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Digital „Call of Duty: Modern Warfare“: Warum noch Geschichten erzählen?
Nachrichten Digital „Call of Duty: Modern Warfare“: Warum noch Geschichten erzählen?
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11:39 04.11.2019
„Call of Duty: Modern Warfare“ ist für Playstation 4, PC und Xbox One erhältlich. Quelle: Activision

Gespenstisch leuchtet das Treppenhaus im Blick des Nachtsichtgerätes. Über den Lauf eines Sturmgewehres sehen die Spieler ihren Kameraden voranlaufen. Im Hintergrund hört man ein streitendes Paar. Dann der Zugriff: Der Spieler schießt auf die Tür, tritt sie ein, stürmt in das Zimmer und findet dort nicht den erwarteten Terroristen, sondern eine panische Mutter, die zum Babybett stürmt. Wer jetzt reflexartig schießt, bekommt nur eine Abblende zu sehen, und den Hinweis: Babys nehmen nicht am Kampf teil. Dann beginnt die Szene von Neuem.

Das traumatische Ereignis stammt aus dem neuen EgoshooterCall of Duty: Modern Warfare“. Das Spiel ist ein Reboot der beliebten „Modern Warfare“-Reihe. In Shootern wie „Call of Duty“ steuern Spieler dabei Soldaten und Elitekämpfer, sie sehen aus der Ich-Perspektive eine realistische Spielwelt im Krieg. Sie schießen auf Gegner.

Schulnoten für moralisches Schießen

Call of Duty: Modern Warfare“ hat zwei Hälften. Im Mehrspielermodus ist der Spielspaß eher sportlich, verschiedene Spieler treten gegeneinander an. Die zweite Hälfte ist der Kampagnenmodus, in dem ein einzelner Spieler eine Geschichte erlebt und durchspielt. „Modern Warfare“ heißt übersetzt „Moderne Kriegsführung“, und deswegen führt Herausgeber Activision seine Spieler durch die Wirren eines Krieges im 21. Jahrhundert.

Der asynchrone Krieg gegen den Terror führt dabei von einem fiktiven Land des Nahen Ostens bis in die Londoner Innenstadt. Die Bösewichte werden nicht, wie in alten Kriegsfilmen, durch ihren Aufenthaltsort oder ihre Hautfarbe gekennzeichnet. Stattdessen sind sie auf den ersten Blick gar nicht wirklich zu erkennen. Das wird zur besonderen Herausforderung: Es gilt, die Bösen zu erschießen – nicht die Zivilisten. Auf diese Weise will „Call of Duty: Modern Warfare“ nach Angaben des Entwicklers einen verstörenden, aber kritischen Blick auf die Ungewissheiten moderner Kriegsführung werfen. Am Ende jeder Mission des neuen „Call of Duty“-Spiels bekommen die Spieler dann aber Schulnoten dafür, wie moralisch einwandfrei sie geschossen haben.

Call of Duty: Modern Warfare“: Albtraumbilder statt Patriotismus

Gestartet ist „Call of Duty“ deutlich weniger kompliziert. Der erste Teil der Serie etwa, der vor 16 Jahren erschien, spielte im Zweiten Weltkrieg – da waren die Fronten ganz klar. Die Fortsetzung „Call of Duty 4: Modern Warfare“ änderte das 2007 mit einem Paukenschlag. Eine Szene kopierte beispielsweise Nachrichtenbilder aus dem Afghanistan-Krieg: Spieler saßen in einem Flugzeug, schauten durch eine Wärmebildkamera und radierten die allseits wuselnden Gegner mit Rohrbewaffnung aus, als seien es Ameisen. Statt einem patriotisch gefärbten Erfolgserlebnis bekamen die Spieler Albtraumbilder serviert. Damit bewies „Modern Warfare“: Videospiele können ernste, traumatische Themen behandeln – so wie jedes andere Medium auch.

Allerdings gibt es dabei eine wichtige Einschränkung: Solche Szenen dürfen kein Selbstzweck sein, denn sonst sind sie bloß überflüssige Provokation. Diesen Vorwurf musste Herausgeber Activision sich in den letzten Jahren dann auch öfter anhören: Seit „Modern Warfare“ haben Spiele in der „Call of Duty“-Reihe Jahr für Jahr versucht, Publikum und Presse zu schockieren. Mal wurde gefoltert, mal wurden Zivilisten erschossen. Doch nur selten wurden die Entgleisungen im Kontext der Geschichte gut begründet.

Spätestens, seitdem Kevin Spacey 2014 in dem Science-Fiction-Abenteuer „Call of Duty: Advanced Warfare” einen astreinen B-Movie-Bösewicht gab, schienen die Zeiten ernster Geschichten daher vorbei. Letztes Jahr verzichtete der Mehrspieler-Shooter „Call of Duty: Black Ops 4“ sogar komplett auf die Geschichte. Stattdessen gab es nur Multiplayermatches. Das wirkte konsequent.

Call of Duty“: Rückkehr zum Realismus

Doch in diesem Jahr wagt Activision den Reboot – und die Rückkehr zur Geschichte. Das 16. „Call of Duty“, das vierte Spiel mit „Modern Warfare“ im Untertitel, sollte wieder realistischer werden. Deswegen sind Szenen wie die mit dem Baby häufiger im Spiel anzutreffen. Einhellig von der Fachpresse gelobt werden Technik und Mehrspielermodus des Titels. Ob die Erzählung dagegen realistisch und gelungen ist – oder einfach nur provozieren will –, daran scheiden sich die Geister.

Schon vor dem Erscheinen des Spiels monierten Fachjournalistinnen wie Emma Kent von der britischen Website Eurogamer, dass einige Szenen tatsächlich eher lächerlich wirken. So erleben Spieler in der Rolle eines jungen Mädchens beispielsweise den Tod der Eltern und müssen direkt darauf gegen einen bösen Soldaten kämpfen, indem sie unter Möbeln und durch Lüftungsschächte robben, ihn dreimal hintereinander aus dem Versteck heraus verwunden, bevor sie ihn endlich gemeinsam mit dem Bruder umbringen.

Als Kent die Autoren des Spiels jedoch auf die hölzerne Schleich- und Spielszene mit dem platten Bösewicht ansprach, bekam sie windelweiche Rechtfertigungen zu hören: Man wolle den Geist moderner Kriege einfangen – aber keine politische Botschaft verkünden, sondern unterhalten, erzählten Joel Emslie und Jacob Minkoff aus dem Entwicklerteam.

Die Geschichte eines Egoshooters interessiert nur wenige

Die Bewertung der Geschichte ist wohl nicht nur für die Macher irrelevant. „Call of Duty: Modern Warfare“ ist ab 18 Jahren freigegeben. Das ist angemessen, nur mündige Menschen sollten so einen Titel spielen – und die Geschichte dann selber einordnen. Viele werden das allerdings gar nicht tun. Denn die Geschichte so eines Egoshooters interessiert nur wenige Spieler. Populär sind die Multiplayergefechte.

Dass viele Spieler hier vor allem Dampf ablassen wollen, ahnen auch die Entwickler. Wer im neuen Spiel wieder und wieder auf das Baby schießt, bekommt nach der dritten Abblende eine Frage gestellt: Ob der Spieler das ernst meint, steht dann mahnend auf dem Bildschirm. Die Antwort lautet wohl meistens: nein.

Von Jan Bojaryn/RND

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