst des jeweiligen Songs. Der Kritiker der „Leipziger Volkszeitung“ zeigte sich nach dem Konzert von der Leistung beeindruckt. Und hob das Lächeln Masons hervor. Da war einer am Werk, der mit sich im Reinen ist. Wer bei Pink Floyd kann das schon von sich sagen?

Von Matthias Halbig

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