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15:56 27.06.2019
Das Online-Netzwerk Facebook hat eine neue globale Währung erfunden – und baut so seine Macht aus. Quelle: Jeff Chiu/AP/dpa
Menlo Park

Mark Zuckerberg hat eine große Leidenschaft für das antike Rom. So groß, dass es Facebook um ein Haar vielleicht nie gegeben hätte. Denn als Zuckerberg aufs College ging, so erzählte er es einmal vor ein paar Jahren, da plante er ursprünglich, Altphilologie zu studieren. Es wurden dann doch Computerwissenschaften und Psychologie – zumindest so lange, bis Zuckerberg für Facebook die Uni schmiss. Aber die Leidenschaft für das Römische Reich ist geblieben. Zuckerbergs Töchter heißen wohl nicht zufällig Maxima und August. Und auch das neueste Facebook-Projekt trägt einen Namen, der an das antike Rom erinnert: Libra, das war in der römischen Antike ein Gewicht.

Nun soll Libra zur globalen Währung werden. Ein Zahlsystem, das alle nutzen können, die ein Smartphone haben. Es ist ein Projekt der Superlative: Zu Facebook, das teilte der Konzern vergangene Woche mit, gesellen sich zahlreiche einflussreiche Gründer, darunter Mastercard, Paypal und Visa, aber auch Ebay, Spotify oder Uber. Und auch die Ambitionen sind klar abgesteckt: Libra soll zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen werden. Kein Nischenprodukt wie Bitcoins, die nur von einem Kreis auserwählter Spezialisten getauscht werden, sondern eine Kryptowährung – vielleicht die erste – für Millionen.

Kritik an Libra wächst

Doch seit Facebook das Projekt Libra vor einer Woche ankündigte, ist die Kritik daran beständig gewachsen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann bezweifelte öffentlich, dass sogenannte „stable coins“, wie Facebook sie plant, wirklich stabil sind. In den USA hält der Senat eine Anhörung, in Deutschland überlegt die CDU-Fraktion, Facebook mit einem digitalen Euro Paroli zu bieten. Auch Wissenschaftler und Experten warnen vor den möglichen Folgen. „Facebook sollte Libra nicht auf eine Art und Weise einführen dürfen, die das globale Finanzsystem destabilisiert “, sagt beispielsweise Jennifer Grygiel von der Newhouse School an der Syracuse University. Denn so wie Libra derzeit konzipiert sei, bestünde die Gefahr, dass sich damit Währungssysteme auf der ganzen Welt beeinflussen ließen.

Lesen Sie hier:
Darum beunruhigt Facebooks Digitalwährung Libra so viele Banker, Politiker und Experten

Das Vertrauen, das Facebook verantwortungsvoll mit Libra umgehen wird, ist trotz Beteuerungen bei vielen eher gering. Im Gegenteil: Das Unternehmen habe in der Vergangenheit öfter Produkte auf den Markt gebracht, ohne vorher deren Risiken genau abzuschätzen, sagt Grygiel. Ein Beispiel dafür ist die Livestreaming-Funktion, die es eben nicht nur lustigen Teenagern erlaubte sich und ihre Taten in die Welt zu senden, sondern auch Terroristen.

Baut sich Mark Zuckerberg ein eigenes Reich?

Doch unabhängig von der Sicherheit der Kryptowährung sieht Grygiel noch eine ganz andere Gefahr: „Wir erleben etwas größeres, als nur die Einführung eines Finanzprodukts durch Facebook.“ Facebook sei auf dem Weg, eine Art eigener, digitaler Staat zu werden – und Libra dazu der nächste Schritt. Oder um beim Bild zu bleiben: Zuckerberg, der Rom-Fan, baue sich sein eigenes Römisches Reich.

Schon heute hat Facebook mehr „Einwohner“ als jedes Land dieser Welt. 2,7 Milliarden Menschen nutzen mindestens einen der Facebook-Dienste – wozu neben dem Netzwerk auch Whatsapp und Instagram gehören – mindestens einmal pro Monat. Es sind diese Zahlen, die Facebook Macht verleihen. Auf seiner Plattform legt Facebook bisher seine eigenen Regeln fest, die dann die Kommunikation von Millionen Menschen betreffen: Was darf gepostet werden, sind weibliche Brustwarzen innerhalb der Facebook-Welt erlaubt? Facebook nur als einfaches Unternehmen zu sehen, greift schon heute viel zu kurz.

Facebook baut seine Macht aus

Trotzdem: Ist es nicht übertrieben, gleich von einem Facebook-Staat zu sprechen? Natürlich besitzt Facebook – im Gegensatz zu einem „herkömmlichen“ Staat – kein Staatsgebiet und kann keine Steuern erheben. „Aber sie könnten etwas davon in der digitalen Welt nachahmen“, sagt Grygiel. Denn Facebook habe so viel Macht wie ein Staat – gerade weil das Unternehmen global agiere, sei es in mancherlei Hinsicht sogar schon mächtiger als manche Staaten. Durch Libra scheint das Unternehmen diese Macht ausbauen zu wollen – und zwar in einer Zeit, in der die Zerschlagung von Facebook gerade zum Wahlkampfthema in den USA geworden ist.

Ein Staat ist davon abhängig, dass andere ihn anerkennen. „Wenn Facebook genug Einfluss sammelt, könnten sie sich potenziell dafür einsetzen, einen offiziellen Status zu erhalten“, sagt Grygiel. Vielleicht pocht das Unternehmen dabei auch gar nicht darauf, „Staat“ genannt zu werden. Facebook sträubt sich schließlich auch dagegen, als Medienunternehmen bezeichnet zu werden.

Weitgehende Fragen stellen

Ob Libra ein Erfolg wird, weiß bisher noch niemand. Viel scheint davon abhängig zu sein, ob genügend Menschen dem Konzern noch Vertrauen – nicht nur mit ihren Daten, sondern auch mit ihrem Geld. Andererseits: Wenn Facebook mit seiner Größe etwas einführt, dann hat das Gewicht. Im Fall von Libra könnte das bedeuten: Auch wenn das Facebook-Management unter Skandalen wie Cambrigde-Analytica gelitten hat – sobald der Konzern es Millionen Menschen ermöglicht, einfach und schnell Geld zu überweisen, kann das funktionieren. Gerade in Regionen, wo es dazu sonst keine Möglichkeiten gibt.

Auch ob Facebook wirklich zu einem Quasi-Staat wird, ist nicht sicher. Aber für Grygiel ist es wichtig, dass Wissenschaftler und Experten jetzt anfangen, weitgehendere, größere Fragen zu stellen. Sozusagen als Konsequenz aus den Jahren, als das massive Wachstum des Konzerns und die Folgen daraus an vielen Wissenschaftlern vorbeiging. Um mitzuhalten, sagt Grygiel, müssen sie sich nun viel häufiger fragen: Was wäre, wenn... Was könnte passieren, wenn… „Sodass wir in fünf bis fünfzehn nicht bloß mit der Realität konfrontiert werden, die außerhalb dessen lag, was wir uns vorstellen konnten.“

Von Anna Schughart/RND

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